Namentlich: Rot-Weiss, TUSEM und die Moskitos. Einst allesamt erfolgreich, liegen die Sport-Riesen heute kollektiv darnieder, wandeln die großen Drei am Rande der sportlichen Bedeutungslosigkeit. Das schwere Los: Als Vertreter der publikumsträchtigsten Sportarten sind die Klubs automatisch auch Aushängeschild der Stadt. Allein, sie führten in den letzten Jahren nicht allzu viel Gutes im Schilde. Die letzten Erfolge datieren aus einer Zeit, in der eine renommierte Brauerei noch mit diesem Slogan warb. Die ist jedoch in der Nachbarstadt als Großsponsor aktiv und in Gelsenkirchen erinnern sich heutige Generationen allenfalls blass an die gelebte Rivalität mit Rot-Weiss Essen. Selbst „gehasst“ wird der Klub von der Hafenstraße nicht mehr so richtig.
Nach dem vermeidbaren Last-Minute-Abstieg aus der Zweiten Liga scheint es heutzutage, als habe sich RWE auf absehbare Zeit aus dem „Profi“-Fußball verabschiedet. Da auch die Qualifikation zur eingleisigen 3. Liga verpasst wurde, dümpelt der Deutsche Meister von 1955 nun in der Regionalliga herum. Ein gelebtes Horrorszenario, auch in der Kulturhauptstadt 2010 schwindet zusehends der Stellenwert des Klubs. Heute besuchen kaum noch einmal 10.000 Menschen die Heimspiele an der Hafenstraßen, es sei denn es geht gegen Schalke - die zweite Mannschaft, versteht sich.
Und die Lage ist so, dass sich die Essener Fußballanhänger erstmal auf Gegner der Kragenweite Sportfreunde Lotte oder FSV Ludwigshafen-Oggersheim einrichten können. Der Aufstieg scheint momentan jedenfalls Wunschdenken, Kaiserslautern II ist zur Halbserie elf Punkte besser. Zudem bildet die Heimstätte die passende Kulisse. Das Georg-Melches-Stadion hat seine besten Tage schon vor Jahren gesehen, modert ohne Westtribüne vor sich hin, während die Entscheidung über einen Neubau zum „Running Gag“ ausartet. Dennoch muss ein neues Stadion her, und zwar bald. Momentan mehren sich wenigstens die Anzeichen auf ein Happy-End in dieser Frage. Doch sportlich bleibt es weiter mau. RWE steckt knietief in der Viertklassigkeit - und das ist mehr als nur ein Schönheitsfehler.
Liga vier ist auch die sportliche Heimat des einstigen DEL-Klubs Moskitos Essen. Dabei schmiedete der ESC noch vor rund eineinhalb Jahren an Plänen, die eine Rückkehr ins Oberhaus denkbar machen sollten. Das Eisen war aber längst erkaltet, wurde spröde und zerbrach unter dem Insolvenz-Hammer. Man hatte sich übernommen am Westbahnhof - mal wieder.
Einige Querelen später und etliche Fans weniger versuchen die „Mücken“ nun in der Regionalliga einen Neustart.

Trianer Michael Kulm scheint sich mit RWE auf ein weiteres Jahr Viertligafußball einstellen zu können (RS-Foto: firo).
Frank Dittmann versucht, die Lehren aus der Vergangenheit zu ziehen und sich als neuer Präsident. Seitdem läuft es sportlich wieder einigermaßen, auch wenn der Aufstieg frühestens in der nächsten Saison ein Thema sein wird. Obwohl der ehemalige EHC Essen-West sich schwer tut, wieder auf die Beine zu kommen, kehrt Dittmann vornehmlich vor der eigenen Tür: „Ich finde es schwer, immer auf die Stadt oder die Konzerne zu schimpfen. Wir müssen erstmal selber unsere Hausaufgaben machen. Die Stadt hängt voll am Schuldentropf und tut, was sie kann.“ Dennoch glaubt er an den Spitzensport-Standort Essen. „Es ist ja unser Ziel, uns mittelfristig wieder in der Spitze zu etablieren. Aber eben Schritt für Schritt und auch nur, wenn diese Schritte jeweils abgesichert sind.“
TUSEM Essen ist also der einzig verbliebene Erstligist der ehemals großen Klubs, wenngleich mit einem gewaltigen „Aber“. Denn der Niedergang der Handballer ist längst besiegelt. Unabhängig von der sportlichen Chancenlosigkeit hat sich der Klub auch finanziell ordentlich verhoben. Die Folge ist ein laufendes Insolvenzverfahren und der damit verbundene Zwangsabstieg.
Immerhin ist die erste Resignation einer Aufbruchstimmung gewichen. Denn unlängst hat die Gläubigerversammlung beschlossen, den Spielbetrieb fortzuführen. Es ist ein Erfolgserlebnis für die neuen Verantwortlichen, die sich dennoch Gesamtforderungen von über 2,3 Millionen Euro gegenübersehen. Ganz zu schweigen von den leidgeprüften Anhängern, die sich in den kommenden Monaten auf Schlappen am laufenden Band einstellen müssen.
Zwischen den Enttäuschungen der „Großen“ ragt ein Verein heraus, der lange Zeit ein Schattendasein fristete: Die Frauen der SG Schönebeck sind als etablierter Erstligist quasi so etwas wie das neue Aushängeschild der Stadt. Vor dem Rückrundenstart rangieren die Mädels von Coach Ralf Agolli auf Tabellenrang sechs, Platz fünf soll es am Ende aber schon werden.

Die TUSEM-Handballer müssen sich zwangsläufig aus der 1. Bundesliga verabschieden (RS-Foto: mmb-pressebild).
Dass es für die Fußballerinnen von der „Ardelhütte“ dennoch nicht einfach ist, sich in der Eliteklasse zu behaupten, weiß Teamkoordinator Detlef Loeschin nur zu gut: „Man merkt leider im Alltag nicht so oft, dass wir ein positives Beispiel im Essener Sport darstellen.“ Das zeigt sich vor allem beim Thema Sponsoren, die der SGS nicht gerade die Tür einrennen. „Wir sind sehr stolz und froh über unsere treuen langjährigen Partner, aber die Suche nach neuen Kooperationen gestaltet sich schwierig. Da müssen wir oft vor verschlossenen Toren Halt machen.“ Sicher habe das auch etwas mit dem Frauenfußball an sich zu tun, bemerkt Loeschin, aber „vielleicht haben wir auch als Breitensportverein unsere Probleme. Schließlich sind wir kein ausgegliederter Frauenfußballklub.“
Im Zuge der Professionalisierung und Zusammenarbeit mit Profivereinen, muss sich die SGS in Zukunft noch mehr in ihrer Nische bewähren. Loeschin: „Zum Glück haben wir unseren Kunstrasenplatz, denn selbst eine Mannschaft wie RWE muss über die Dörfer tingeln, um im Winter einen geeigneten Trainingsplatz zu finden.“
Schaut Loeschin auf die Kollegen, zieht er vor allem vor den Schwimmern der SG Essen und den Tischtennis-Damen des TuS Holsterhausen den Hut: „Die spielen seit langem auf einem sehr hohen Level in der Bundesliga, das verdient Respekt.“ Genau wie die Leistungen der Schönebeckerinnen.

