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TUSEM: Essener Finanznot deutlich größer als befürchtet
"Wir benötigen einen Vertrauensvorschuss"

Was RS bereits am Sonntag ankündigte, ist nun perfekt: Der bisherige TUSEM-Geschäftsführer Horst-Gerhard Edelmeier räumte seinen Posten und macht den Weg für den neuen Hoffnungsträger Niels Ellwanger frei, der bislang als stellvertretender Vorsitzender der Amateur- und Jugendabteilung fungierte.

Der Diplom-Kaufmann, zugleich Vorstand der Essener ConEnergy AG, weiß mit dem Unternehmensberater Michael Keusgen und Rechtsanwalt Thomas Vomfell zwei Mitstreiter an seiner Seite, die sich bestens mit der Restrukturierung und Sanierung von Unternehmen auskennen.

"Ich gehe davon aus, dass man jetzt richtig anpacken kann", betont Ulrich Gaißmayer, der als Präsident des Gesamtvereins zugleich Aufsichtsratsvorsitzender der TUSEM HSB ist. Zugleich erinnerte er daran, dass man dem scheidenden "Macher" Edelmeier seine Untätigkeit der letzten Wochen nicht vorwerfen könne: "Als Not am Mann war, ist er 2005 eingesprungen."

TUSEM-Linksaußen Aljoscha Schmidt (RS-Foto: Griepenkerl).

Mittlerweile befinden sich die Margarethenhöher in einer ähnlich prekären Lage wie bei der damaligen ersten Insolvenz. Und dennoch scheint man im Umfeld nach dem Führungswechsel ein wenig optimistischer – und ist offenbar gewillt, die aktuelle TUSEM HSB beizubehalten und vorerst keine neue Gesellschaft für die Profis zu gründen. "Die Strukturen lassen sich nicht von heute auf morgen ändern", betont Gaißmayer.

Zumindest die handelnden Personen werden aber nun abgelöst. Edelmeier und sein Vertrauter Manfred Radachowski übergaben ihre Gesellschafter-Anteile von jeweils 37 Prozent am Dienstag um 16 Uhr an einen Treuhänder. Der könnte die Anteile – die restlichen 26 Prozent bleiben beim Verein – demnächst an potenzielle Sponsoren weiterreichen. Denn das Mitspracherecht wäre ein Pfund, mit dem man bei der Suche nach potenziellen Gönnern durchaus wuchern könnte. "Wir benötigen einen Vertrauensvorschuss. Ohne diesen wird nichts gelingen", betonen Ellwanger und seine Mitstreiter unisono.

Dabei müssen sie davon ausgehen, dass ihnen die Zeit wegrennt. So ist es noch nicht einmal undenkbar, dass die Krankenkassen als einer der Hauptgläubiger einen Fremdantrag auf Eröffnung stellen könnten. Und: Die kurzfristigen Verbindlichkeiten sind offenbar deutlich höher als die bislang kommunizierten 400.000 Euro. "Wir müssen das Sponsoring ausweiten", fordert Gaißmayer. Und er denkt in Sachen Mitspracherecht von Großsponsoren nicht nur an die Weitergabe von Gesellschafteranteilen: "Die Frage ist auch, ob der Aufsichtsrat wie bislang nur als beratendes Gremium wirkt."

Die Überlegung ist auch weiterhin, ob der aktuelle Kader überhaupt gehalten werden kann oder ob man die Mannschaft mit günstigen Nachwuchsspielern aufstockt. Leistungsträger wie Aljoscha Schmidt und Barna Putics haben jedenfalls schon mehrere Angebote vorliegen. Ebenso wie Torwart Gerrie Eijlers, der bei der HBW Balingen-Weilstetten ein ganz heißer Kandidat für die Nachfolge von Kultkeeper Christian Ramota ist.

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