Überrascht hat die Zwischenbilanz, die Spieler, Manager und Gesellschafter Shannon McNevan am Montag zog. „Das erste Drittel der Saison ist vorbei und offensichtlich sind wir mit dem bisher Erreichten nicht zufrieden. Doch ist unser Ziel, 10 der nächsten 16 Spiele zu gewinnen“, erklärte McNevan. „Dass dieses Vorhaben kein einfaches sein wird, ist uns bewusst, aber wir glauben, dass wir mit der einen oder anderen Veränderung das zweite Saisondrittel positiv gestalten können.“
Wenn einige Fans dies als Realitätsverlust bezeichnen, ist es starker Tobak, allerdings reagieren gerade die Herner Anhänger, die sich noch an die Ära Boettcher erinnern können, äußerst verstimmt auf vollmundige Ankündigungen, denen dann keine Taten folgen.
Nach dem Trainerwechsel beim EHC Dortmund von „Jesse“ Panek zu Krystian Sikorski mehren sich die Spekulationen über mögliche Spielerwechsel von Dortmund nach Herne und umgekehrt. „Die sportlichen Qualitäten eines Spielers sind eine Sache, seine Finanzierbarkeit eine andere“, kommentiert Hernes Geschäftsführer Matthias Roos die Lage.
Nach einer Unterredung der Gesellschafter der Herner Spielbetriebs-GmbH, Shannon McNevan und Ralf Pape könnten sogar noch kurzfristig Fakten geschaffen werden. Aufgrund des Rausschmisses seines Vaters als Trainer der Dortmunder ist Verteidiger Sascha Panek ein Wechselkandidat, ebenso der frühere Ratinger Sebastian Bongartz. Angesichts der Forderung von HEV-Trainer Niklas Sundblad, unter Profi-Bedingungen mit allen Spielern arbeiten zu wollen, wären Kandidaten für den Wechsel in die Gegenrichtung alle Spieler, die neben dem Eishockey berufstätig sind, also mit Ausnahme von Nils Liesegang alle noch im Kader stehenden Mitglieder des Aufstiegsteams.
Es gibt rund um die Gysenberghalle nicht wenige Eishockeykundige, welche die Entwicklung der letzten Wochen für vermeidbar halten. Sie sehen McNevan, den Mann, der mit seinem Engagement erst den Gewinn der Oberliga-Aufstiegsrunde ermöglichte, als Hauptverantwortlichen, attestieren dem Kanadier ein Verkennen der Situation sowie ein Überfordern von Team, Umfeld und Fans durch seine ehrgeizigen Pläne. „Er hört zu, aber ändert nichts, zeigt keine Einsicht“, kritisieren gleich mehrere dem Herner Eishockey überaus gewogene und kundige Leute. „Langsam aber sicher muss man Angst haben, dass er damit nun seiner eigenen Sache schadet, es nun zu spät ist, bestimmte Dinge zu ändern.“ Dies sind Kontingentspieler, Teamgeist und der Kader. Die kommenden Tage und Spiele müssen zeigen, ob die Wende noch vollzogen werden kann.
