„Nadia hat seit Dezember enorm viel dazu gelernt. Ich denke, sie ist jetzt eine komplette Boxerin“, lobte Coach Dietmar Berg seinen Schützling.
Dabei musste der Trainer schon zu Beginn einen Schockmoment überstehen, als Raoui vor 4.000 Zuschauern in Runde zwei einen Kopfstoß einstecken musste. „Ich hatte Angst, dass die Verletzung aufplatzt, aber unser Cutman hat ganze Arbeit geleistet“, pustete Berg tief durch.
Bei „The Beauty Beast“ schien der Kopfstoß den Turbo gezündet zu haben. Sie deckte die Italienerin ab jetzt Runde für Runde mit schnellen Kombinationen ein und ging immer nur in eine Richtung – nach vorne. Immer wieder hatte der Shooting-Star Tabusso mit harten, wuchtigen Schlägen am Rande des K.o.s, aber jedes Mal rettete die konditionell starke Gegnerin sich durch Halten und Klammern aus den für sie kritischen Situationen. Eine Ermahnung durch den Ringrichter hätte den Kampf sicherlich schneller beendet, sie bleib aber aus.
Weder die kleinen Tricks der Gegnerin noch die zehn Runden konnten Raoui von ihrem „Traum“ abhalten, schließlich überstand sie zuletzt im Sparring sogar 20 Runden.
Und so konnte sie die Verkündung ihres Sieges strahlend und erstaunlich munter erleben. „Zwischendurch dachte ich, dass ich den Kampf vorzeitig beenden könnte, aber Maria hat wirklich große Kondition bewiesen. Ich bin mit meiner Leistung absolut zufrieden“, kommentierte eine überglückliche Weltmeisterin.
Nach der Dopingkontrolle gab die immer noch auf Wolke sieben schwebende Sportlerin ein Interview nach dem anderen und schrieb gut eine Stunde lang Autogramme. Leid tat der frisch gebackenen Boxweltmeisterin, dass sie sich aufgrund der offiziellen Termine nicht ausreichend um ihre Fans kümmern konnte. „Die Stimmung in der Halle war fantastisch, es waren viele Herner angereist und ich fühlte mich wie zuhause“, erklärte Raoui.
Deshalb gibt es für ihre Fans noch einmal die Gelegenheit, das Erreichte zu feiern. Am kommenden Samstag, 12. April, steigt ab 19 Uhr in der Herner „Fighters World“ (Am Revierpark 22) eine große Party.
Danach richtet sich die Konzentration im Raoui-Lager aber schon auf die kommende Aufgabe. Bis Mitte Juni muss die 23-Jährige ihren Titel gegen Eileen Olszweski (USA) verteidigen. Schon zwei Mal hat Olszewski das Duell platzen lassen, beim nächsten Mal würde der Titel kampflos an Raoui gehen. Doch nach dem umstrittenen Remis im Dezember, will Raoui nur eins: „Ich möchte im Ring zeigen, dass ich die verdiente Weltmeisterin bin. Ich bin absolut motiviert und warte auf sie!“
