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Eckart Maas: Mit 75 Jahren Leistungszenit erreicht
"Es ist nie zu spät"

Mit 35 Jahren ist der Leistungszenit bereits überschritten und die zuvor so erfolgreiche Sportlerkarriere neigt sich dem Ende zu? Von wegen! Im hohen Alter geht es erst richtig los und mit 75 wird der Höhepunkt erreicht. Der mittlerweile 80-jährige Eckart Maas ist der lebende Beweis dafür. Sein Rat an den Nachwuchs ist daher: „Im jungen Alter nicht übertreiben, denn man kann auch im hohen Alter noch viel erreichen.“ Frei nach dem Motto: „Es ist nie zu spät.“

Vom Herzen war er schon immer Leichtathlet. Nach dem Krieg gab es aber nur die Möglichkeit Fußball zu spielen und so schloss er sich zunächst den Sportfreunden Buer an, sattelte schließlich aber doch wieder um. Der Auslöser für den unglaublichen Bewegungsdrang war allerdings eine alles andere als erfreuliche Nachricht. „Mit 50 bekam ich einen Rheumaschub und die Ärzte prophezeiten mir, dass mein rechtes Bein verkrüppeln würde“, erinnert sich Maas.

Aus Angst, dass diese Vorhersage eintreffen könnte, begann der Bueraner – darauf legt er Wert – in der Kur mit dem Joggen: „Ich hatte meiner Frau eine Ferienwohnung ausgesucht, die weiter weg lag und da bin ich dann vom Kurheim aus abends immer hin gelaufen und morgens wieder zurück.“ Und siehe da, mit 69 Jahren hatte er auch keine Ischias-Beschwerden mehr.
Die Rehabilitation hatte er somit selbst eingeleitet. Dieses neue Lebensgefühl spornte ihn weiter an. „Ich bin dann in die Vollen gegangen“, sagt der nach wie vor rüstige Leichtathlet.

Der Startschuss für seine Karriere als Leistungssportler war gelegt. Im ersten Jahr gewann er auf Anhieb zwei Bronze-Medaillen bei der Deutschen Meisterschaft und unter diesen Umständen konnte er nicht abtreten. „Wenn ich etwas gemacht habe, dann habe ich es gut gemacht“, bemerkt der passionierte Läufer. In der Altersklasse M75 stellte er 2003 insgesamt acht Rekorde auf, vier davon bestehen auch heute noch, darunter drei Deutsche- und ein Europarekord. Bei Welt- und Europameisterschaften holte er elf Medaillen, bei Deutschen Meisterschaften kommt er sogar auf 26.

Es ist aber nicht unbedingt der Ehrgeiz, der ihn zur Höchstleistung treibt. „Es wäre unehrlich zu behaupten, dass ich nicht gewinnen will. Natürlich versuche ich an den Besten dran zu kommen, wenn es aber nicht klappt, dann freue ich mich genauso mit dem Sieger und gratuliere ihm auch“, betont der gelernte Maschinenbauschlosser.

Eckart Maas in Startposition (RS-Foto: Kraczyk)

Oft genug stand er ganz oben auf dem Treppchen und durfte die Nationalhymne mitsummen, von daher ist er auch nicht neidisch, wenn er anderen den Vortritt lassen muss.

Es ist insbesondere das kollegiale Verhältnis zu den Konkurrenten, das ihn fasziniert. Maas’ Augen beginnen zu glänzen, als er von der besonderen Wettkampfatmosphäre erzählt: „Man läuft an der Tribüne vorbei und alle stehen auf, feuern einen an. Das sind alles Menschen, die etwas von Sport verstehen und auch die Leistung von 80- oder 90-Jährigen anerkennen.“ Unter den Zuschauern ist auch immer seine Ehefrau Brigitte, sein größter Fan. Es kommt vor, dass er bereits auf der Gegengerade hört, wie sie seinen Namen schreit. Kennengelernt hat er sie im Übrigen ebenso beim Sport, im Turnverein. „Sie hat meine Beine immer so bewundert“, erklärt Maas schnmunzelnd.

Dankbar ist der Ausnahmesportler für das zweite Leben, das ihm
geschenkt wurde, denn Schicksalsschläge musste er einige verkraften. Die asiatische Grippe, von der er sich erst nach zwei Jahren vollständig erholt hatte, und die Nierenoperation füllen lediglich Randspalten. Das schlimmste Erlebnis war vielmehr ein Schäferhund-Angriff vor 20 Jahren. Noch heute wird er von Alpträumen geplagt. „Ich lag am Boden, der Hund über mir und hat mich völlig zerrissen, unter anderem mein Gesicht, meine Hand und meine Hüfte. Ich lag eine halbe Stunde im Straßengraben bis der Unfallwagen kam“, erinnert sich Maas mit Schaudern an die Horroraktion. Und als ob das noch nicht genug wäre, erlebte er 2005, auf dem Höhepunkt seiner Karriere, ein Déjà-vu. In der Türkei wurde er beim Training im Wald von Anatolischen Hirtenhunden angegriffen. „Ich hatte unglaubliches Glück. Wenige Sekunden hätten gereicht, um mich zu töten“, gesteht der 80-Jährige.

Die zahlreichen Rückschläge haben Maas aber nicht aus der Bahn
geworfen, im Gegenteil: „Durch all die Unfälle habe ich erfahren, dass es sich lohnt weiter zu machen. Immer wenn ich dachte es geht nicht mehr, ging es doch noch.“ Bei der Hallen-Europameisterschaft im italienischen Ancona hat er vor wenigen
Wochen sein internationales Comeback gefeiert. Wegen einer
Lungenoperation musste er zuvor drei Jahre pausieren. Die Auszeit war ihm aber nicht anzumerken. Im Rückgepäck aus Italien befanden sich gleich vier Medaillen. Für eine erfolgreiche Sportlerkarriere ist es eben nie zu spät.

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