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Sportstadt Essen: RWE setzt auf soziales Sport-Sponsoring (Leserservice)
Mit Weitblick und Effizienz

Der Essener Energieversorger hat den jüngsten sportlichen Entwicklungen und dem eigenen, neuen Leitbild folgend seinen Blickwinkel auf den Essener Sport verändert. Gesellschaftliche Verantwortung und nachhaltige Förderung bilden für Achim Südmeier die Handlungsmaximen im regionalen Sport-Sponsoring. RevierSport sprach mit dem Vorstandsmitglied der RWE Rhein-Ruhr AG über die aktuelle Situation und das zukünftige Engagement in Essen.

Herr Südmeier wenn Sie in Essen Sport treiben, geschieht dies wo und in welcher Form?

Im Wesentlichen ist dies Laufen, da man zeitlich und personell relativ unabhängig ist. Wenn ich vornehmlich abends durch die Essener Innenstadt jogge, bin ich immer wieder überrascht, wie viele Menschen es mir gleich tun. Darüber hinaus bietet mir Essen hervorragende Möglichkeiten, beispielsweise beim Radfahren die Schönheit der Natur an der Ruhr und am Baldeneysee zu genießen.

Die Freizeit- und Breitensportlandschaft Essens ist bunt und vieles ist im grünen Bereich. Anders sieht es im Leistungssport aus. Wie stellt sich der Essener Sport insgesamt für Sie da?

Dies ist sehr differenziert zu betrachten. Vom Angebot und von der Vielfalt ist das gigantisch, was hier in Essen geht. Vom Segelsport auf dem Baldeneysee über Betriebssport nicht nur in unserem Konzern bis hin zu Angeboten für Menschen mit Behinderung reicht die Palette. Mit Blick auf den Leistungssport möchte ich nicht von Ordnungsstruktur sprechen, aber die Frage nach einem grundlegenden Konzept einer Sportstadt drängt sich dennoch auf, denn in einer der größten Städte Deutschlands sollte ein Potenzial vorhanden sein, um in einigen Leistungssportarten auch weit oben zu stehen. Es ist eine Frage der Koordination, der effektiven Nachwuchsarbeit sowie sinnvollen Vernetzung im Breiten- und Leistungssport.

Was heißt das für die RWE Rhein-Ruhr AG?

Sehen Sie, wir können den hohen finanziellen Bedarf der zahlreichen Vereine mit Ambitionen im Leistungssport nicht alleine decken. Soziales Engagement in der sportlichen Breite wirken zu lassen, liegt uns in der Wahrnehmung näher. Es ist sehr wichtig für die Struktur der Region einen gesellschaftlichen Beitrag zu leisten, der es uns allerdings schwerer macht, in großem Stil den Leistungssport zu unterstützen.

Prüft man also nach der Neuausrichtung, die mit „vorweg gehen“ kommuniziert wird, nun unter anderen Gesichtspunkten auch das Sportsponsoring?

Das spielt definitiv eine Rolle. Wir verkaufen in der Energieversorgung politisch besetzte Güter, deren Produktion und Preise einer sehr intensiven, gesellschaftlichen Diskussion ausgesetzt sind. Dies ist nachvollziehbar und zieht uns in eine Verantwortung, der wir uns stellen wollen. Wenn man fragt, wie die Energieversorgung der Zukunft aussehen kann und soll, müssen wir auf die gesellschaftlichen Bedürfnisse eingehen und auf die Menschen zugehen. CO2-Minderung und umweltverträgliche Energiegewinnung sind zukunftsweisend. Ebenso wollen wir etwas in die Gesellschaft zurückgeben, indem wir soziale und integrative Sportprojekte in den Fokus unseres Engagements rücken. Natürlich braucht man auch den Leistungssport als Leuchtturmprojekt, als Vorbildfunktion gerade für die jüngere Gesellschaftsschicht. Aber der Breitensport als integrierendes Element ist für RWE Rhein-Ruhr mindestens genauso wichtig.

Beeinflusst auch die Kulturhauptstadt 2010 einen sorgfältigeren Umgang mit den Sponsoring-Ressourcen für den Sport?

Nein, denn meine persönliche Auffassung ist, dass Sport ein Teil von Kultur ist. Beide gesellschaftlichen Ebenen haben gerade hier im Ruhrgebiet die Notwendigkeit, miteinander zu agieren ganz unabhängig davon, wo man persönlich Grenzen eines intellektuellen Anspruchs ziehen will.

Gibt es Beispiele, wie Sportkultur über Grenzen hinweg gefördert wird?

An erster Stelle muss man hier das von uns unterstützte Sprachförderprojekt von Rot-Weiss Essen nennen. In Kooperation mit dem Goethe Institut Düsseldorf und den Schulen Stoppenberg und Bockmühle wird Fußballaffinität dazu genutzt, um Grammatik, Satzbau und Ausdrucksfähigkeit junger Menschen zu verbessern. Für dieses deutschlandweit einmalige Projekt wurde von Bundespräsident Horst Köhler die Auszeichnung „Ort der Idee 2009“ verliehen. Die Schulstadtmeisterschaften im Fußball, Schulstaffelläufe mit Willi Wülbeck und Wettbewerbe wie „der integrative Sportverein“ oder der „energieeffiziente Sportverein“ sind nur einige weitere Beispiele. Darüber hinaus halte ich die Vernetzung der Inhalte in viele unterschiedliche Sozialsphären für sehr wichtig, da man so eine sehr viel größere Wirkung erzielen kann. Eine Fokussierung auf ein einzelnes Thema wäre zu kurzsichtig.

Sprechen Sie hiermit den Stadion-Neubau an?

Das momentan generelle Problem ist die Tatsache, dass es der öffentlichen Hand zunehmend schwer fällt, finanzielle Ressourcen zu schöpfen. Es ist wie mit der Henne und dem Ei. Die Investition zum Bau des Stadions ist eine Sache, aber der Unterhalt desselben muss auch gewährleistet sein. Das kann nur gelingen, wenn das Stadion als Standort von hochklassigem Leistungssport entsprechende Einnahmen generiert. Der Leistungssport ist aber nicht auf diesem Niveau und das macht die Sache nicht einfach. Wo will man da anfangen?

RWE macht zumindest dort weiter, wo so genannte „Exoten“ die Sportlandschaft Essens bereichern?

Das würden wir ohnehin da tun, wo wir Notwendigkeit und Effizienz sehen. Die Dimensionen sind bei den Rollstuhl-Basketballern von den Hot-Rolling Bears, dem Behindertenfußball bei FUBA-NET, dem integrativen Drachenbootrennen, dem Come-Together-Cup der Aidshilfe oder dem heilpädagogischen Voltigieren ja auch ganz andere. Das ist Social Sponsoring gepaart mit Sportförderung. Ein Tandem, das sehr gut zu unserer Philosophie passt und spannende Ideen nach vorn bringt.

Was wünschen Sie sich abschließend für die Zukunft der Sportstadt Essen?

Ein kontinuierlicher Erfolgsweg des Vereins Rot-Weiss Essen würde ungeheuer viele Menschen mobilisieren und einen integrativen Effekt für die ganze Stadt erzeugen. Dies könnte die deutschlandweite Wahrnehmung der Stadt Essen enorm befördern. Von Stolz und Identifikation genährt hätte das einen ungemein positiven Ausstrahlungseffekt nach dem Motto „wir sind wieder wer“ im Sinne von (lacht) „wir sind RWE!“

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