Wenn man am Dienstag zum ersten Mal eine Jahreshauptversammlung der Borussia Dortmund GmbH & Co. KGaA besucht haben sollte, kann man sich vermutlich nur schwer vorstellen, dass diese Ansammlung von - zumeist BVB-affinen - Fußball- und Finanzliebhabern nicht immer in solcher Harmonie beisammen saß, wie es in diesem Jahr der Fall war.
Etwaige Zwischentöne, etwa zum etwas langweiligen Catering - es gab traditionsgemäß Erbensuppe - oder der schlechten Beschilderung des Anfahrtsweges, waren allenfalls abwechslungsreiche Farbtupfer in einer ansonsten recht drögen Veranstaltung.
Überraschen konnte diese Ruhe nicht, waren doch erstens die Geschäftsergebnisse der KGaG schon seit längerem bekannt und zweitens die Zahlen weitaus positver, als noch vor zwei oder drei Jahren.
Zwar gab es auch in diesem Jahr wieder keine Dividende für die Aktionäre, BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke versprach jedoch: „Wir haben bisher nichts erzählt, was wir nicht auch gehalten haben. Und ich verspreche ihnen, dass wir alles dafür tun, dass wir irgendwann eine Dividende auszahlen. Aktuell ist der Substanz-Aufbau des Konzerns allerdings noch nicht abgeschlossen.“

Mit sich und den Bilanzen zufrieden: BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke.
Für einen Aufreger taugte die erneute Nicht-Ausschüttung einer, so Watzke, „moralisch zustehenden“ Dividende jedoch sowieso nicht. Denn wer sich im Vorfeld die Mühe gemacht hat, den diesjährigen Konzerngewinn von 1,06 Millionen Euro rechnerisch auf alle sich im Umlauf befindlichen knapp 61 Millionen Aktien umverteilt zu haben, dürfte eingesehen haben, dass eine Auszahlung allenfalls als Symbol des guten Willens getaugt hätte.
Gerd Pieper, Vorsitzender des BVB-Aufsichtsrats und seit Sonntag Vizepräsident des Gesamtvereins, bilanzierte mit Blick auf die in den letzten drei Jahren abgebauten Schulden in Höhe von 122 Millionen Euro zufrieden: „Der Restrukturierungsprozess darf als abgeschlossen gewertet werden.“ Dennoch warnte der Unternehmer: „Die Widerstandsfähigkeit des Konzerns muss weiter gestärkt werden, um gegen etwaige Rückschläge gewappnet zu sein.“
Blickt man auf die Entwicklungen der weltweiten Finanzkrise scheint eine vorsichtige Unternehmens-Politik durchaus angebracht zu sein. Große Sorgen müssen sich die BVB-Fans um ihren Club jedoch, laut Watzke, nicht machen: „Die Krise wird alle im Fußball treffen. Aber von denen, die getroffen werden, wird der BVB einer von denen sein, die es am wenigsten zu spüren bekommen.“

"Das Timing hätte nicht besser sein können."
Als Gründe für seine Zuversicht nannte der 49-Jährige die vorzeitige Vertragsverlängerung mit Hauptsponsor Evonik, dem Stadionnamensgeber Signal Iduna und der Vermarktungs-Agentur Sportfive.
„Man kann sagen, dass das Timing nicht besser hätte sein können“, freute sich der Marsberger darüber, der Entwicklung auf dem Finanzsektor ein Schnippchen geschlagen zu haben, und bekundete: Es ist uns gelungen, für die Zukunft signifikante Weichenstellungen zu treffen. Auch wenn die nächsten zwei Jahre magerer werden, bin ich nicht unzuversichtlich.“

