Vielleicht würde der 43-Jährige gerne einmal etwas härter formulieren - allerdings hält er sich an seine professionelle Ausrichtung und beißt sich auf die Zunge, belässt es bei berechtigten Nachfragen bei der Auskunft intern durchaus auf den Tisch zu hauen - hinter verschlossenen Türen. Ehrlich bleibt Kulm jedoch: "Der Frust ist natürlich groß."
Weil es bei der Beobachtung der 90 Minuten gegen die Bayer-Youngster an Erklärungen mangelte, warum dieses Spiel letztendlich noch den Bach runter ging und RWE nun am kommenden Freitag, 5. Dezember, in Oggersheim ab 19 Uhr im Südweststadion unter Zugzwang ist, damit der vier Zähler-Abstand des Ranglisten-Zweiten auf Tabellenführer Kaiserslautern nicht anwächst. "Dabei führten wir zur Halbzeit 2:1", grübelt Kulm über das Duell mit Leverkusen, "wir hatten das Gefühl, nach einem Rückstand das Match gedreht zu haben. Das Team fand sich ins Spiel."
Und erklärte seinen Abschied nach dem Wiederanpfiff des sehr überzeugenden Schiedsrichters Markus Wingenbach (Diez). 13 Punkte aus fünf Matches holte RWE vor der Reise in die Domstadt. Kulm: "Es gibt viel zu besprechen. Unser guter Lauf gehört nun der Vergangenheit an."
Die zum aktuellen Zeitpunkt der Spielzeit nicht unbedingt wirklich Angstschweiß produzierende Tabellen-Konstellation ist für die Emotions-Kapriolen bei RWE nicht wirklich die Ursache. Es geht darum, dass Darbietungen wie in Leverkusen gerade in der aktuellen Diskussion um den Club (Stadion-Problematik) komplett kontraproduktiv sind. Kulm weiß, dass es immer noch darum geht, sportlich vorzulegen, damit das Umfeld (nicht nur der Rat der Stadt) positiv reagiert. "Das war eine ganz schwache zweite Halbzeit, wir schenkten die drei Punkte her."
Was nicht passieren darf, weil auch RWE - selbst kurz vor Weihnachten - nichts geschenkt wird. Kulm: "Wir bauten Bayer wieder auf. Wir ließen viel zu viel Platz. So holt man ein spielstarkes Team wie Bayer zurück." In den Regionalliga-Ring, wo man nach der Pause eigentlich damit rechnen durfte, dass die Fronten für die Gäste schnell geklärt werden würden.
Es geschah nicht, ganz im Gegenteil, RWE warf gewissermaßen das Handtuch. Kulm: "Mit so einer Darbietung können wir nicht zufrieden sein, darüber wird geredet, weil es am Freitag schon weiter geht. Dann muss es besser aussehen."
Oggersheim wird vorbereitet sein, schließlich ist man den Besuch von Persönlichkeiten - wenn man RWE ligatechnisch so bezeichnen will - gewöhnt. Der Wohnsitz von Ex-Kanzler Dr. Helmut Kohl sah Staatsgäste wie Margaret Thatcher, George H. W. Bush, Boris Jelzin oder Bill Clinton - jetzt RWE.
Kulm: "Selbstkritik ist gefragt und wichtig. Es waren gegen Bayer zu wenig Emotionen, Körperspannung, Körpersprache vorhanden. Die notwendige Ausstrahlung eines Teams, das ein Spiel gewinnen will, fehlte." Alles Aspekte, die nichts mit fußballerischen Fähigkeiten zu tun haben, sondern nur mit einem Begriff: Einstellung! Die wird Kulm wieder einfordern.





