Denn die folgenden 90 Minuten enthielten alles, was die Spannung dieses Wettbewerbs ausmacht.
Das Bild wurde allerdings entschieden durch das Ergebnis getrübt. Denn am Ende mussten sich die Dortmunder den Gästen aus dem Norden nicht unverdient mit 1:2 (0:1) geschlagen geben – und verpassten damit den Auftrag von Vereinspräsident Dr. Reinhard Rauball, der sich vor der Partie wünschte, „den Abend mit dem Einzug ins Viertelfinale zu krönen“.
„Man darf die Bremer nicht so spielen lassen, wie wir das getan haben“, ärgerte sich Klopp im Anschluss über den zu hohen Respekt, den seine Kicker den Bremern vor allem in der Schlussphase entgegenbrachten. Doch die Passivität war nicht das Einzige, was der frühere Mainzer zu bemängeln hatte: „Wir hatten sie an der Angel, aber haben sie nicht herausgezogen. Hätten wir unsere Chancen konsequenter genutzt, wäre das Ding frühzeitig erledigt gewesen.“
Bremen: Wiese - Fritz, Mertesacker, Pasanen, Tosic - Frings - Tziolis, Özil - Diego - Pizarro (90.+2 Niemeyer), Almeida. - Trainer: Schaaf
Schiedsrichter: Manuel Gräfe (Berlin)
Tore: 1:0 Frei (11.), 1:1 Almeida (62.), 1:2 Pizarro (80.)
Zuschauer: 74.000
Gelbe Karten: Boateng, Tinga, Frei - Pasanen, Diego
Klopps Gegenüber, Werder-Coach Thomas Schaaf, bemerkte dagegen erleichtert: „Es war wichtig, dass wir den Weg, den wir in der Vorbereitung eingeschlagen haben, fortsetzen konnten. Wir mussten ein Ergebnis erzielen, das hat meine Mannschaft hervorragend umgesetzt.“
Was war im Vorfeld nicht alles über die dünne Dortmunder Personaldecke geredet worden: Mats Hummels, Sebastian Kehl, Jakub „Kuba“ Blaszczykowski, Dede – allesamt Stammspieler, und allesamt fehlten sie im Duell gegen das Team von Schaaf. Und als wäre das noch nicht genug der Sorgen für Klopp, meldete sich auch Patrick Owomoyela grippekrank vor der Partie gegen seinen Ex-Klub ab.
Doch nur wenige Minuten nach dem Anpfiff waren sämtliche Probleme – vorerst - aus der Welt geschafft. Tinga hatte sich das Leder im Mittelfeld erkämpft und blitzschnell auf Mohamed Zidan weitergespielt. Weil dieser den Kopf hoch nahm, abspielte und der wiedererstarkte Alexander Frei Coolness bewies, ging der BVB mit 1:0 in Front (11.).
Es war noch zu früh, um von einer verdienten Führung zu sprechen. Doch weil die Borussen ihren Gegner in der Folge lange vom eigenen Strafraum entfernt hielten, ging das knappe Ergebnis in der Folge durchaus in Ordnung.
Wer jedoch fortan einen Dortmunder Spaziergang erhoffte, wurde enttäuscht. Die Bremer bissen sich in die Partie, und kämpften sich näher und näher an den Strafraum des BVB heran. Weil Roman Weidenfeller seinen Strafraum nicht im Griff hatte, wurde es kurz vor der Pause fast folgerichtig mehrmals richtig gefährlich.
Der Ausgleich der Bremer fiel durch Hugo Almeidas trockenen Dropkick (62.) dennoch aus dem Nichts. Denn es waren die Dortmunder, die besser aus der Kabine kamen und sich zunächst gefährlicher vor dem Werder-Kasten in Szene setzen konnten. Weil aber Frei und Zidan ihre Chancen nicht nutzten, und die Bremer mehr und mehr ihre Qualitäten ausspielten, wurde es eng.
Zu eng, denn nach dem Treffer von Claudio Pizarro, der nach einem von Weidenfeller parierten Diego-Freistoß mit Gewalt abstaubte (80.) war der Dortmunder Traum von der zweiten Finalteilnahme in Folge geplatzt.
Bereits am Samstag haben die Borussen in der Liga die Chance, mit einem Sieg gegen Leverkusen das eigene Gemüt wieder aufzuhellen. Und so versuchte dann auch Klopp, den Schalter schnell umzulegen: „Im Moment ist die Enttäuschung natürlich riesengroß. Gerade, weil man sehen konnte, was möglich gewesen wäre. Doch es gibt auch genug positive Dinge, die wir aus der Partie herausziehen können.“

