Zum Rückrundenauftakt trennte sich das Team von Jürgen Klopp mit einem 1:1 (1:0)-Unentschieden vom Tabellennachbarn Bayer Leverkusen und verpasste damit die Möglichkeit, mit dem Kontrahenten gleichzuziehen.
Beschweren wollte sich darüber am Ende dennoch keiner der Schwarz-Gelben. Zu stark waren am Ende die Kicker von Bayer-Trainer Bruno Labbadia, zu hoch deren Überlegenheit, wie ein Blick auf die Statistik belegt. 9:4 Torchancen, 57 Prozent Ballbesitz - solche Werte führen normalweise zu einem Sieg.
„Ich muss beiden Mannschaften ein Kompliment aussprechen. Es war ein sehr intensives Spiel, daran mussten wir uns erst gewöhnen“, suchte Labbadia nach einer Erklärung dafür, warum seine Mannschaft knapp 45 Minuten brauchte, um sich auf den Dortmunder Kampf einzustellen.
Denn wie schon gegen Bremen zeigten die Borussen auch gegen Leverkusen zwei Gesichter. In der ersten Hälfte stand die Ordnung im BVB-Mittelfeld, in dem Nuri Sahin erwartungsgemäß den gelb-rot-gesperrten Tamas Hajnal vertrat. Die daraus resultierende Pausenführung durch Alex Frei, der nach einem großen kämpferischen Einsatz von Patrick Owomoyela und einem schweren Patzer von Leverkusens Lukas Sinkiewicz am schnellsten reagierte (36.), ging deshalb durchaus in Ordnung.
So sah es auch Klopp, der betonte: „Die erste Halbzeit war wirklich sehr gut. Wir haben dort einen spielstarken Gegner nie zur Entfaltung kommen lassen.“
Doch es kommt ein dickes „Aber“: Was in Hälfte eins nämlich noch hervorrangend klappte, missglückte - wie gegen Bremen - im zweiten Durchgang völlig. „Meine Mannschaft hat das Zutrauen an sich verloren und die Anweisungen vergessen“, bilanzierte der 41-Jährige leicht angefressen, bevor er das Hauptproblem aussprach: „Wir haben nicht mehr gut Fußball gespielt.“
Sahin erwies sich als glücklose Vertretung für Hajnal, der die Partie nicht ordnen konnte. Und auch Kevin-Prince Boateng, der zu Beginn nahtlos an seine tolle Vorstellung gegen Bremen anknüpfen konnte, tauchte in den zweiten 45 Minuten ab.
Ein fataler Umstand gegen ein qualitativ dermaßen gut besetztes Leverkusener Mittelfeld, das in der Folge Chancen am Fließband produzierte. Die mangelnde Auswertung der Möglichkeiten war dann letztlich auch das einzige Manko, was Gäste-Coach Labbadia bei seiner Truppe ausmachen konnte: „Mir tut es sehr leid für die Mannschaft, die Dortmund sehr gut eingeschnürt hat. Normalerweise können wir solche Chancen verwerten, diesmal hat es nicht gereicht.“
Während seine Leverkusener den Abstand auf Platz sechs zumindest bis heute Abend halten konnten, muss der BVB aufpassen, dass der Kontakt zu den oberen Rängen nicht schon am kommenden Sonntag abreißt. Dann wartet der FC Bayern München auf die Klopp-Elf, die sich in der kommenden Woche vor allem mit einer Frage auseinandersetzen muss: dem zweimaligen Leistungsabfall nach dem Wechsel.
Natürlich kommen da Diskussionen über den Fitnessstand der Mannschaft auf. Für BVB-Interimskapitän Florian Kringe spielte das jedoch keine Rolle: „Wir waren in den Zweikämpfen nicht mehr so präsent, haben die Ordnung verloren. Das ist eine Sache der Konzentration, nicht der Fitness - denn die ist bei uns sehr gut.“ Eine Aussage, die am nächsten Sonntag zu beweisen wäre.



