Ein Haufen engagierter Mitzwanziger will "den Alten" zeigen, was die Jungen in Schwerte auf die Beine bringen können. Mit Erfolg, denn nach zwei Jahren spielt Holzpfosten in der B-Liga und haben nebenbei den besten Stürmer im Umkreis in ihren Reihen: Kai Kunsmann peilt in dieser Saison 50 Tore an. Ein Porträt.
Aus einer Hobbymannschaft entstand am 11. November 2005 aus „einer Laune heraus“, wie sich Spielertrainer und Gründungsmitglied Florian Riesewieck erinnert, ein professioneller Verein. Zu den Initiatoren gehörten auch der mittlerweile 23-jährige Vorsitzende Oliver Manz sowie der Geschäftsführer Uwe Lauschner, der Fachmann bei den Holzpfosten. „Uwe hat sehr viel über die Vereinsführung gelesen und kennt nun alle Regeln. Wir vertrauen ihm blind“, bemerkt Riesewieck anerkennend.
Neugegründete Vereine sind dazu verpflichtet, zwei Jahre nach Aufnahme in den Verband eine Jugendabteilung zu errichten. Die Planungen bei den Holzpfosten Schwerte laufen auf Hochtouren. „Unser Jugendleiter Torben Krix hat bereits ein Konzept vorgestellt. Wir planen eine Mädchenmannschaft und eine A- oder B-Jugend bei den Jungen“, betont Florian Riesewieck und fügt an: „Unser Name schreckt die Eltern von den F-Jugendlichen ab, die Älteren finden es aber cool.“
Lauschner ist es auch, der die anderen in ihrem Übereifer bremst: „Wenn wir mal wieder eine verrückte Idee haben, zum Beispiel einen guten Spieler, der aber Geld haben will, holen wollen, dann greift er ein und hält uns zurück.“
„Erlebnisfußball statt Ergebnisfußball“
Neben der unglaublichen Kameradschaft, die Jungs kennen sich aus der Schule oder sind Studienkollegen, stand von vornherein der Spaßfaktor an erster Stelle. „Erlebnisfußball statt Ergebnisfußball“, wobei sich mittlerweile auch beides kombinieren lässt. Nach einigen Anlaufschwierigkeiten in der ersten Saison konnte in diesem Jahr unter der sportlichen Leitung von Riesewieck, der die Aufgabe direkt im Anschluss an seinen Abschied von den Junioren übernahm, der souveräne Aufstieg in die B-Liga gefeiert werden.
Kai Kunsmann steuerte für diesen Erfolg 33 Tore bei. In dieser Spielzeit hat er die 30er-Marke bereits nach der Hinserie geknackt, so dass die eigenen Ansprüche nach oben korrigiert werden mussten: „50 Treffer halte ich für realistisch“, betont der Goalgetter. Die Anfragen von höherklassigen Klubs blieben bisher aus, der Bochumer würde auch am liebsten mit Holzpfosten in der Kreisliga A spielen.
Dabei wollte Kunsmann seine Fußballschuhe schon an den Nagel hängen.

Der Mann mit dem Torriecher: Kai Kunsmann
„In der A-Jugend von TuS Hordel hatte ich keine Lust mehr. Mein Vater musste die Nachtschicht übernehmen. Mit Bus und Bahn brauchte ich 90 Minuten zum Training und das dreimal die Woche. Ich war erst um 23 Uhr zuhause “, blickt der 23-Jährige zurück und ergänzt: „Im Nachhinein war diese Entscheidung ein Fehler.“
„Schuss wie ein Pferd“
Vom FC Italia wurde er schließlich zu den 05ern gelotst und diesen Wechsel bereut er nicht: „Ich fühle mich hier pudelwohl.“ Die nach wie vor recht lange Anreise bis nach Schwerte verbindet er mit einem Besuch bei seiner Freundin, so dass sich der Aufwand lohnt. Auch sein Teamkollege Riesewieck ist voll des Lobes: „Er ist ein Bombentyp, immer gut gelaunt und hat ein Schuss wie ein Pferd. Seine 50 Tore darf er gerne machen.“
Derzeit belegt Holzpfosten Schwerte hinter dem noch ungeschlagenen SSV Kalthof den zweiten Rang in der Kreisliga B West Iserlohn. „Eine Relegationsrunde findet nur statt, wenn kein Verein aus unserem Kreis aus der Bezirksliga absteigt“, erklärt Riesewieck. Dennoch schielen die Schwerter schon mal nach ganz oben.
