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Proteste gegen Tönnies und Vorstand übertünchen Sieg in Bielefeld
Jones: „Mike Büskens kann es!“

Clemens Tönnies' Besuch in der Kurve kam bei den Schalker Fans in Bielefeld nicht gut an (Foto: firo).

Clemens Tönnies wollte Volksnähe zeigen, doch seine Annäherung mit dem Schalker Publikum ist ihm gründlich misslungen.

Als der Schalker Aufsichtstratsvorsitzende vor dem Anpfiff der Partie am Freitagabend in Bielefeld die Gästekurve aufsuchte, hätte es für den mächtigen Unternehmer fast eins auf die Mappe gegeben. Statt die Wogen nach den turbulenten letzten Wochen auch nur ansatzweise glatten zu können, wiegelte Tönnies den Mob mit seinem sicherlich gut gemeinten, aber in der jetzigen Situation deplatzierten Erscheinen im Block nur weiter auf. „Vorstand & Tönnies Maul halten“ war das sichtbarste Zeichen der ablehenden Haltung der Basis gegenüber den jüngsten Ereignissen in „ihrem“ Verein.

Da konnte selbst der 2:0-Sieg beim Schalker Lieblings-Auswärtsgegner Arminia nicht wirklich die Lage beruhigen. Klar, die Anhänger feierten am späten Abend mit der Mannschaft, die nach dem Abpfiff endlich mal wieder gerne zum Zaun lief. Doch mit den Verantwortlichen können die treuen Königsblauen derzeit nichts anfangen. Erst eine kluge Entscheidung in der Manager- und Trainerfrage wird den schleichenden Prozess der Entfremdung vielleicht für einige Zeit etwas aufhalten können.
„Ich nehme mir das zu Herzen, was da auf dem Plakat stand. Es war schließlich groß genug“, war Josef Schnusenbergs verstimmter Kommentar zur Fanaktion. Tönnies selbst war für ein Statement nicht zu haben. Er verließ nach weniger als einer Minute den gefährlichen Posten im Rechteck der Schüco-Arena, angeblich von einem „wichtigen Anruf“ ferngeleitet.

Rein sportlich hingegen sieht die Schalker Welt nach dem nicht nur aus statistischen Gründen fast schon zu erwartenden Dreier in Bielefeld wieder ein wenig besser aus. Das Trainertrio Mike Büskens, Youri Mulder und Oliver Reck fand nach den zuletzt äußerst turbulenten Tagen in Gelsenkirchen offensichtlich die richtigen Worte, um die Mannschaft auf Kurs zu bringen. „Es war viel los in den letzten Wochen. Mike Büskens hat versucht, jedem Spieler wieder Selbstvertrauen zu geben“, erklärte Kevin Kuranyi. „Wir sollten als Mannschaft auftreten und einer für den anderen da sein. Das hat geklappt. Der Sieg war eine große Erleichterung nach den Tumulten.“

Jermaine Jones, erstmals in dieser Saison von Beinn an mit der Kapitänsbinde auf dem Plat, bestätigte: „Mike Büskens hat bereits bewiesen, dass er es kann. Ich denke, dass jetzt ein wenig Ruhe reinkommt.“ So sah es auch der zum zweiten Mal mit einem schönen Erfolg startende Interimscoach selbst. „Wir sind über die drei Punkte sehr glücklich, auch wenn in der Partie sicherlich nicht alles optimal war“, analysierte der 41-Jährige.

Immerhin fielen die Tore für die in weiß angetreten Königsblauen zum perfekten Zeitpunkt. Jefferson Farfan vollendete Christian Panders Traumflanke praktisch mit dem Pausenpfiff zur Führung. Kevin Kuranyi schloss einen klasse Konter in der Nachspielzeit zum Endstand ab. „Das Tor von Jefferson fiel zum richtigen Zeitpunkt. In der zweiten Halbzeit haben wir dann sehr gut Fußball gespielt und hätten schon früher das 2:0 machen können“, fand Büskens.

Auch sein Gegenüber Michael Frontzeck war trotz der abermaligen Heimpleite und der sich verschärfenden Abstiegsgefahr seiner Truppe nicht gänzlich unzufrieden. „Viel mehr als in der ersten Halbzeit kann man gegen so eine Spitzenmannschaft mit dem Potenzial wie Schalke nicht spielen. Was uns fehlt, ist das Tor zu machen. Das war schon gegen Wolfsburg so“, gab der Ex-Gladbacher zu. „Das kratzt natürlich an der Moral, wenn man zwei Heimspiele hintereinander verliert, aber nächste Woche in Cottbus sind andere Tugenden gefragt.“

Auf Schalke ist indes nun die Politik der ruhigen Hand gefragt. Natürlich wäre es nach dem ersten Sieg zu früh, dem Trainertrio um Büskens an der Spitze vielleicht auch übers Saisonende hinaus schon das Vertrauen auszusprechen. „Buyo“ selbst wäre das auch unangenehm. „Ich habe schon zu Hause wenig zu sagen. Und es ist mir neu, dass ich beim FC Schalke viel zu sagen hätte. Ich habe einen Vertrag als Co-Trainer, jetzt bin ich Teil eines Trainerteams. Da bin ich bestimmt nicht der wichtigste Mann in diesem Verein“, erklärte Büskens wohltuend bescheiden. „Daher werde ich bestimmt nicht gefragt, wer Manager werden soll. Und ich brauche das auch nicht für mein Leben, in der ersten Reihe zu stehen, sondern habe mich auch als Co-Trainer wohl gefühlt.“

Schalke braucht Leute wie ihn. Hoffentlich erkennen das die Verantwortlichen endlich.

Kurz Notiert / Amateurfußballnews

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