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Sechs neue Dopingfälle bei Peking-Nachkontrollen
Tests sollen acht Jahre lang aufgehoben werden

Acht Monate nach der Schlussfeier werden die Olympischen Sommerspiele in Peking offenbar von weiteren Dopingskandalen überschattet. Sechs Sportler sind in sieben Proben bei den Nachkontrollen positiv auf das EPO-Präparat CERA getestet worden. Namen nannte das Internationale Olympische Komitee (IOC) nicht, die Fälle wurden an die nationalen Olympischen Komitees weitergeleitet.

847 Peking-Proben hatte das IOC in den Labors von Chatenay-Malabry und Lausanne nachträglich auf CERA, 101 im Institut in Köln auf Insulin getestet. Dabei erwies sich das bei der Tour de France erstmals angewendete Testverfahren auf CERA erneut als Volltreffer. Ein Sportler ist gleich zweimal positiv getestet worden, da es insgesamt sieben auffällige Proben gab. Die Athleten haben nun die Möglichkeit, die Öffnung der B-Probe zu beantragen. Das Nationale Olympische Komitee von Italien (CONI) teilte bereits mit, dass ein italienischer Sportler betroffen sei.

"Die weiteren Analysen der Proben von Peking sind eine klare Botschaft an die Betrüger, dass sie sich nicht sicher sein können", sagte Arne Ljungqvist, Leiter der Medizinischen Kommission des IOC: "Trotzdem hat die große Mehrheit der Athleten nicht einen unfairen Vorteil erlangt."

Zu den Nachtests herangezogen wurden tiefgefrorene Dopingproben von Olympia-Teilnehmern in den Sportarten Rad, Rudern, Schwimmen und Leichtathletik. Bislang wurden bei den Sommerspielen 16 Dopingfälle - sechs bei Pferden, zehn bei Athleten - gezählt.

Das IOC hatte die Nachuntersuchungen angeordnet, nachdem die französische Antidoping-Agentur (AFLD) ein neues Testverfahren für den Nachweis des EPO-Präparats CERA entwickelt hatte. Dadurch waren auch nachträglich die beiden Gerolsteiner-Profis Stefan Schumacher (Nürtingen) und Bernhard Kohl (Österreich) sowie der Italiener Leonardo Piepoli bei der Tour de France positiv getestet worden. Kohl und Piepoli haben ihre Schuld bereits eingestanden und sind für zwei Jahre gesperrt worden. Schumacher kämpft vor dem Internationalen Sportgerichtshof (CAS) gegen das Strafmaß noch an.

Das Präparat CERA (Continuous Erythropoiesis Receptor Activator) war im Ausdauerbereich im letzten Jahr offenbar der "Renner". Der Vorteil gegenüber anderen EPO-Mitteln war, dass die Halbwertzeit von CERA nach intravenöser Verabreichung 80 bis 120 Stunden und nach subkutaner (unter die Haut) etwa 150 Stunden beträgt. Damit konnte CERA in größeren zeitlichen Abständen verabreicht werden. Nachteil war aber auch, dass es länger nachzuweisen war.

Insgesamt hatte es während der Spiele in der Kontrollperiode vom 27. Juli bis 24. August 4770 Dopingtests gegeben, darunter 3801 Urin- und 969 Bluttests. Sie sollen acht Jahre lang aufgehoben werden.

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