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Auf den Spuren von „Stan“ Libuda und Olaf Thon
Entscheidend is‘ auf’m (Bolz-)Platz!

Vor allem in die Jahre gekommene „Straßenfußballer“ erinnern sich gerne: Damals war man mit einem blau-weißen Trikot der King. Als „Schalker“ auf dem Bolzplatz neben dem Schulhof! Erst recht, wenn Mutter auch noch eine blütenweiße „9“ auf den blauen Rücken (der Blau-Ton wurde natürlich überzeugend als „Königsblau“ defi niert) genäht hatte. In Duisburg trifft man sich auf der „Schweinewiese.“

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Libuda – Fischer – Libuda – wieder Fischer – Tor! Wie der legendäre „Kreisel“ liefen die selbst kreierten Spielzüge. Gegen die hatten die „Müllers“ und „Beckenbauers“ oder die „Netzers“ und „Simonsens“ auf der anderen Seite schon mal gar keine Schnitte. Heute, im Champions-League-Zeitalter, ist hier alles ein bisschen durchgestylter: Der Stoff, aus dem die jungen Fußballer-Träume sind, ist international: Schwarz-Rot für Manchester United; Rot-Schwarz für den AC Milan; Rot-Blau für den FC Barcelona oder das unverwechselbare Blau-Gelb der brasilianischen „Selecao“. Trotzdem gilt noch immer: Entscheidend is‘ auf’m Platz – und zwar auf’m Bolz-Platz.

So wie in Walsum, dem Stadtteil im Duisburger Norden. „Schweinewiese“ hieß das imaginäre Stadion zwischen der Hauptschule und dem Supermarkt früher. Auf der Wiese markierten verschwitzte Trainingsjacken oder umfunktionierte Sporttaschen die Tore. Gleich daneben lag der „rote Rasen“: ein kleiner Aschenplatz. Mit leuchtend gelben Eisentoren an beiden Enden. Vielleicht 40 oder 50 Meter auseinander. Das reicht. Für einen Alleingang über den rechten Flügel – so wie von „Stan“ Libuda – allemal. Jahrzehnte später stehen Bänke, Mülleimer und Sträucher auf der „Schweinewiese“. Zwischen den (wer weiß zum wievielten Mal in den letzten Jahrzehnten überstrichenen) leuchtend gelben Eisentoren nebenan geht es aber immer noch so richtig zur Sache: Julian, Emre und Athanasios gegen Fabian, Lukasz und Khaled – auch die Jungs, die hier in den Trikots aus Manchester, Milan und Barcelona auf Torejagd gehen, spiegeln „WM-Atmosphäre“ wider: alles absolut international. „Besser als zu Hause vor Glotze oder Computer sitzen“, ist Athanasios im „Barca“-Dress der Erste, der in der kurzen „Halbzeitpause“ sagt, worum es geht: „Wir kicken immer hier. Ein paar sind auch im Verein, manche nicht.“ Echte Straßenfußballer
eben.

So werden Legenden groß. Die Schalker „Stan“ Libuda und Olaf Thon damals – heute vielleicht noch der „Comeback“-Kölner Lukas „Poldi“ Podolski. Ganz zu schweigen von einem Maradona,
Ronaldo oder Ronaldinho. Apropos Ronaldo: Den Namen trägt Julian sichtlich stolz auf dem Rücken. Im Trikot von Manchester United. Also der Portugiese, nicht der Brasilianer? „Is‘ doch egal, wo einer herkommt. Wenn der cool kickt…!“

Der Bolzplatz "Schweinewiese". (Foto: Rüdiger Zinsel)

Und schon ist die Halbzeitpause auf dem Walsumer Bolzplatz zu Ende. Wird gleich dunkel. Und Flutlicht gibt’s hier natürlich nicht. Statt „Fischer – Libuda – wieder Fischer…“ zeigen die 12-, 13- und 14-jährigen Jungs, wie international es nun auf der staubigen Asche mitten im Revier zugeht: „Ronaldo – Eto’o – Asamoah – Tor!“ Asamoah? Genau: Alex kam mal wieder zu
spät, aber nach der Pause als Stürmer rein. Und mindestens
in dem Moment, als Alex „Asamoah“ den Ball aus vollem Lauf in den leuchtend gelben Eisenwinkel hämmert, ist er in seinem blau-weißen Trikot der King. Irgendwie ist also doch alles noch so wie früher. Sogar vor einem sportwissenschaftlichen Hintergrund kann man sich dem Phänomen „der Straßenfußballer
und sein Bolzplatz“ nähern: „,Straßenfußballer‘ werden die Talente genannt, die von den Lebens- und Bewegungsräumen des Alltags – zum Beispiel den Bolzplätzen – geprägt sind. Spaß am Sport und die Förderung individueller Begabung sind eng miteinander verknüpft“, heißt es da. Und: „Eine wichtige Voraussetzung für die nachhaltige Motivation des Nachwuchses ist, dass diese Wurzeln des Fußballspiels gefördert werden, so dass Kinder und Jugendliche vor allem den nötigen Spaß an ihrem Lieblingssport haben.“

Das braucht man Julian, Emre, Athanasios und den anderen kickenden Jungs auf dem Bolzplatz im Duisburger Norden eigentlich gar nicht zu erklären. Da rollt der Ball auch an diesem Nachmittag solange, bis die Dunkelheit einbricht. Manchmal verspringt die „Pille“, weil die Asche eben kein akribisch verlegter Kunstrasen ist. Und manchmal muss Tormann Khaled den Ball auch aus dem Gebüsch hinter dem Tor fischen - Kunstoffbanden oder Tornetze, wie in kommerziellen Hallen, gibt es hier nicht. Die Wiese neben der Kirche oder der „rote Rasen“ hinter dem Supermarkt – die guten, alten Bolzplätze, auf denen nach der Schule und in den Ferien die „wahren Meisterschaften“ ausgespielt und die schönsten Tore nachgespielt werden, gehören noch immer zum kickenden Nachwuchs wie die Luft in den Ball.

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