Der Aufstieg von Christian Nerlinger ist beim deutschen Fußball-Meister dagegen fast geräuschlos vonstattengegangen. Dabei wird der 36 Jahre alte Ex-Profi beim FC Bayern bald einen der wichtigsten Posten inne haben. Nerlinger soll einen Teil der Aufgaben von Manager Uli Hoeneß übernehmen und ab 1. Januar 2010 für den sportlichen Bereich verantwortlich sein. Bezeichnend ist, dass der Teammanager schon jetzt in alle wichtigen Entscheidungen des Vorstands-Triumvirats mit Karl-Heinz Rummenigge, Hoeneß und Karl Hopfner sowie des Präsidiums mit Franz Beckenbauer eingebunden wird.
Bei der Entlassung von Jürgen Klinsmann nahm Nerlinger genauso an den Sitzungen teil wie momentan bei der Suche nach einem neuen Trainer oder neuen Spielern. Dass Nerlinger bald der "kleine Hoeneß" (Münchner AZ) wird, wollte der große Hoeneß zwar noch nicht "als Fakt bestätigen. Aber dass er als einziger Nicht-Vorständler beim letzten Treffen mit Jürgen Klinsmann dabei war, hat ja eine Bedeutung."

Foto: firo.
Nerlinger sei ein Kandidat, "dem wir das zutrauen", sagte zudem Vorstandschef Rummenigge. Noch fehlt die offizielle Bestätigung des Aufsichtsrates, aber die scheint nur Formsache zu sein. Beckenbauer, bis Ende des Jahres noch Präsident und Aufsichtsratsvorsitzender, hatte die Lösung mit Nerlinger zuletzt schon gelobt und als "naheliegend" bezeichnet. Gesucht wird bei den Bayern nun noch ein Finanzfachmann, der als Manager den wirtschaftlichen Sektor abdeckt. Am Wochenende wurde bereits der Name Stefan Grühsam genannt, derzeit noch Aufsichtsratsmitglied beim VfL Wolfsburg.
Am 31. Dezember 2009 will Hoeneß nach 30 Jahren im Amt seinen Posten als Manager abgeben. Der 57-Jährige wird dann Beckenbauer als Präsident und Aufsichtsratschef beerben - und Nerlinger wird aufrücken. Der frühere Profi, der 156 Bundesliga-Spiele für die Bayern absolvierte, war zu Saisonbeginn auf Empfehlung von Ex-Trainer Jürgen Klinsmann als Teammanager zum Rekordmeister gekommen. Nerlinger sollte das Bindeglied zwischen Mannschaft, Trainer und Vorstand sein, er sollte sich um organisatorische Dinge kümmern sowie im Merchandising und im Marketing-Bereich tätig sein.
Der 36-Jährige füllte diese Rolle offensichtlich so gut aus, dass ihn die Bayern-Bosse nun reif für höhere Aufgaben wähnen. Schon im Sommer meinte Hoeneß, "dass Christian perfekt ins Gesamtkonzept passt". Nerlinger, der an der privaten Munich Business School ein BWL-Studium abschloss, gilt als intelligent, aufgeschlossen und loyal. Er steht für Bodenständigkeit, aber gleichzeitig auch für Erneuerung.
Seine Rückkehr nach München nach Profistationen in Dortmund, bei den Glasgow Rangers und in Kaiserslautern, wo er 2005 nach diversen Verletzungen seine Karriere beendete, bezeichnete er als "gewaltige Geschichte" und als "Glücksfall". Über seine neue Aufgabe will Nerlinger (noch) nicht reden. Sein Credo hatte er aber im Sommer bereits kundgetan: "Ich will für den FC Bayern mein Bestes geben." Dies wird auch nötig sein, um das schwere Erbe des großen Hoeneß schultern zu können.


















