Der deutsche Meister Bayern München kam in einem flotten und abwechslungsreichen Saison-Eröffnungsspiel gegen einen starken Hamburger SV nicht über ein mageres 2:2 (2:1) hinaus und verspielte beim Start in das Unternehmen Titelverteidigung nach einer 2:0-Führung den erhofften Erfolg. Bastian Schweinsteiger erzielte in der 12. Minute das Premierentor der 46. Bundesliga-Saison. Lukas Podolski erhöhte in der 16. Minute mit einem Foulelfmeter auf 2:0 für den ersatzgeschwächten Rekordmeister. Paolo Guerrero gelang für den HSV, der phasenweise sogar dominierte, in der 25. Minute das 2:1. Piotr Trochowski verwandelte einen Strafstoß zum 2:2 sicher (57.).
Beide HSV-Torschützen hatten zuvor beim FC Bayern gespielt. Die Norddeutschen und ihr neuer Coach Martin Jol konnten damit ihre positive Bilanz in der Allianz-Arena fortsetzen. Bisher gab es zwei Siege und zwei Remis. "Wir haben stark begonnen und dann nach einer 2:0-Führung das Spiel noch aus der Hand gegeben. Wenn man nur einen Punkt im ersten Spiel holt, ist es klar, dass man sich nicht um den Hals fällt", sagte ein unzufriedener Bayern-Manager Uli Hoeneß nach dem Spiel. Auf Seiten des HSV war man dagegen glücklich. "Nach einem 0:2 noch zurückzukommen und sogar die Chance zum Sieg zu haben, damit kann man zufrieden sein. Wir sollten das aber richtig einordnen. Die Bayern sind auch noch nicht richtig fit", meinte Torwart Frank Rost nach dem Abpfiff.
Insgesamt konnte der FC Bayern der hohen Erwartungshaltung unter Klinsmann, auf dem enormer Druck lastet, nicht gerecht werden und offenbarte noch einige Schwächen. Vor allem die Defensive ohne Abwehrchef Martin Demichelis war wie schon im Pokal bei Drittligist Erfurt (4:3) nicht sattelfest. Auch im Mittelfeld war trotz des Bemühens von Schweinsteiger und Toni Kroos das Fehlen von Franck Ribery spürbar. Der HSV konnte dagegen den Abgang von Spielmacher Rafael van der Vaart mit einer geschlossenen Mannschaftsleistung kompensieren.
Ivica Olic und Guerrero hatten für den engagiert startenden HSV auch die ersten Möglichkeiten. In der 11. Minuten hatte der deutsche Meister zudem Glück, dass Trochowski nur den Pfosten traf. Doch die Münchner schlugen eiskalt zurück: Eine Vorlage von Ze Roberto nutzte Schweinsteiger mit einem strammen Flachschuss von der Strafraumgrenze zum 1:0. Auch in der Folgezeit sahen die 69.000 Zuschauer in der ausverkauften Allianz-Arena ein intensives Spiel und kurz darauf das 2:0 durch Podolski. Joris Mathijsen hatte Schweinsteiger umklammert, Schiedsrichter Thorsten Kinhöfer aus Herne zögerte keine Sekunde und entschied auf Strafstoß. Der HSV zeigte sich aber keineswegs geschockt und konnte die Partie weiter offen gestalten.
Lohn der Hamburger Bemühungen war der Anschlusstreffer von Guerrero, der nach Flanke von Trochowski völlig frei einköpfen konnte. Die beste Chance der Bayern vor der Pause vergab der insgesamt schwache Miroslav Klose, der in HSV-Keeper Rost seinen Meister fand. Nach dem Wechsel agierten beide Teams unter den Augen von Bundestrainer Joachim Löw, der auf Bayern-Seite in der Startelf immerhin sieben deutsche Spieler sah, weiter offensiv. Nachdem zunächst Podolski freistehend das Ziel verfehlte (49.), hatte Olic mit einem Pfostentreffer (50.) Pech. Umso verdienter war der Ausgleich durch Trochowski per Elfmeter, nachdem Christian Lell Olic attackiert hatte. In der Folgezeit drängten die Bayern, agierten aber oft zu ideenlos und unpräzise, um den HSV, der immer gefährlich blieb, in Verlegenheit zu bringen.
Bei den stark ersatzgeschwächten Münchnern, die auf Torjäger Luca Toni, Ribery, Demichelis, Hamit Altintop, Willy Sagnol und Jörg Butt sowie die Olympiateilnehmer Breno und Jose Sosa verzichten mussten, verdienten sich Schweinsteiger und Ze Roberto noch die besten Noten. Hamburg hatte in Trochowski und Olic seine auffälligsten Akteure. Vor der Partie hatte Reinhard Rauball, Präsident des Ligaverbandes, zusammen mit Bayern-Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge die 46. Bundesliga-Saison um 20.34 Uhr offiziell eröffnet.


















