Ausgerechnet gegen den notorisch auswärtsschwachen FC St. Pauli kassierte der MSV mit 1:2 (0:0) die erste Heimniederlage der Saison und liegt nun vier Punkte hinter Rang drei. St. Pauli schaffte nach zuvor sieben Auswärtsniederlagen in Serie dagegen den Sprung in die obere Tabellenhälfte.
Es lief die 68. Spielminute, als den MSV-Fans der Atem stockte. Serge Branco säbelte Jan-Philipp Kalla an der rechten Außenlinie um und sah die Ampelkarte. Die Wende des Spiels. Denn bis dahin führte der MSV nach einem Treffer von Stürmer Dorge Kouemaha mit 1:0 (51.) und diktierte gegen harmlose St. Paulianer das Geschehen. Doch in Unterzahl nutzten die Hanseaten die numerische Überlegenheit eiskalt aus. Den Freistoß nach dem Platzverweis ließen die „Zebras“ durch den Strafraum zischen, Carsten Rothenbach köpfte zum gerade frisch eingewechselten Florian Bruns und der markierte den 1:1-Ausgleich (71.). Doppelter Schockzustand beim MSV. „Wenn so etwas passiert, darf man nicht erstarren, sondern muss die Zuordnung halten“, sah Duisburgs „Boss“ Walter Hellmich, dass Sandro Wagner nicht dicht genug beim Mann war.
Und die Pleiten, Pech und Pannenserie ging unvermindert weiter. Nur vier Minuten später folgte der endgültige K.o-Stoß: Olivier Veigneau verlor das Laufduell gegen Rouwen Hennings und der besorgte den 2:1-Endstand für St. Pauli. Coach Holger Stanislawski pustete tief durch: „Ich bin zwar nicht zufrieden, weil unser Passspiel einfach nicht gut war. Mit einem Fehler im Aufbau haben wir ja auch den MSV gestärkt. Aber wir sind zurückgekommen. Wir haben endlich unseren ersten Auswärtsdreier.“
Den sich die Gäste vor allem im ersten Durchgang erarbeiteten, in dem sie den MSV nicht ins Spiel kommen ließen. Die Partie plätscherte vor sich hin. Weder der MSV noch St. Pauli konnte wirklich gefährlich werden, weil die Pässe in die Spitze nur selten ankamen. Aus diesem Grund pfiffen die 15.142 Zuschauer auch, als Schiedsrichter Thomas Frank (Hannover) die Teams in die Kabine bat.
Das wurmte Bommer, der bei seiner Pausenansprache die richtigen Worte fand. Denn nach dem Wechsel präsentierten sich die „Zebras“ wie entfesselt. Plötzlich kamen die Pässe an und der MSV machte Dampf. Und prompt fiel die Führung. Doch auch die konnte Bommer nicht beruhigen. Im Gegenteil. Der Fußballlehrer war mächtig angefressen: „Ich war mit dem ersten Durchgang überhaupt nicht zufrieden. Wir waren zu nervös. In der Halbzeit habe ich es angesprochen. Doch nach dem ersten Ding muss man nachlegen.“ Aber Wagner verballerte die größte Chance (52.). Bommer schimpfte: „Wir haben uns dann selbst erschossen, denn wir legen uns die Gegentore selber rein. Wenn man dann auch noch den Platzverweis sieht, haben wir zu Recht verloren.“
Brancos Bärendienst wollte Hellmich aber nicht überbewerten. „Das kann passieren, auch wenn es eigentlich nicht geschehen darf. Aber darüber sprechen wir nur intern.“
Der MSV hat mit der ersten Heimniederlage jedenfalls die große Chance verpasst, den Abstand nach ganz oben zu verringern. Somit wird die Mannschaft am Sonntag beim TuS Koblenz wieder unter einem enormen Erfolgsdruck stehen, anstatt endlich mal beruhigter einen Auswärtstrip antreten zu können.





