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Guido Winkmann: In der Bundesliga angekommen - als Schiedsrichter
"Mein Name war Programm"

Als Guido Winkmann mit 15 Jahren sein erstes Fußballspiel pfiff, die B-Jugend des VfB Kleve trat gegen die A-Junioren der Klever DJK an, war eine Entscheidung fürs Leben gefallen.

"Wenn im Fernsehen Fußball lief, haben mich die Schiedsrichter einfach mehr interessiert als die Spieler", gibt der 34-Jährige aus Kerken im Gespräch mit RevierSport zu. "Daher war mein Name auch Programm, wobei ich froh bin, dass ich inzwischen ausschließlich als Schiedsrichter im Einsatz bin."

Guido Winkmann, warum wird man Schiedsrichter?

Ich habe als Jugendlicher schon gemerkt, dass ich eine Affinität zur Schiedsrichterei habe. Als klar war, dass ich es als Fußballer nicht so richtig weit bringen würde, war die Sache klar. Fortan wollte ich selbst Spiele leiten, was ich dann auch schon in recht jungen Jahren gemacht habe.

Von der Kreis- bis in die Bundesliga ist es für Schiedsrichter ein mindestens genau so langer Weg wie für Spieler. Sie haben dafür fast 20 Jahre benötigt. Was braucht man, um so weit zu kommen wie Sie, außer den Glauben, dass man es irgendwann schaffen kann?

Durchhaltevermögen ist dabei schon einmal ein ganz wichtiger Faktor. Man weiß, dass man einen Schritt nach dem anderen machen muss und steht dabei unter ständiger Beobachtung. Ohne Spaß an der Sache geht es aber nicht, man darf sich nicht von kleinen Rückschlägen oder negativen Erlebnissen vom Weg abbringen lassen.

Schiedsrichter sind bei Fußballern ungefähr so beliebt wie eine schlimme Krankheit. Wie kommen Sie mit den Spielern klar?

Man muss Autorität ausstrahlen, ohne dass es überheblich wirkt. So ist zumindest mein Weg, die Schiedsrichterei auszuüben. Vor allem bei Extremsituationen, wenn sich eine Szene im Spiel hochschaukelt, muss man schnell und vor allem konsequent sein, um nicht seine Linie zu verlieren.

Haben Sie dabei Vorbilder wie zum Beispiel den mehrfachen Weltschiedsrichter Pierluigi Collina?

Nein, ein richtiges Vorbild nicht, aber ich habe natürlich bei vielen Schiedsrichtern, denen ich assistiert habe, eine Menge lernen können. So zum Beispiel bei Markus Merk oder Herbert Fandel. Mir kommt dabei zugute, dass der DFB Schiedsrichtern aus der Zweiten Liga die Chance gibt, in der Ersten Liga an der Linie zu stehen und dort Erfahrungen zu sammeln.

Wie groß ist aus Ihrer Sicht denn der Unterschied zwischen dem Fußball-Unterhaus und dem Haifischbecken Bundesliga?

Der ist schon gewaltig. Es sind mehr Zuschauer in den Stadien, die natürlich jede Aktion des Schiedsrichters lautstark begleiten. Den größten Unterschied macht aber die Medienpräsenz aus. In der Zweiten Liga sind das DSF und Premiere da, oben sind es ein Dutzend Sender, die jede Szene filmen und genauestens unter die Lupe nehmen.

Hat man da als Schiedsrichter mehr Angst, etwas falsch zu machen?

Angst ist das falsche Wort, sonst ist man in dem Job falsch aufgehoben. Eine stabile Persönlichkeit und ein sicheres Auftreten sind die Grundvoraussetzung, um dieser Aufgabe gewachsen zu sein. Es ist aber klar, dass man sich als Schiedsrichter nicht gut fühlt, wenn man einen Fehler gemacht hat, der nach dem Abpfiff auf allen Kanälen läuft.

Am Samstag vergangener Woche sind Sie bei der Partie Schalke gegen Bielefeld nicht aufgefallen. Ein Kompliment?

Na klar, der Schiedsrichter sollte nicht im Mittelpunkt des Geschehens stehen, dann hat er seine Arbeit meistens gut getan. Daher war ich mit der Leitung der Partie zufrieden.

Wie kommt es eigentlich, dass Sie aus Nordrhein-Westfalen kommen und für ein Duell aus der Region angesetzt wurden?

Da mein Landesverband der Niederrhein ist, ist das kein Problem. Ich dürfte lediglich bei Spielen von Borussia Mönchengladbach, Rot-Weiß Oberhausen und des MSV Duisburg nicht eingesetzt werden. Hans-Jürgen Weber kommt aus Essen und hat zu seiner Zeit auch Bundesligaspiele mit westfälischer Beteiligung gepfiffen, das ist also kein Problem.

Für welchen Verein schlägt denn Ihr Herz oder dürfen Sie das nicht sagen?

Ganz ehrlich: Ich habe keinen Lieblingsklub und bin da absolut neutral. Wenn die deutschen Vereine in einem internationalen Wettbewerb am Ball sind, dann halte ich natürlich für sie, doch das war es auch schon.

Apropos Europapokal: In der Bundesliga sind Sie inzwischen angekommen. Das nächste Ziel müsste dann doch sein, in den Kreis der UEFA- oder FIFA-Schiedsrichter aufgenommen zu werden, oder?

Nein! Ich werde 35 und habe daher nur noch zwei Jahre Zeit, um mich für die Aufnahme der UEFA- oder FIFA-Schiedsrichterliste zu empfehlen. Für mich ist erst einmal wichtig, in der Bundesliga meinen Weg zu gehen und mich zu etablieren. In dieser Saison werden das voraussichtlich etwa acht sein.

Sind Sie nicht auf Ihren Kollegen Michael Kempter neidisch, der schon mit 23 Jahren in der Bundesliga debütierte und sicher bald auch international pfeifen wird?

Überhaupt nicht! Michael ist ein außergewöhnliches Talent, der sich diese Chance absolut verdient hat. Sein Bruder Robert, der erst 20 ist, pfeift ja auch schon in der Zweiten Liga. Da liegt die Begabung offenbar in der Familie. Und was internationale Erfahrungen angeht: Ich werde Ende November bei den Playoffs der südkoreanischen K-League zum Einsatz kommen. Mein Kollege Deniz Aytekin, der auch erst seit dieser Saison in der Bundesliga pfeift, und ich sind für die Halbfinals eingeteilt, Peter Sippel und Felix Brych für die Endspiele. Das wird sicher eine tolles Erlebnis, auf das ich mich jetzt schon freue.

Zur Person
Guido Winkmann, geboren am 27. November 1973, Wohnort: 47647 Kerken, Landesverband: FV Niederrhein, Verein SV Nütterden, Beruf: Polizeibeamter, Familienstand: ledig, Größe: 1,80 m, Gewicht: 72 kg, Hobbies: Sport, Reisen, DFB-Schiedsrichter: seit 2001, Bundesliga; seit 2008 (2 Einsätze), 2. Bundesliga: seit 2004 (36 Einsätze).

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