Gemeinsam mit Marcel Schmelzer kickte er seine zahlreichen namhafteren Konkurrenten aus dem Rennen und holte den klubinternen Siegerpokal - offenbar ein gutes Omen.
Denn am vergangenen Sonntag durfte der 22-Jährige gegen Cottbus sein lang ersehntes Bundesliga-Debüt feiern. In den knapp 60 Sekunden, die sein Einsatz schließlich dauerte, konnte sich der frühere Magdeburger zwar nicht sonderlich in Szene setzen, dennoch spazierte der Stürmer hinterher mit einem breiten Grinsen durch die Mixed-Zone.
Am Freitag wurden Kullmanns private Festspiele aber noch einmal getoppt. Im Revierderby gegen Schalke schenkte ihm Jürgen Klopp erneut das Vertrauen. Diesmal über 15 Minuten und beim Spielstand von 0:1.
„Man wächst mit den Aufgaben, die man gestellt bekommt", bestritt der zwölffache Regionalliga-Torschütze der laufenden Saison, sich angenehmere Situationen für eine Einwechslung vorstellen zu können.
Im Gegenteil, der Angreifer genoß die Herausforderung in vollen Zügen: „Es war ein super Ding, gegen Schalke zu spielen. Ich kenne Derbys aus meiner Zeit in Magdeburg. Aber hier ist alles größer. Die Emotionen zwischen den Fans sind stärker. Deshalb ist es auch für uns Spieler besonders."
Trotz der Freude über das zweite Bundesliga-Match in Serie sprach der Youngster jedoch auch die negativen Aspekte der Partie ehrlich an: „Das einzig Positive am Freitag war, dass wir nicht verloren haben. Wir sind nicht richtig ins Spiel gekommen, hatten erst am Ende Chancen. Mehr als den Ausgleich zu erzielen, ging nicht."
Einen Grund dafür sah der Goalgetter im Systemwechsel. Der „Tannenbaum" sei zwar unter der Woche geprobt worden, aber „es ist ein Unterschied, ob du etwas im Spiel oder im Training machst. Unter Gegnerdruck ist es auch im Kopf etwas ganz anderes."
Erst recht, wenn nicht nur die Qualität des Gegners, sondern auch die Erwartungen einer ganzen Stadt auf den Schultern getragen werden müssen.
Dass Kullmann damit umgehen kann, bewies er bereits in etwas kleinerem Rahmen: Mit den BVB-Amateuren besiegte er die „Zwote" der Schalker in der Hinrunde mit 2:0 und traf selbst einmal ins gegnerische Tor.
Und auch am Freitag hätte er, mit etwas Glück, fast einen Treffer erzielt: „Wenn Mo den Pass durchgesteckt bekommen hätte, wäre die Chance da gewesen. Aber es hat leider nicht geklappt, sonst hätte mich an dem Abend auch wohl niemand mehr eingefangen."
So verschwand der - neben Torschütze Mohamed Zidan - wohl glücklichste Borusse des Tages wieder brav im zweiten Glied und trug für seine Kollegen die Kisten in den Bus. Es wird wohl noch dauern, bis er das Level erreicht hat, an dem er nichts mehr schleppen muss. Den Anfang aber hat er am Freitag gemacht.



