Denn der VfL Wolfsburg kann am 23. Mai erstmals Deutscher Meister werden. Besser als ewig Bayern München sagen einige, doch den Plastikklub aus der Autostadt kann sich auch keiner so richtig als Nachfolger des Abotitelträgers aus dem Süden vorstellen.
Der VfL Wolfsburg steht schließlich für all das, was Puristen im Fußball eben nicht sehen wollen. Keine Tradition, eine mit Multi-Millionen des Volkswagen-Konzerns aufgepäppelte Mannschaft und Fans, die hartgesottene Allesfahrer in der Bundesliga bestenfalls als Kindergarten bezeichnen.
Doch die schöne Welt des Fußballs hat sich eben rasant verändert. Noch zur Winterpause führte der Aufsteiger 1899 Hoffenheim die Tabelle an. Der von Milliardär Dietmar Hopp gesponserte Dorfklub hatte die versammelte Konkurrenz ein halbes Jahr lang düpiert und schon machte die Schreckensvision von der Schale in der Sinsheimer Provinz die Runde.
Nun ist Wolfsburg das Horrorszenario, das sich auf die vermeintlich wahren Werten des deutschen Volkssports Nummer eins legt. Doch wer sagt denn, dass die ersten Plätze in der Bundesliga den immer gleichen Traditionsvereinen quasi per Dekret gehören. Schalke 04 war zwei Mal ganz dicht davor, den Traum von der Schale endlich wahr werden zu lassen. Nun müssen sich die Königsblauen wohl für einige Zeit mit weniger bescheiden, selbst die fetten Jahre in der Champions League dürften vorerst vorbei sein. Borussia Dortmund hat diesen entbehrungsreichen Prozess schon hinter sich und ist auf dem besten Wege, sich wieder langsam an die internationalen Startplätze anzunähern.
Doch in der Zwischenzeit wurden die beiden Reviergiganten rechts und links von der neu aufstrebenden Konkurrenz überholt. Es bringt weder für Schalke noch für Dortmund etwas, neidisch auf Hoffenheim oder Wolfsburg zu schauen. Und wer bei S04 oder dem BVB ungleiche Voraussetzungen im Wettbewerb mit den beiden Neuankömmlingen in der Ligaspitze beklagen möchte: Auf Schalke und am Borsigplatz ist die Treue zum eigenen Verein fast unerschütterlich. 60.000 beziehungsweise 80.000 Menschen pilgern zu jedem Heimspiel unbeirrt ins eigene Stadion. Das überragende Fanpotenzial ist nach wie vor das höchste Gut, das die beiden Klubs für sich reklamieren können.
Hoffentlich wissen das die Verantwortlichen auch.


















