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Interview: Andreas Möller über Andreas Müller
„Er hat schon viele gute Entscheidungen getroffen!“

Es war der größtmögliche Tabubruch in der Geschichte des Revierfußballs.

Als der FC Schalke 04 Ende Mai 2000 die Verpflichtung von Andreas Möller bekanntgab, waren in Gelsenkirchen spontane Vereinsaustritte und Dauerkartenabbestellungen die Folge.

„Heulsuse“ war nur die netteste Bezeichnung, die der neben Lothar Matthäus und Stefan Effenberg wohl am meisten polarisierende Kicker der jüngeren Vergangenheit hören musste. Es war teils offenkundiger Hass, der dem besten deutschen Fußballer mit gleichzeitig dem schlechtesten Image auf Schalke entgegenschlug.


Zur Person
Andreas Möller, geboren am 2. September 1967 in Frankfurt am Main. Spielerstationen: 1973-1981 BSC Schwarz-Weiß 19 Frankfurt (Jugend), 1985-1987 Eintracht Frankfurt (35 BL-Spiele/5 Tore), 1988.1990 (75/24), 1990-1992 Eintracht Frankfurt (69/28), 1992-1994 Juventus Turin (56/19), Borussia Dortmund 1994-2000 (153/47), 2000-2003 FC Schalke 04 (86/6), 2003-2004 Eintracht Frankfurt (11/0). Bundesliga gesamt: 429/110. Nationalmannschaft: 86/29. Erfolge: 1990 Weltmeister, 1996 Europameister, 1997 Champions-League-Sieger, 1997 Weltpokalsieger, 1993 UEFA-Cup-Sieger, 1995, 1996 Deutscher Meister, 1989, 2001, 2002 DFB-Pokal-Sieger.

Vor Möller hatten schon etliche Spieler die Farben zwischen Königsblau und Schwarz-Gelb ausgetauscht. Ob „Stan“ Libuda, Rüdiger Abramczik, Jens Lehmann, Ingo Anderbrügge oder Rudi Assauer, der ja nie für Schalke spielte, sondern mit dem BVB den Europapokal holte, ehe er als Manager der "Knappen" zur Legende wurde. Doch Möller, das ging den meisten S04-Anhängern zu weit, mit dem Erfinder der „Schutzschwalbe“ konnte sich wirklich keiner identifizieren.

Assauer, der den damals schon 33-Jährigen holte, war das egal. Er bewertete die rein sportlichen Gründe für den (ablösefreien) Transfer - und hatte Recht! Es war vor allem Möllers genialer Spielkunst zu verdanken, dass der Klub nach 43 Jahren des Wartens fast die Schale nach Schalke holte.

Heute ist der 41-Jährige als Manager von Kickers Offenbach geografisch nicht mehr nah am Puls der Derbys. Dass ihn das ewige Duell der Revierrivalen aber auch über acht Jahre nach einem Schalker 4:0 in Dortmund mitreißen wird, gibt er im Gespräch mit RevierSport gerne zu.

Andreas Möller, sehen wir Sie am Freitag auf der Tribüne der Veltins-Arena?

Andreas Möller (Foto: firo)

Das ist eine gute Idee, aber ich habe mich noch gar nicht um eine Karte bemüht. Da wir mit den Kickers am Samstag gegen Wuppertal antreten und vorher im Trainingslager sein werden, klappt es mit einem Besuch vor Ort auch wahrscheinlich nicht. Ich werde mir die Partie aber natürlich auf Premiere ansehen.

Und, wer gewinnt?

Schwere Frage! Das ist schließlich ein Derby und nicht mit normalen Maßstäben zu bewerten. Was in so einer brisanten Partie passiert, kann man schlecht vorhersagen. Nach dem Saisonverlauf und insbesondere der Niederlage in Bochum ist auf Schalke ja gerade mächtig was los. Allerdings ist es für die Mannschaft eine sehr gute Gelegenheit, das schiefe Bild aus den vergangenen Tagen und Wochen wieder gerade zu rücken.

Das glauben im Verein auch viele, aber die Realität sieht anders aus. Am vergangenen Samstag reichte ein Gegner, der seine schwierige Situation begriffen hat und daher ums Überleben kämpft, um das Möchtegern-Spitzenteam zu schlagen!

Ich war nicht im Stadion und habe nur die Zusammenfassung in der Sportschau gesehen. Nach den Bildern zu urteilen muss ich zugeben, dass die bessere Tagesform der Bochumer über die zweifellos bessere spielerische Qualität der Schalker gesiegt hat. Man hat dem VfL angemerkt, dass jeder Spieler bis zum Umfallen für diese drei Punkte gefightet hat. Sie standen mit dem Rücken zur Wand und haben sich frei gestrampelt. Doch für Schalke ist die Saison noch nicht vorbei, dafür sind noch zu viele Spiele. Diese Mannschaft kann noch einen UEFA-Cup-Platz erreichen - wenn sie sich auf ihre eigentliche Aufgabe besinnt.

Das ist ein echtes Problem auf Schalke, wo auf den Nebenkriegsschauplätzen oft mehr los ist als auf dem Fußballplatz. Sie waren selbst drei Jahre lang im Klub. Warum kommt Schalke nicht zur Ruhe?

Das liegt vor allem daran, dass Schalke ein höchst emotionaler Klub ist. Jedes Ergebnis und jede Entscheidung wird rauf und runter diskutiert, alle rundherum haben eine Meinung. Das ist das gute Recht der Leute, macht es aber so schwer, in Ruhe zu arbeiten. Und durch die Erfolge in den vergangenen Jahren sind natürlich auch die Ansprüche gestiegen. Da ist es schwierig, den Fans Platz neun zu verkaufen.

Der BVB kommt sogar von weiter unten, am Freitag aber als die Nummer eins im Pott nach Schalke. Was trauen Sie Borussia Dortmund unter der Regie eines echten Motivationskünstlers noch alles zu?

Unter Jürgen Klopp hat sich eine gewisse Aufbruchstimmung breit gemacht, die der Verein nach den problematischen letzten Jahren sicherlich brauchte. Die Mannschaft hat Tuchfühlung zu den UEFA-Cup-Rängen und kann den Sprung in den internationalen Wettbewerb packen, auch wenn es für die Champions League noch nicht reichen wird. Sie darf sich von solch kleinen Rückschlägen wie dem 1:1 gegen Cottbus aber nicht beirren lassen und muss weiter ihr Ding durchziehen - auch am Freitag.

Wann haben Sie die beiden Teams zum letzten Mal live im Stadion gesehen?

Auf Schalke war ich in dieser Saison noch nicht und in Dortmund nur beim UEFA-Cup-Spiel gegen Udine. Das hat der Borussia nicht gerade Glück gebracht.

Als Sie nach Schalke kamen, beendete Andreas Müller seine aktive Karriere und wurde unter Assauer zum Manager des Vereins. Das Derby könnte sein letzter Einsatz für Schalke in dieser Position sein. Haben Sie mal mit ihm über die Situation gesprochen?

Ja! Als es Ende des vergangenen Jahres auf Schalke schon einmal so heftig herging, habe ich ihm eine SMS geschickt und ihm darin geschrieben, Andi, Du bist ein Kämpfer, lass Dich nicht unterkriegen! Er war ja schon als Spieler ein Abräumer und er wird sich auch jetzt durchsetzen. Ich kann auch nicht nachvollziehen, dass die Leute seinen Rauswurf fordern, denn er hat in seiner Amtszeit schon sehr viele gute Entscheidungen getroffen.

Sie können sich also nicht vorstellen, mal sein Nachfolger zu werden?

(lacht) Nein, absolut nicht! Natürlich will ich irgendwann mal in dieser Position in die Bundesliga. Das mit Kickers Offenbach zu schaffen, sieht zumindest im Moment nicht so vielversprechend aus. Aber Schalke hat nach meiner Ansicht einen Top-Manager, also muss ich mir darüber keine Gedanken machen!

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