
„Der verteilt keine Geschenke!“ - Nadine Redelings und Santa Claus, Neuzugang und Hoffnungsträger des VfL in der Rückrunde.
Warum ich das erzähle? Weil ich mich auch schon ganz benommen und tot fühle und mir bisher noch keine Geister die passenden Weihnachtspräsente eingetrichtert haben. Also muss ein anderes transzendentes Phänomen Abhilfe schaffen: „Der Geist von Malente“, der einzige Fußball-Laden im Revier, der sich auch noch direkt neben dem Bochumer Schauspielhaus befindet. Dort läuft diese Saison das Weihnachtsdrama: „Abstieg VI. oder: Nächstes Jahr in Ingolstadt!“ Inhaberin Nadine Redelings erlebt tagtäglich das fühlbare Abstiegsgespenst in der Ruhrstadt: „Hier in Bochum wirkt sich die Tabellensituation lähmend auf die Leute aus. Man redet über Fußball, aber alle schütteln dann phlegmatisch den Kopf und sind frustriert.“ Da spielen sich schon einmal Dramen im Kleinen ab, wie ein kurzer Monolog eines Kunden bewies: „Ja, ein schönes T-Shirt, aber was nützt es, (seufz) wenn der VfL absteigt? (großer Seufzer)“ Eine ganze Stadt bereit für die Therapiecouch, und als apothekenpflichtiges Antidepressiva bemüht man die Legende der „Unabsteigbaren“ in Form der DVD „Die Elf des VfL“.

Wenn es um absurdes und abstruses in Sachen Fußball geht, ist man bei Nadine Redelings richtig, und sie kennt die Klagen ihrer Kundschaft: „Letztens kam einer rein und sagte nach einer Weile: ‚Ich will dieses Fußball-Buch unbedingt haben, aber meine Frau will mir nur neue Unterhosen schenken’.“ Der Klassiker des geschlechtsspezifischen Missverständnisses. Dabei sind die Zeiten längst vorbei, in denen der Fußball nur die Männer etwas anging. „Vorwiegend kommen Jugendliche und Männer rein, aber natürlich auch (und nicht nur) zu Weihnachten etliche Frauen, die sich interessieren oder Geschenke suchen“, erzählt die Ladenbesitzerin. Letzter Schrei gerade der weiblichen Kundschaft: Mundgeblasener und handbemalter Weihnachtsbaumschmuck aus Glas – in Kugelform und auch als kickender Santa. Und die Krönung des Ballaballa: das elektronische Fußball-Massage-Gerät, mit dem man nach Expertinnenmeinung Verspannungen jeder Art garantiert lösen kann, egal ob Abstiegskampfssorgen oder Weihnachtsstress. Na dann gleich mal ein Dutzend an die Castroper Straße!

Der Geist von Malente, Oskar-Hoffmann-Str. 34, 44789 Bochum.
Öffnungszeiten: Mo-Fr 12-19 Uhr, Sa 11-18 Uhr
Bleibt am Ende nur das Hoffen auf bessere Zeiten. Wer an letzteres nicht glaubt, kann im „Geist von Malente“ in den vielen Vereinschroniken nachschlagen. Bücher, mit denen man locker ein Krafttraining gestalten kann. Aber wenigstens in dieser Liga ist ja auch der gebeutelte Vau-Ef-El gut positioniert. Mit Frank Goosen „Weil Samstag ist“ und Ben Redelings „Fußball ist nicht das Wichtigste im Leben – Es ist das Einzige“ gibt es zwei Werke von bekennenden Insassen des Ruhrstadions, die zeigen, dass der samstägliche Koller durchaus kreativ sein kann, wenigstens jenseits des Platzes. Oder wie es Frank Goosen formulierte: „Der echte Fan muss leiden. Und meine Mannschaft, der VfL Bochum, sagt sich immer wieder: Wir geben den Leuten, was sie brauchen.“ Und da Weihnachten auch die Tage des Trostes sind, kann man in „Malente“ frisch signierte Exemplare erwerben. In meinem steht sogar eine private Widmung des einstigen Tresenlesers: „…und wir steigen nicht ab! Im Jahr des Herren 2008.“
Na dann, Happy X-mas Euch allen!
