Sebastian Kehl, Roman Weidenfeller und Patrick Owomoyela waren im Vorfeld als aussichtsreiche Kandidaten für die PR-Ochsentour ausgemacht worden. Alle drei hatten durch starke Leistungen in der Rückrunde Eigenwerbung betrieben und erschienen angesichts zahlreicher Ausfälle im Nationaldress als logische Nachrücker auf ihren Positionen.
Doch Pustekuchen! Auf der Liste des Bundestrainers standen die Namen Tobias Weis, Christian Träsch und Manuel Neuer - und nicht etwa Weidenfeller, Kehl und Owomoyela.
Speziell die Nominierung von Schalke-Keeper Neuer hinterlässt einen faden Beigeschmack, wurde doch im Vorfeld der Bekanntgabe von allen DFB-Verantwortlichen kommuniziert, im Hinblick auf die bevorstehende Europameisterschaft keine U21-Spieler zu nominieren. Doch Löw nahm diese Regelung offenbar nicht allzu ernst und versuchte sich hinterher aus der Schusslinie zu nehmen: „Wir kehren rechtzeitig zurück, so dass er sich optimal auf die EM vorbereiten kann.“

Hat Joachim Löw schon ewig nicht mehr in Dortmund gesehen: Jürgen Klopp (Foto: firo).
Auffällig ist zudem das deutliche Nord-Süd-Gefälle im Aufgebot der Nationalelf, dass BVB-Coach Jürgen Klopp im Anschluss an die Bekanntgabe zu einem süffisanten Kommentar veranlasste: „Wenn wir in Dortmund weiter solche Leistungen abrufen, wird es Joachim Löw sicher wieder häufiger in den Signal Iduna Park verschlagen. Er war schon ewig nicht mehr hier, und nur vom Hörensagen Spieler zu nominieren, ist natürlich schwierig.“
An der strikten Dortmunder Ticketvergabe kann die dauerhafte Abwesenheit des Bundestrainers jedenfalls nicht liegen, wie BVB-Sportdirektor Michael Zorc mit bissigem Unterton bestätigte: „Für ihn liegt immer eine Eintrittskarte bereit.“
Besonders groß dürfte die Enttäuschung bei BVB-Keeper Weidenfeller gewesen sein, nachdem ihn Bundestorwarttrainer Andreas Köpke vor einigen Wochen ins Gespräch gebracht hatte, nur, um dann doch auf ihn zu verzichten.
Etwas anders sieht die Situation bei Kehl aus, der vorab kommunizierte, sich nur dann über eine Einladung zu freuen, wenn man auch ernsthaft mit ihm planen würde. Dies scheint offenbar nicht der Fall zu sein, anders lässt sich die Nicht-Berücksichtigung wohl kaum erklären. Der 29-Jährige trug die Entscheidung des Bundestrainers mit Fassung: „Ich hatte in den letzten Tagen nichts gehört, von daher war für mich klar, dass sich das erledigt hat.“
Ähnlich fiel die Reaktion von Owomoyela, dem dritten BVB-Kandidaten, aus: „Natürlich habe ich mich damit beschäftigt, dass es sein könnte, weil es für mich gut läuft. Aber ich bin nicht davon ausgegangen, dementsprechend bin ich jetzt auch nicht enttäuscht darüber, dass ich nicht dabei bin.“
Der Bundestrainer begründete seine Nominierung mit der sportlichen Perspektive. Doch die Stimmen mehren sich, dass die Leistung nicht mehr das oberste Kriterium für einen Platz im Nationalteam darstellt. Es ist ein schmaler Grad, auf dem Löw da wandert.

