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Hans Tilkowski, fühlen Sie sich als Namenspatron einer Schule besonders geehrt?

Hans Tilkowski vor der Herner Hauptschule an der Neustraße, die jetzt nach dem Vizeweltmeister von 1966 benannt wurde.
Natürlich. Das ist trotz des Bundesverdienstkreuzes die höchste Auszeichnung, die ich bisher erfahren durfte. Vor allem hat sie auch etwas mit jungen Menschen und der Zukunft zu tun. Außerdem kam der Vorschlag, die Schule nach mir zu benennen, aus dem Lehrerkollegium selbst und nicht durch Medien, Politiker oder die Stadt Herne, die sich mit Anerkennung sehr schwer tut.
Wie sieht Ihr Engagement aus?
Das wird sich zeigen. Ich habe mich im Vorfeld der Ehrung über die Probleme der Schule informiert und im Kontakt mit den Lehrern und Schülern wird sich etwas entwickeln. Allein bei der Namensgebung wird mein Engagement jedenfalls nicht bleiben, denn die Chemie zwischen der Schulleitung und mir stimmt. Wenn ich nicht das Gefühl hätte, etwas bewegen zu können, hätte ich die Ehrung gar nicht angenommen.
Was kann ein ehemaliger Weltklassefußballer den Schülern vermitteln?
Ich habe selbst nur die Volksschule besucht und hätte mir nie träumen lassen, dass ich mal Königinnen und Staatsoberhäuptern die Hand schütteln werde. Wer hat es mir ermöglicht: Mein Freund der Ball! Ich begreife mich ja als „Kind des Ruhrgebiets“. Mein Vater war Bergmann auf der Zeche Scharnhorst, und mein Geburtsort Husen war ganz und gar vom Bergbau geprägt. Der Fußball war unser Lebensmittelpunkt und in jeder freien Minute haben wir gepöhlt. In jungen Jahren habe ich mich auch als Boxer versucht und habe dabei sehr viel über Disziplin und Trainingsfleiß gelernt, allerdings ist man im Ring Einzelkämpfer, später in der Fußballmannschaft war ich einer von elf. Viel von dem, was ich an Werten gelernt habe, habe ich dem Fußball zu verdanken. Es ist eben wichtig, den Schülern klarzumachen, dass es für jeden Menschen Wege gibt, etwas zu erreichen – sowohl im Sport als auch in der Schule oder später im Berufsleben.
Dabei kennen Sie die Schüler höchstens aus Filmen und vom Hörensagen…

"Til" bei seinem ersten Länderspiel, 1957.
Dafür können sich aber andere erinnern – und nicht nur an das Wembley-Tor. Der Finanzminister Peer Steinbrück erzählte mir kürzlich, dass er als 1960 im Stadion am Schloss Strünkede war, als wir mit Westfalia Herne um die Deutsche Meisterschaft gegen „seinen HSV“ spielten. Dieses Spiel habe er nie vergessen, und in Mainz begegnete mir ein Mann, der aus Recklinghausen-Süd stammte, und mir ganz spontan für die vielen unvergesslichen Spiele in der Oberliga West dankte. Wir waren damals eine Truppe der Namenlosen, die nach drei harten Jahren Abstiegskampf plötzlich um die Deutsche Meisterschaft spielte. Deswegen ist der Name Westfalia Herne bis heute noch so klangvoll, weil sich viele mit dem Außenseiter identifizierten.
Im nächsten Jahr steht das Jubiläum der Westmeisterschaft von 1959 an.
Westfalia Herne ist einer der größte Werbeträger der Stadt Herne, aber dieses Faustpfand hat man einfach verschludert, dabei wird heute viel Geld für das Image einer Stadt ausgegeben. Aber die Stadt weiß nicht mit dem Verein umzugehen und was noch schlimmer ist: Westfalia Herne selbst weiß nicht, mit sich umzugehen. Man hat Prominente wie den Regisseur Sönke Wortmann und den ZDF-Moderator Michael Steinbrecher zu Ehrenmitgliedern gemacht, obwohl sie beide nur ein Jahr für Westfalia gespielt haben. Aber die Mannschaft von 1959, die die Grundlage für den bis heute lebendigen Mythos des Klubs gelegt hat, die lässt man außen vor. Dabei ist das Jubiläum eigentlich ein großes Ereignis für den Klub und für die Stadt.
Text und Interview: Ralf Piorr
