Kein Wunder, denn wer dreimal beim Herbstmeister trifft, dem gehört das uneingeschränkte Interesse der Medien.
Erst recht, wenn Stanislav Sestak zuvor in der kompletten Rückrunde noch nicht ein Treffer gelang und er zum Schluss sogar auf der Auswechselbank Platz nehmen musste. Doch am Samstag war für traurige Gedanken kein Platz mehr: „Ich bin froh, dass der Knoten endlich geplatzt ist.“ Mit seinem Dreierpack katapultierte er sich nun mit jetzt sieben Treffern vor Christoph Dabrowski auf Rang eins in der internen Torschützenliste. Sestak: „Die Situation ist wie vor einem Jahr. Da kam ich auch nach zwei Spielen von der Bank und habe gleich zwei Treffer gemacht. Aber vielleicht lag es auch daran, dass ich nicht rechts, sondern wieder in der Mitte gespielt habe.“
Mit seinen drei Treffern avanciert Sestak zum Hoffenheim-Experten, denn im Januar 2008 und im Januar 2009 hat er in Spanien in zwei Testspielen auch je einmal getroffen.

Stanislav Sestak legte einen alles überragenden Auftritt hin (Foto: firo).
Aber vielleicht hat die Rückkehr in die Erfolgsspur auch ganz andere Gründe. Da ist zum Einen die Story um einen besonderen Glücksstein. So einen hatten „Funny“ Heinemann und Dabrowski vor dem Rückrundenstart von einem Fan geschenkt bekommen. Weil Sestak in der Rückrunde einfach nicht treffen wollte, bekam der Co-Trainer vor der Partie in Mönchengladbach einen dritten Stein mit der Bitte, ihn an „Stani“ weiter zu geben. Sestak: „Zweimal konnte er mir nicht helfen, weil ich nicht gespielt habe. Dafür hat es nun umso besser geklappt.“ Vielleicht war die Ursache auch ein Traum, den Marcel Maltritz in der Nacht vor dem Spiel hatte. Sestak: „Er hat mir erzählt, das wir da 1:0 gewonnen haben und ich den entscheidenden Treffer erzielt habe.“
Wie auch immer, all diese schönen Geschichten über Sestaks Dreierpack wären nie geschrieben worden, wären die Verantwortlichen des VfL in der Winterpause bei einem „unmoralischen“ Angebot schwach geworden. Nach der Ibisevic-Verletzung wollte Hoffenheim sich die Verpflichtung von Sestak ein paar Millionen kosten lassen. Thomas Ernst: „Wir haben sofort dankend abgelehnt. Wir wussten auch, warum.“ Jetzt hofft Sestak, „dass es bei der Mannschaft und mir so weiter läuft und wir den Klassenerhalt schaffen.
Heute wird der Stürmer mit seiner Familie in Bochum die sonnigen Ostertage in aller Ruhe erleben. Dann wird sein Blick kaum noch zurück gehen zu der Szene in der 61. Minute, als ihn Hoffenheims Torhüter Daniel Haas mit einem Brutalo-Check 15 Meter vor dem Strafraum von den Beinen holte. Sestak rückblickend: „Ich hatte schon ein wenig Angst, denn ich kam im höchsten Tempo angelaufen. Er hat mich voll am Fuß getroffen.“ Dann fügte er erleichtert hinzu: „Es war der erste Salto meiner Karriere.“
Und dann gingen seine Gedanken schon ein wenig weiter, denn schließlich heißt der nächste Gegner Borussia Dortmund. Sestak: „Ich weiß, wie wichtig so ein Derbysieg für ganz Fußball-Bochum wäre. Ein Dreier wäre ein entscheidender Schritt in Richtung Klassenerhalt.“ Wie das möglich ist, weiß der Slowake auch: „Wir müssen genau so leidenschaftlich kämpfen wie gegen Hoffenheim. Dann ist alles drin.“
Der Dreierpack sorgte auch bei Sportvorstand Ernst für Erleichterung: „Stani hat auch bei seiner Nichtberücksichtigung kein Theater gemacht. Er ist ein echter Teamplayer. Deshalb freut sich auch die Mannschaft mit ihm, dass bei ihm der Knoten endlich geplatzt ist.“

