Doch bei aller Euphorie, die um die wiedererstarkte Borussia in den letzten anderthalb Monaten entfacht wurde, wird gerne vergessen: Es gibt nicht nur schwarz-gelbe Konjunktur-Gewinner, sondern auch solche, deren Aktien trotz des BVB-Aufschwungs in den Keller sackten.
Florian Kringe ist einer von ihnen. Der 26-Jährige etablierte sich nach seiner Rückkehr aus Köln im Jahr 2004 auf nahezu allen Positionen, die ihm von seinen diversen Trainern zugeteilt wurden. Doch bei den Fans und in den Medien war es immer Kringes Name, der fiel, wenn Platz geschaffen werden sollte für eine Neuverpflichtung.
Erwischt hat es den Allrounder indes nie. Egal wer kam, am Ende war es Kringe, der sich sein Startrecht erkämpfte und seinen Stammplatz dauerhaft behauptete.
Diesmal ist der Fall freilich anders gelagert. Beim ersten Sieg der Serie, gegen Bremen, war der frühere U21-Nationalspieler noch dabei, dann wurde er von einer Verletzung ausgebremst und von Nuri Sahin aus dem Team verdrängt.
„Wir spielen sehr gut und ich freue mich für die Jungs und den Verein. Aber für mich ist die Situation natürlich schwierig“, bestätigt der vierfache Torschütze der laufenden Saison die Zwickmühle, in der er sich befindet.
Weil ihm das Attribut „Musterprofi“ nicht umsonst anheftet, bekräftigt Kringe jedoch im Hinblick auf die seit vier Spielen unveränderte Startaufstellung der Borussen: „Das ist nachvollziehbar. Es gibt im Moment einfach keinen Grund, die Mannschaft zu verändern.“

Ein Härtefall: Florian Kringe.
Neben dem Siegener teilen auch Mohamed Zidan, Tinga und Kevin-Prince Boateng das Schicksal des fünften Rads am Wagen. Noch muckt keiner der Bankdrücker auf. Auch weil sie regelmäßig von Klopp die Chance bekommen, als Einwechselspieler Druck auf die Etablierten auszuüben.
Kringe konnte dies zuletzt - in den Partien gegen Bochum und Hamburg - nicht, weil auf seiner linken Stammposition in der Mittelfeldraute Sahin seit mehreren Wochen in blendender Form auftritt. „Es freut mich für Nuri, dass er so gut spielt“, betont der Ur-Borusse in gewohnt zurückhaltender Manier: „Aber er ist nur ein Konkurrent von vielen. Es geht nicht darum, ob er spielt oder ich. Es gibt im Moment auch noch andere Härtefälle.“
Auch am Samstag dürfte Kringe daher wieder die Bank drücken und auf seine Chance hoffen. Denn: „Ich bin eigentlich sehr gut drauf im Moment. Ich gebe weiter Gas und warte auf den Moment, an dem ich gebraucht werde. Denn dann will ich voll da sein.“

