Nur bei einem Unentschieden zwischen Polen und Norwegen im letzten Spiel der Hauptrundengruppe II in Zadar war der Einzug in die Vorschlussrunde für die Mannschaft von Heiner Brand noch möglich. Der Bundestrainer blieb anders als nach dem nervenaufreibenden 24:25 gegen Norwegen am Samstag äußerlich ganz gelassen, brodelte innerlich aber wohl doch: "Was die uns heute gestohlen haben, holen wir uns wieder", rief Brand seinen Spielern unmittelbar nach dem Spiel zu.

Johannes Bitter (Foto: firo).
Auslöser für die deutsche Verzweiflung und Bitters Wutausbruch waren diesmal die rumänischen Schiedsrichter Constantin Din und Laurentiu Dinu. "Es ist ein Alptraum, was hier mit uns gemacht wird. Davon werde ich in einem Jahr noch träumen", meinte der Torhüter. Er hatte beim Stand von 25:25 in der 58. Minute einen Wurf der Dänen deutlich berührt und ins Aus gelenkt. Der Feldschiedsrichter entschied zunächst auch auf Abwurf, dann wurde jedoch auf Ecke für Dänemark korrigiert.

Foto: firo.
Statt Ballbesitz für Deutschland blieb der Europameister im Angriff und erzielte schließlich den vorentscheidenden Führungstreffer. "Von Betrug will ich nicht reden, sonst ermittelt da wieder der Weltverband gegen mich", sagte Heiner Brand, der vor zwei Tagen mit seinem Wutausbruch gegen die Schiedsrichter nach dem Norwegen-Spiel für Aufsehen gesorgt hatte. "Aber ich bin stolz auf die kämpferische Leistung meiner Mannschaft."
Ohne den verletzten Spielmacher Michael Kraus war der Lemgoer Sebastian Preiß mit sieben Toren bester Werfer für die aufopferungsvoll kämpfende deutsche Mannschaft. Während auch Heiner Brand unmittelbar nach dem Spiel noch bangen musste, jubelten die Dänen ein Jahr nach dem EM-Gold in Norwegen über den sicheren Einzug in die Vorschlussrunde. Mit einer lockeren Trainingseinheit, Massagen und Videoanalysen hatten sich die Deutschen auf ihr erstes "Endspiel" in Kroatien vorbereitet.

Pascal Hens (Foto: firo.)
Bereits im Halbfinale der EM 2008 und im abschließenden Vorrundenspiel bei Olympia in Peking hatten die Dänen die DHB-Auswahl zuletzt jeweils in entscheidenden Spielen das Nachsehen gegeben. Nach dem Ausfall von Kraus, der am Sonntag im Spiel gegen Norwegen (24:25) einen Außenbandriss im linken Sprunggelenk erlitten hatte und seinen Kollegen via Fernsehkamera vom Krankenbett unmittelbar vor dem Anpfiff noch alle Gute wünschte, führte der 22 Jahre alte Martin Strobel wieder Regie beim Titelverteidiger und füllte seine Rolle ordentlich aus.
Mit dabei war trotz einer Oberschenkelverhärtung zwar Rückraumriese Pascal Hens, doch der dick bandagierte Hamburger blieb blass und saß ab der 20. Minute nur noch als Antreiber auf der Bank. Eine schnelle 3:1 Führung konnten die Deutschen nicht lange halten, es schlichen sich die Fehler des gesamten Turniers wieder ein: Vorne ging der Ball durch Unkonzentriertheiten verloren und die Chancenauswertung gegen Torhüter Kasper Hvidt war zu schwach. Da aber auf der anderen Seite auch die Dänen ihre Nervosität nicht immer unter Kontrolle hatten und Johannes Bitter im deutschen Tor wieder eine gute Leistung zeigte, blieb die Partie völlig offen.
Einen starken Tag erwischten Kreisläufer Preiß und der für Hens ins Spiel gebrachte Lars Kaufmann (6), die mit ihren Toren immer wieder für Jubel im schwarz-rot-goldenen Fanlager sorgten. Böse erwischt wurden die Deutschen dann aber in der allerletzten Szene vor dem Pausenpfiff, als der Flensburger Lasse Boesen einen einen direkten Freiwurf über die gesamte deutsche Abwehr und Bitter hinweg zum 14:14-Halbzeitstand ins Tor donnerte. Umso entschlossener kam die Brand-Sieben dann aber aus der Kabine und hatte zunächst alle Vorteile. Der ansonsten etwas müde wirkende Holger Glandorf warf in der 36. Minute erstmals einen Zwei-Tore-Vorsprung heraus, doch wie schon in den vorangegangen Spielen war das für die deutsche Mannschaft kein beruhigendes Polster.
