Statt mit einer starken Leistung und einem positiven Ergebnis die Voraussetzungen für den geplanten Einzug in die Uefa-Cup-Gruppenphase zu legen, erlebte das Team von Trainer Jürgen Klopp im Hinspiel gegen den italienischen Vertreter Udinese Calcio eine knüppelharte Bruchlandung. Mit 0:2 (0:2) ging eine Partie verloren, die der Borussen nicht nur aufgrund des fast hoffnungslos stimmenden Ergebnisses als äußerst schmerzhaft in Erinnerung bleiben wird.
„In Teilbereichen war das eine Katastrophe“, fand ein sichtlich geschockter Klopp direkt nach Spielschluss passende Worte für die Leistung seines Teams, das gerade im taktischen Bereich zahlreiche Defizite offenbarte. Und auch mit einer Nacht Abstand und einer ausführlichen Analyse im Rücken kam der frühere Mainzer zu dem bitteren Schluss: „Es haben einige Dinge dazu geführt, dass diese Partie skurrile Formen angenommen hat.“
Gerade das Abwehrverhalten seiner Außen – Young-Pyo Lee und Florian Kringe auf links, Antonio Rukavina und Jakub Blaszczykowksi auf rechts – trieb dem BVB-Coach Sorgenfalten auf die Stirn. „Die Unruhe nach dem Schalke-Spiel hatte an der Leistung sicher ihren Anteil“, suchte der 41-Jährige nach Gründen für die Mängel, bevor er nachschob: „So oder so geht dieses Verhalten gar nicht. Es funktioniert in keinem Fußballspiel dieser Welt, wenn der eine Außenverteidiger flankt und alle anderen Flügelspieler sich im gegnerischen Strafraum befinden. Die Räume in der Defensive werden dann einfach zu groß.“
Udine, vor dessen Stärken beim schnellen Umschalten von Abwehr auf Angriff Klopp in den Tagen vor dem Match ausdrücklich gewarnt hatte, nutzte diese Schwächen mit einer Eiseskälte, die wohl ausschließlich italienische Mannschaft an den Tag legen können. Nur in einer handvoll Szenen ließ der Tabellensiebte den Motor an, doch das allein reichte, um nie ernsthaft in Gefahr zu geraten.
„Das war ein Hinweis, den wir so hinnehmen müssen“, bilanzierte der Dortmunder Linienchef abschließend, bevor er seinen Blick auf die heutige Aufgabe gegen Hoffenheim richtete: „Aber das wird so nicht mehr passieren, definitiv nicht. Wir müssen jetzt gegen die TSG zeigen, dass wir es besser machen wollen. Das muss man im Stadion spüren, egal ob man zuhause spielt oder auswärts.“
Genauso wenig, wie Klopp nach dem guten Start in Euphorie verfiel, wollte er nach dem Nackenschlag gegen Udine alles verteufeln, was in den letzten Wochen lief: „Es ist nicht so, dass ich jetzt durchdrehe und sage, es wäre alles schlecht gewesen. Außerdem sind grobe Fehler, wie sie am Donnerstag passiert sind, häufig leichter abzustellen als kleine.“
Viel Zeit blieb den Schwarz-Gelben allerdings ohnehin nicht, um vor dem heutigen Gastspiel in Mannheim den Schalter wieder umzulegen. Man dürfe, so Klopp, die „Sache allerdings auch nicht größer machen als sie ist“: „Es wird sich in Hoffenheim sicher niemand freuen, wenn der BVB mit einigermaßen Frust in der Tasche zu ihnen kommt. Aber sie sind natürlich ein unangenehmer Gegner.“
Neben dem moralischen Schaden, den die 0:2-Pleite in Dortmund hinterließ, kommt jedoch noch erschwerend hinzu, dass der frühere „TV-Bundestrainer“ seine Stammelf zwangsläufig umstrukturieren muss: Mohamed Zidan und Mats Hummels verletzten sich gegen Udine und werden mehrere Wochen fehlen.
Als Ersatz für den Innenverteidiger steht derzeit nur Felipe Santana bereit, der allerdings bei seiner Saison-Premiere den schwachen Trainingseindruck der letzten Wochen bestätigte und einen permanenten Unsicherheitsfaktor darstellte. Deutlich leichter kann dagegen der Ausfall von Zidan abgefangen werden, da Alex Frei die Belastungen der letzten Tage gut wegsteckte und bereit scheint für die Startelf.
Ob es darüber hinaus zu weiteren personellen Veränderung kommt, ließ Klopp zwar offen, dennoch dürfte Marcel Schmelzer für den schwachen Lee zurück ins Team rücken. Einen grundsätzlichen Systemwechsel, hin zu einem defensiveren System mit nur einer Spitze, lehnte der gebürtige Stuttgarter trotz der Erfahrung aus zwei frühen Gegentoren gegen Schalke und Udine ab: „Das wäre nur eine Option, wenn wir im Angriff basteln müssten. Mir ist grundsätzlich ein gut gespieltes 4-4-2 immer noch am liebsten.“

