Statt gepflegter Langeweile sorgen die Pinguine nämlich in schöner Regelmäßigkeit für Sommertheater. In den Hauptrollen dieses Jahres: Sebastien Charpentier als Pinguin-Torwart, der keiner mehr sein wollte, auf dem Sprung nach Russland war und schließlich ganz ohne Verein da stand. Desweiteren Jan Alinc und Daniel Kunce als ebenfalls abwanderungswillige Cracks, die sich aufgrund ausstehender Gehaltszahlungen vom Verein los klagen wollten und schließlich mit Alexander Selivanov gemeinsame Sache machten und auf der anderen Rheinseite bei den Füchsen Duisburg unterschrieben. Es schien zwischenzeitlich fast, als wolle alles, was Beine hat, die Krefelder verlassen.

Ein Bild vergangener Tage: Alexander Selivanov wird nicht mehr für die Pinguine jubeln. (RS-Foto: firo)
Ganz so drastisch war es am Ende dann aber doch nicht und einen kompletten Kader hat Jiri Ehrenberger in seiner neuen Funktion als Sportlicher Leiter ja auch noch zusammen bekommen. Darüber, was die Krefelder mit dem neuen Personal anzustellen imstande sind, ist man sich in der Seidenstadt allerdings uneins. Nicht wenige sehen im Weggang der Routiniers einen schwerwiegenden sportlichen Substanzverlust.
Wen man sich mit dem neuen Personal ins Boot geholt hat, ist noch völlig ungewiss, lediglich Charlie Stephens (zuletzt bei den DEG Metro Stars) darf als feste DEL-Größe eingestuft werden. Ehrenberger deutete bereits an, dass es sich bei den Zugängen generell um andere Spielertypen als Edeltechniker wie Alinc oder Selivanov handele. Teamplayer, Kämpfer sind gefragt. Trotz spielerischer Einbußen sollen mit diesen Attributen wieder die Play-offs erreicht werden.
Zugänge: T Scott Langkow (Metallurg Nowokusnezk/Russland), V Jim Fahey (Rockford IceHogs/AHL), V Chris Heid (Eisbären Regensburg/2.BL), S Philip Riefers (Krefelder EV/DNL), S Andreas Driendl (Eisbären Regensburg/2.BL), S Charlie Stephens (Düsseldorfer EG), S Michael Andraß (Deggendorf Fire/OL), S Shay Stephenson (HC Milano Vipers), S Serge Payer (Houston Aeros/AHL)
Abgänge: T Nathan Masters (Ziel unbekannt), V Sasa Martinovic (ERC Ingolstadt), V Daniel Kunce (Füchse Duisburg), V Doug Andress (SC Bietigheim-Bissingen/2.BL), V Andre Mangold (Eisbären Juniors Berlin/OL), S Jan Alinc (Füchse Duisburg), S Brian Maloney (Straubing Tigers), S Ryan Ramsay (Düsseldorfer EG), S Björn Bombis (Schwenninger Wild Wings/2.BL), S Henrik Hölscher (Ziel unbekannt) Trainer: Igor Pawlow (für Jiri Ehrenberger)
Einen Löwen-Anteil bei der Bewältigung dieser Aufgabe muss der neue Trainer Igor Pavlov übernehmen. Hinter dem 43-Jährigen steht jedoch ebenfalls ein Fragezeichen, immerhin betritt er im Oberhaus Neuland. Seine Arbeitszeugnisse in der Zweiten Liga lesen sich jedoch tadellos. In Bremerhaven heimste er sogar zwei Mal den Titel „Trainer des Jahres“ ein und auch bei seiner letzten Station in Regensburg wies er angesichts der alles andere als leichten Arbeitsumstände eine hervorragende Bilanz vor.
Mit neuen Spielertypen und einem Coach, der es offenbar versteht, aus Einzelkämpfern verschworene Teams zu formen, können sich die Krefelder Eishockey-Fans also darauf einstellen, dass wieder in die Hände gespuckt und Eishockey vornehmlich gearbeitet wird, was aber durchaus mit Erfolg verbunden sein kann. Ehrenberger nimmt zumindest kein Blatt vor den Mund, wenn es zum die Zielsetzung geht. „Natürlich wollen wir in die Play-offs. Unser Ziel ist sicher nicht Platz zwölf.“
