1500 Gäste aus Sport, Politik, Wirtschaft und Medien waren der Einladung des Landesportbundes (LSB) und des Innenministeriums NRW gefolgt und verfolgten während der gut vierstündigen Gala die Ergebnisse des Internetvotings. Eine Expertenjury hatte zuvor für eine Vorauswahl gesorgt, 61.643 Sportbegeisterte gaben ihre Stimme ab und sorgten für ein Kopf-an-Kopf-Rennen in einigen Kategorien. „Wir haben uns sehr über die riesige Resonanz gefreut“, erklärte Walter Schneeloch, der Präsident des LSB. „Das ist ein Zeichen dafür, dass der Sport in Nordrhein-Westfalen ein großes Ansehen genießt und einen entsprechenden Rückhalt hat.“
Der erste Preisträger, der Paralympic-Olympiasieger im Tischtennis Jochen Wollmert, freute sich dann auch besonders über die vermehrte Aufmerksamkeit, die den Behindertensportlern im auslaufenden Jahr zugekommen ist. „Die Paralympics sind längst keine Hobby-Veranstaltung mehr. Jeder von uns trainiert viele Stunden in der Woche, und das neben dem Beruf. Ich hoffe, dass unser Sport auf Top-Niveau in Zukunft noch mehr gewürdigt wird.“ Dabei bedeutet Wollmert seine Goldmedaille gerade aufgrund des Austragungsortes besonders viel: „In Peking ist Tischtennis Volkssport und eigentlich haben wir Europäer gegen die Chinesen nichts zu bestellen. Aber die Atmosphäre in der knüppelvollen Halle hat mich richtig motiviert und zum Sieg gepusht.“
Das können mit Sicherheit auch die Sieger in der Kategorie „Mannschaft des Jahres“ von sich behaupten: Die deutsche Hockeynationalmannschaft, die bei den Olympischen Spielen ebenfalls ganz oben auf dem Treppchen stand. Überhaupt war das Großereignis in Fernost offenbar ein Empfehlungsschreiben für die Sportlerwahl, denn auch die „Sportlerin des Jahres“ und der „Sportler des Jahres“ schmückten sich in Chinas Hauptstadt mit der Goldmedaille - und das auch noch in der gleichen Sportart. Mit Britta Heidemann und Benjamin Kleibrink räumten zwei Fechter groß ab, wobei Heidemann zugab „diesmal besonders motiviert gewesen zu sein, schließlich war ich schon zum dritten Mal nominiert“.
Während Kleibrink seinen eigenen Fanclub mit in die Philipshalle brachte, grüßte der „Newcomer des Jahres“ Réne Adler nur per Videobotschaft. Das Spiel des Leverkusener Keepers gegen Energie Cottbus am gestrigen Samstag verhinderte einen Live-Auftritt des Nationaltorwarts.
Für die wohl größte Überraschung des Abends sorgte Steffi Nerius, die ihre Auszeichnung zur „Trainerin des Jahres“ dann auch völlig überrumpelt entgegennahm. „Ich wollte eigentlich nie Trainerin werden, aber jetzt blühe ich in diesem Job völlig auf“, strahlte die Weltklasse-Speerwerferin, die bei Bayer Leverkusen die Behindertensportler coacht. So bereitete sie den Kugelstoßer Mathias Mester auf seine Teilnahme bei den diesjährigen Paralympics in Peking vor. Der Behindertensportler des Jahres 2007 dankte es ihr mit einer Silbermedaille.
Auch die nicht siegreichen Nominierten gingen an diesem Abend nicht enttäuscht, sondern wie die Fußballerinnen des FCR Duisburg eher motiviert nach Hause. „Meine Mädels haben mir gesagt, dass sie im nächsten Jahr den Preis für die beste Mannschaft gewinnen wollen“, grinste Trainerin Martina Voss und fügte an: „Auch wenn man den Tag nicht vor dem Abend loben sollte, sind wir im Moment auf einem ganz guten Weg.“
Beim abschließenden Auftritt von Mousse T. und Emma Lanford schmiedeten bestimmt nicht nur die FCR-Spielerinnen sportliche Zukunftspläne...
