Der Arbeitskreis, bestehend aus dem Hauptsponsor Sparkasse, der Kultusministerkonferenz, der Sportministerkonferenz, dem Deutschen Olympischen Sportbund sowie der Stiftung Deutsche Sporthilfe, prüft anhand gewisser Qualitätsmerkmale, ob und wie viele Leistungssportler am Helmholtz-Gymnasium ausgebildet werden.
Hedda Pohlschmidt hat dabei alle Fäden in der Hand. Denn die 27-jährige Studienrätin ist als Sportkoordinatorin das Bindeglied zwischen der Schule und dem Leistungssport. Seit dem 1. August 2008 optimiert Pohlschmidt die Leistungen der zurzeit 300 Sport-Schülerinnen und –Schüler, die aus ca. 30 verschiedenen Sportarten kommen, sowohl im Klassenraum als auch in den Vereinen. Im Gespräch mit RS erklärt sie das Konzept, die Ausrichtung sowie die Philosophie der in Essen einzigartigen Ausbildung.
Frau Pohlschmidt, wie ermöglichen Sie Ihren Schülern den Besuch der Eliteschule?
Wir richten in jedem Jahrgang eine Sportklasse ein. In der aktuellen fünften Klasse sind es 29 Schülerinnen und Schüler. Sie müssen verschiedene Anforderungen erfüllen und einen sportmotorischen Test absolvieren. Darin prüfen wir Kraft, Schnelligkeit, Beweglichkeit, Koordination und Ausdauer. Zudem müssen die Kinder, die mit leistungsorientierter Zielsetzung trainieren, natürlich Mitglied im Sportverein sein und über das normale Maß hinaus Sport treiben. Außerdem muss die Leistungsorientierung in den Köpfen der Kinder und Eltern sein.
In welchen Sportarten ist Helmholtz besonders stark?
Schwimmen, Kanu und Rudern. Bis zur siebten Klasse sind wir bei den Sportarten aber noch breit gestreut. Erst danach zeigt es sich wirklich, ob es in den Leistungssport oder doch eher den Hobbybereich geht. Ab der achten Klasse kommen die Schüler dann auch aus ganz Deutschland zu uns.
Wie bringen Sie den Leistungssport und die schulische Laufbahn unter einen Hut?
Wir sind eine Kooperation aus Schule, Sportinternat, Olympiastützpunkt und den entsprechenden Vereinen/Verbänden. Als Schule nehmen wir auf die Sportler Rücksicht, indem wir beispielsweise montags keine Klassenarbeiten schreiben, weil am Wochenende die Wettkämpfe anstehen. Außerdem befreien wir die Kinder für Wettkämpfe oder Trainingslager vom Unterricht und bieten Möglichkeiten zum Frühtraining an.
Also steht der Sport und nicht die schulische Laufbahn im Vordergrund?
Unser Ziel besteht insgesamt darin, schulische Bildung und sportliche Ausbildung so zu koordinieren, dass keiner der beiden Bereiche vernachlässigt wird. Grundsätzlich steht jedoch die Schule an erster Stelle. Meine Aufgabe als Sportkoordinatorin ist es, die Schnittstelle zwischen Schüler, Lehrer und Internat zu sein. Das bedeutet: Wenn es schulische Schwierigkeiten gibt, versuche ich durch entsprechende Absprachen mit Internatsleitung, Lehrern und Trainern, dass evtl. der Trainingsumfang bzw. die Belastung insgesamt zurückgeschraubt wird. Denn das Abitur ist das oberste Ziel. Durch die Rahmenbedingungen versuchen wir, die Wege zwischen Schulbank, Mensa, Internat und Verein kurz zu halten. Wenn es doch mal schwierige Fälle gibt, muss individuell entschieden werden, ob der Sport zurückstecken muss. Aber generell passt es.
Wie gehen die Schüler denn damit um, kaum Freizeit zu haben?
Wer Leistungssport ausübt, hat keinen großen Freiraum. Schwimmer fangen bei uns um 6.30 Uhr mit dem Training an. Danach geht es in die Schule. Gegen 15 Uhr sind sie in der Mensa und gegen Nachmittag/Abend steht dann die nächste Einheit an. Das Wochenende ist meist ausgebucht mit erneutem Training oder Wettkämpfen. Doch weil die Sportler unter sich sind, gibt es einen großen Zusammenhalt.
Ist es für Sie als Sportlehrerin nicht frustrierend, wenn ein Schüler im Unterricht besser ist als Sie?
Nein. Im Gegenteil: Es ist eine Bereicherung. Die Richtlinien schreiben uns u.a. vor, dass wir nicht nur Leistung, sondern auch Aspekte wie z.B. Fairness oder Gesundheitsbewusstsein behandeln. Ein großer Schwerpunkt liegt auch darin, dass die Schüler Eigen- und Selbstständigkeit lernen. Da bietet es sich an, dass ein Schüler, der in seiner Sportart top ist, sein Wissen und Können in den Unterricht einbringt, indem er einzelne Übungsformen organisiert oder eine Stunde leitet. So lernt er Verantwortung und der Leistungsaspekt rückt in dieser Zeit in den Hintergrund. Das ist optimal.

