"Es ist fünf vor 12. Das ist uns allen klar. Das ein oder andere Ding haben wir uns selbst eingebrockt. Da war auch ein Schuss Überheblichkeit im Spiel", gestand Klinsmann selbst ein und schlug nach dem zweitschlechtesten Rückrunden-Start in den letzten 34 Jahren eine deftigere Tonart an: "Wir wollen bis zum Schluss in allen drei Wettbewerben dabei sein. Da ist es klar, dass wir so ein Spiel gewinnen müssen."
An der Isar wächst nach nur vier Punkten aus fünf Liga-Spielen die Ungeduld. Nach dem Absturz auf den fünften Platz macht allmählich auch Präsident Franz Beckenbauer Druck. "Jürgen hat nach dem Bremen-Spiel gesagt, wir seien auf einem guten Weg. Es wird jetzt aber auch Zeit, diesen Weg nun langsam zu finden", forderte der "Kaiser" in der Bild-Zeitung. Ein Pokal-K.o. käme da ziemlich ungelegen.

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Einhergehend mit dem Abwärtstrend muss Klinsmann einen Brandherd nach dem anderen löschen. Erst die Gerüchte um eine Taktik-Sitzung der Spieler ohne den Trainer, nun sorgt wieder einmal Mittelfeldregisseur Franck Ribery für Ärger. Der Franzose soll sich bei Klinsmann über mangelnde Unterstützung seiner Mitspieler beschwert haben und sein Berater Alain Migliaccio kokettiert zum wiederholten Mal mit einem Wechsel seines Schützlings zu einem europäischen Top-Klub wie dem FC Barcelona oder Manchester United.
"Es ist immer das Problem, wenn ein Spieler weg will und dem Verein die Pistole auf die Brust drückt, dann hat der wenig Chancen. Bei Ribery kann man schon den Eindruck gewinnen, dass es sich um gezielte Äußerungen handelt. Die Bayern sind schon seit langem abhängig von ihm", bewertet Beckenbauer die Angelegenheit mit Sorge.
Sorgen hat aber auch der Gegner aus Leverkusen. Der Rückrundenstart ging mit vier Punkten ebenso wie bei den Bayern in die Hose, dazu bekam die heile Welt unterm Bayer-Kreuz erste Risse. Nach dem 0:1 in Hannover kritisierte Nationaltorhüter Rene Adler seine Mitspieler, daraufhin nahm sich Sportchef Rudi Völler den Jungstar zur Brust. In einem Friedensgespräch sollen alle Differenzen ausgeräumt worden sein.
So wendete sich Adler vor dem mit 50.500 Fans ausverkauften Hit in der Düsseldorfer Arena - damit stellt Bayer einen Zuschauer-Vereinsrekord auf - auch wieder dem Sportlichen zu. "Wir müssen uns hinter den Bayern nicht verstecken. Wir haben oft genug gezeigt, was wir können. In der Hinrunde war das Bayern-Spiel die einzige Partie, in der wir unterlegen waren. Da haben wir noch eine Rechnung offen", meinte der 24-Jährige.
Geht es danach, stünden sogar noch acht Rechnungen offen. So oft haben jedenfalls die Leverkusener zuletzt hintereinander gegen den Rivalen aus München verloren. Im DFB-Pokal liegt die letzte Bayern-Niederlage auch schon über 24 Monate zurück - am 20. Dezember 2006 setzte es ein 2:4 bei Alemannia Aachen.
Personell haben beide Teams Ausfälle zu verkraften. Beim Meister kommt ein Einsatz von Toni (Achillessehnenprobleme) und Lahm (Gripppe) noch zu früh. Bei Leverkusen steht in den nächsten Wochen Abwehrchef Manuel Friedrich (Meniskus-Operation) nicht zur Verfügung.
Wolfsburg - Bremen
Mit dem unbekannten Dritten nach Europa! Bei Werder Bremen ruhen die Hoffnungen auf einen Coup im Viertelfinale des DFB-Pokals beim VfL Wolfsburg am Mittwoch (19.00 Uhr/live bei Premiere) auf dem noch nie auf großer Bühne in Erscheinung getretenen Junioren-Torwart Nico Pellatz.
Stammkeeper Tim Wiese wurde nach noch nicht ganz ausgeheilter Muskelverletzung vom Mannschaftsarzt zurückgepfiffen, der glänzende Ersatzmann Christian Vander zog sich gegen Rekordmeister Bayern München einen Muskelfaserriss zu. Der 22 Jahre alte Pellatz aus der Drittliga-Mannschaft bekommt nun das Vertrauen von Trainer Thomas Schaaf. Ein Spieler ohne jede Bundesligaerfahrung.

Muss ran: Nico Pellatz (Foto: firo).
Denkbar schlechte Voraussetzungen also für die Bremer, die nach den beiden Unentschieden beim AC Mailand (2:2) und gegen Bayern (0:0) deutlichen Aufwind verspürten. Der DFB-Pokal ist nach einer bislang verkorksten Bundesliga-Saison die letzte einigermaßen realistische Hintertür in den finanziell notwendigen internationalen Wettbewerb.
Die beiden Erfolgserlebnisse in Mailand und mit zehn Spielern gegen Bayern haben den in der Rückrunde noch sieglosen Bremern wieder Mut gegeben. "Wir haben nach Mailand den nächsten Schritt getan. Wenn wir in Wolfsburg die gleiche Leidenschaft zeigen, werden wir uns dort auch durchsetzen", sagte Mittelfeldspieler Torsten Frings. Die Belastungen der letzten Woche sollen dabei keine Rolle spielen: "Wir sind diese Belastungen gewohnt und wissen, worum es geht", erklärte Abwehrchef Per Mertesacker.

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Allerdings müssen die Bremer bei der Mannschaft der Stunde antreten. Der VfL Wolfsburg stellt die beste Mannschaft der Rückrunde, hat sich nach seinem 3:1-Erfolg beim Hamburger SV unter die Meisterkandidaten eingereiht, ist im eigenen Stadion in der Liga noch ungeschlagen. "Unser Ziel ist das Finale in Berlin", sagte Stürmer Edin Dzeko.
Der Bosnier kann wieder mit Grafite an seiner Seite wirbeln, dessen Knie nur 16 Tage nach einer Arthroskopie in Hamburg eine Halbzeit hielt. Auch Regisseur Zvjezdan Misimovic ist im Pokal wieder dabei.
Im Tor sieht es nach einer Rückkehr von Stammkeeper Diego Benaglio aus, der in Hamburg von Andre Lenz glänzend vertreten wurde. "Bremen hat eine sehr gute Mannschaft. Es ist kein leichtes Spiel, und es wird sicherlich auf die Tagesform ankommen", äußerte der VfL-Torhüter.
Dass er nach dem Spiel das Trikot mit Pellatz tauschen wird, entschied sich erst kurzfristig. Bei Wiese ist laut Teamarzt Götz Dimanski die Narbe im Muskel noch nicht ausgeheilt. So schlägt die große Stunde des 22-Jährigen, der im Sommer 2007 von Hertha BSC Berlin kam. "Er macht im Training einen sicheren Eindruck und ist einen Tick erfahrener als Sebastian Mielitz", erklärte Torwarttrainer Michael Kraft.
Der 19 Jahre alte Mielitz sitzt auf der Bank. Er wechselt sich mit Pellatz in den Spielen der U23-Mannschaft in der dritten Liga ab und sollte noch am Dienstag in Sandhausen zum Einsatz kommen. Nachwuchs-Manager Uwe Harttgen sollte ihn anschließend direkt im PKW nach Wolfsburg fahren. "Beide haben bei uns konstant Leistung gebracht", sagte Juniorentrainer Thomas Wolter, "wir vertrauen beiden."
