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Hans-Joachim Watzke zieht im RS-Interview eine zufriedene Bilanz
„Von der Schießbude zur zweitbesten Abwehr“

Es ist in den letzten Jahren fast schon zu einer unliebsamen Tradition geworden.

Während andere Klubs die Weihnachtstage genießen konnten, brannte beim BVB der Baum. Vor zwei Jahren stand Bert van Marwijk in der Kritik und musste wenig später gehen. In der Vorsaison ereilte Thomas Doll ein ähnliches Schicksal, auch wenn der frühere Hamburger immerhin noch bis zum Sommer durchhielt.

Jürgen Klopp dagegen muss solche Entwicklungen derzeit nicht befürchten. Der Ex-Mainzer hat den BVB in nur sechs Monaten kräftig umgekrempelt und mit seinen Borussen die beste Hinrunde seit sechs Jahren absolviert. Es ist endlich Ruhe eingekehrt bei den Dortmundern. Die Mannschaft lässt Potenzial und Qualität erkennen, die wirtschaftlichen Perspektiven sind auch dank der guten sportlichen Leistungen gut, die Stimmung im Umfeld prächtig.

Allzu verständlich, dass BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke angesichts dieser Entwicklung nach dem abschließenden 2:1-Heimerfolg über Borussia Mönchengladbach seinen Cheftrainer ausdrücklich lobte und ihm Komplimente für die Arbeit der letzten Monate aussprach.

Im RS-Interview äußert sich der 49-Jährige allerdings nicht nur über den „Glücksfall“ Klopp, sondern auch über persönliche Genugtuungen, eventuelle Neuverpflichtungen und die Gerüchte über Bayerns unglücklichen Stürmer Lukas Podolski.

Hans-Joachim Watzke, Sie haben so eben mit 29 Punkten die erfolgreichste Hinrunde seit sechs Jahren beendet. Sind Sie erleichtert darüber, endlich mal wieder ruhige Weihnachtsferien genießen zu können?

Erleichtert ist das falsche Wort. Ich war mir schon im Sommer ziemlich sicher, dass wir eine gute Runde spielen werden. Denn es hat sich klar abgezeichnet, dass wir sehr gut aufgestellt sind - speziell in der Trainerfrage. Mit 29 Punkten hatte ich allerdings nicht gerechnet.

Endlich steht Ihr Verein am Ende der Hinrunde auch mal wieder vor dem FC Schalke 04. Ist das eine zusätzliche Belohnung?

Überhaupt nicht, zumindest nicht in der Richtung, dass es eine Genugtuung ist, weil wir ausgerechnet vor Schalke stehen. Wir haben eine gesunde, sehr sportliche Rivalität, die sich aber nicht durch Schadenfreude kennzeichnet. Genugtuung verspüre ich eher, weil wir mit unseren finanziell ordentlichen, aber nicht exorbitanten Möglichkeiten vor Klubs wie Wolfsburg, Bremen oder eben auch Schalke stehen, die mehr Geld in die Hand nehmen können als wir.

Foto: firo.

Welchen Anteil hat Jürgen Klopp an der positiven Entwicklung des BVB in den letzten Monaten?

Es ist offenkundig, dass er einen signifikanten Einfluss darauf hat, Prozentfragen lehne ich allerdings ab. Denn genau wie der Trainer haben auch die Mannschaft und nicht zuletzt unser Sportdirektor Michael Zorc mit seiner sehr durchdachten Transferpolitik dazu beigetragen, dort zu stehen, wo wir stehen. Es ist ein Gemeinschaftsprodukt, mit dem wir sehr gut leben können.

Wurden Sie selbst davon überrascht, wie schnell Klopp sich in seinem neuen Umfeld akklimatisieren konnte?

Nein, bei ihm hat mich das nicht überrascht. Was man nicht einschätzen konnte, war, wie schnell die Mannschaft sein Credo umsetzen kann. Dass wir von der Schießbude der Liga zur zweitbesten Abwehr mutieren, konnte man so nicht erwarten. Zumal wir dort mit 19- und 20-Jährigen spielen.

Foto: firo.

Ihr Präsident Dr. Reinhard Rauball hat kürzlich angekündigt, dass im Winter keine Zukäufe getätigt werden. Bleibt es bei dieser Aussage, wenn Spieler wie Delron Buckley oder Giovanni Federico den Verein in der Pause verlassen?

Es sieht aktuell nicht danach aus, wenn nichts Gravierendes mehr passiert. Aber natürlich unterliegt das auch einer gewissen Tagesaktualität. Wenn wir im Januar der Meinung sind, wir müssen etwas machen, etwa weil sich ein Spieler schwer verletzt hat, dann könnten wir etwas tun.

Mats Hummels, dessen Leihvertrag im Sommer endet, hat sich mittlerweile dafür ausgesprochen, beim BVB bleiben zu wollen. Wie ist der Stand der Dinge, was die Gespräche mit seinem Klub Bayern München angeht?

Wir haben bereits mit ihnen gesprochen und dabei vereinbart, dass im Januar eine endgültige Entscheidung gefällt wird.

Ein Bayern-Profi wird aktuell immer wieder mit dem BVB in Verbindung gebracht: Lukas Podolski. Jürgen Klopp meinte dazu, dass wäre so, als wenn sich sein Sohn einen Ferrari zu Weihnachten wünschen würde. Können Sie diesen Wechsel ausschließen?

Fakt ist, dass er nicht unbedingt eine wahrscheinliche Variante ist. Aber im heutigen Fußball sollte man nie etwas komplett ausschließen.

Kurz Notiert / Amateurfußballnews

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