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Frankreich: Hymnen-Skandal, Domemech darf bleiben
Schonfrist wird verlängert

In dem Trubel über die von Frankreichs Staatspräsident Nicolas Sarkozy höchstpersönlich geführte Diskussion über den Hymnen-Skandal ging die Verlängerung der Schonfrist für Fußball-Nationaltrainer Raymond Domenech fast unter. Als der französische Verband FFF am Mittwochmittag nach einer Sitzung den überraschenden Verbleib von Domenech bekannt gab, hatte Sarkozy im Elysee Palast längst einen Krisengipfel geplant.

Die "skandalösen Vorkommnisse" im Stade de France am Dienstagabend, als tunesische Fans beim Länderspiel ihrer Mannschaft in St. Denis gegen Frankreich (1:3) die Marseillaise mit Buhrufen und einem Pfeifkonzert begleiteten, hatten sogar das Staatsoberhaupt auf den Plan gerufen. Premierminister Francois Fillon forderte bereits drastische Maßnahmen. "Das war eine Beleidigung für Frankreich und seine Nationalspieler. So etwas sollte nicht toleriert werden", schimpfte Fillon und meinte: "Ich finde, man sollte so eine Veranstaltung sofort beenden, wenn bei einer der Hymnen laute Buhrufe zu hören sind." Sarkozy will sich in den kommenden Tagen mit FFF-Chef Jean-Pierre Escalettes treffen sowie mit Sportminister Roselyne Bachelot und Staatssekretär Bernard Laporte über die Situation und mögliche Präventionsmöglichkeiten beraten.

Laporte schlug bereits vor, Spiele gegen nordafrikanische Länder nicht mehr im Stade de France von St. Denis vor den Toren von Paris auszutragen. Ähnliche Vorfälle wie am Dienstagabend hatte es bereits bei den Länderspielen der Franzosen gegen Marokko im November 2007 und gegen Algerien vor sieben Jahren gegeben. Viele Einwanderer aus Nordafrika haben in Frankreich, besonders in der Region um Paris, eine neue Heimat gefunden. "Bachelot und Laporte waren geschockt von der Reaktion einiger Fans beim Abspielen der Marseillaise, dem Symbol der französischen Republik", hieß es in einem Statement. Eigentlich sollten Sport-Veranstaltungen eine Möglichkeit für Spieler, Trainer und Fans bieten, sich auf der Grundlage von gegenseitigem Respekt zu begegnen, erklärten Bachelot und Laporte weiter.

Der glücklose Nationaltrainer Raymond Domenech soll bis 2010 im Amt bleiben (Foto: firo).

Inmitten der landesweiten Diskussion bestätigte Escalettes nach einer Vorstandssitzung am Mittwoch indes den Verbleib des seit langem stark in der Kritik stehenden Domenech. "Er wird wie vertraglich vorgesehen bis 2010 bleiben", sagte Escalettes. Dabei hatte einiges für eine Trennung von Domenech gesprochen. Das hart erkämpfte Unentschieden im WM-Qualifikationsspiel am vergangenen Wochenende in Rumänien (2:2) war zusätzlich Wasser auf die Mühlen der Domenech-Gegner gewesen.

Nach dem Vorrunden-Aus des Vize-Weltmeisters bei der EM in Österreich und der Schweiz im Juni hatte der 56-Jährige quasi auf Bewährung gespielt. Nach dem 1:3 zum Auftakt der WM-Quali in Österreich am 6. September war der eigenwillige Coach, der im Juli 2004 das Amt von Jacques Santini übernommen hatte, noch stärker in die Schusslinie geraten. Der 2:1-Sieg vier Tage später gegen Serbien hatte Domenech zumindest eine weitere Schonfrist verschafft, die jetzt abzulaufen drohte.

Doch nicht zuletzt die verbale Unterstützung durch Leistungsträger wie Franck Ribery von Bayern München oder Thierry Henry (FC Barcelona) und der Sieg gegen Tunesien gaben wohl letztlich den Ausschlag zu Gunsten von Domenech. Stürmer Henry war es auch, der mit zwei Treffern (40./48.) den Erfolg im Duell mit den Nordafrikanern ebnete. Damit stockte der Star vom FC Barcelona in seinem 107. Länderspiel sein Trefferkonto auf 48 auf. Den dritten Treffer für die Gastgeber erzielte Karim Benzema (58.). Spielmacher Ribery wurde in der Pause ausgewechselt.

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