Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble, der Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) Thomas Bach und Moderatorin Katrin Müller-Hohenstein – sie alle waren Anfang des Jahres zur Eröffnung der Ausstellung nach Paderborn gekommen. Das ZDF verlegte dafür sogar eine Ausgabe des „aktuellen sportstudios“ nach Ostwestfalen und berichtete live aus dem Museumsforum. Große Aufmerksamkeit also für ein Projekt, das zeigen soll, wie Sport und modernste Elektronik sinnvoll verbunden werden können.
Von außen versprüht das Heinz-Nixdorf-Forum selbst bei bestem Sonnenschein nur den Charme eines Büro-Hochhauses. Ganz offensichtlich wird mehr Wert auf Funktionalität, denn auf Attraktivität gelegt. Die Außenfassade erinnert entfernt an den Palast der Republik in Berlin – und „Erichs Lampenladen“ wurde ja nicht umsonst abgerissen.
Wer deshalb denkt, dass die Ausstellung bei all dem Rummel das Prunkstück des Museums ist, der erhält drinnen eine klare Ansage: Nur das oberste von vier Stockwerken ist „Computer.Sport“ gewidmet. Die Besucherzahlen an diesem Tag sind auch kein Vergleich zu dem, was bei der Eröffnung geboten wurde. Noch bis zum 5. Juli ist das Programm in Paderborn zu sehen, danach soll es auf internationale Wanderschaft gehen.
Auf einer Etage bekommt der Besucher jedoch eine Menge geboten. Schon das erste Exponat sorgt bei Fußball-Fans für leuchtende Augen. Auf einer zirka fünf Meter breiten, gewölbten Leinwand läuft eine aus mehreren Kameras zusammengesetzte Spiel-Übertragung. Durch das Panorama erhält man das Gefühl als säße man tatsächlich im Oberrang des Stadions. Man kann den Blick frei bis in die Fanblöcke schweifen lassen, anstatt einer durch die Regie getroffene Vorauswahl zu folgen. Ob sich diese Art des Fernsehens allerdings durchsetzt, ist nicht nur aus Platzgründen fraglich.
Ein paar Schritte weiter wird der Museums-Gast selbst zur Medienprominenz. Vor einer grünen Wand steht ein Moderationspult des „aktuellen sportstudios“. Über einen Touchscreen lassen sich zunächst verschiedene Hintergründe auswählen, plötzlich sieht man sich dann auf dem Bildschirm als Reporter etwa am Spielfeldrand einer Fußball-Arena. Die meisten Besucher lassen sich da nicht lange bitten und zücken schnell die Handy-Kamera für ein Erinnerungsfoto.
Eine besonders schöne Spielerei für all diejenigen, die immer noch gerne an „Kloppos“ Analysen zur WM und EM zurückdenken, ist der Taktik-Tisch. Sie bietet die Möglichkeit, selbst einmal den Spielfluss anzuhalten und mit Strichen, Pfeilen und Kreisen den Fußball-Lehrer raushängen zu lassen. Das einzige, was noch fehlt, sind Johannes B. Kerner und Urs Meier.
Eine Tendenz der Exponate zum Fußball ist nicht zu übersehen, zum Beispiel werden ein Champions League- und ein WM-Finale gezeigt. Der Grund ist freilich nicht Zinedine Zidanes Bewegungsablauf beim unrühmlichen Kopfstoß, sondern die Veranschaulichung moderner Spielbeobachtung. Parallel zum TV-Bild kann man in Echtzeit Daten und Statistiken zu allen Spielern sowie Pass- und Laufwege verfolgen. Bisher war das den Scouts oder Hobby-Spielern von Spielen à la „Fußball Manager“ vorbehalten.
Darüber hinaus sorgen weitere Exponate aber auch dafür, dass das Motto „Technik, die bewegt“ durchaus seine Berechtigung erhält. Im Golf-Simulator und am Biathlon-(Laser-) Schießstand kann man seine Konzentrationsfähigkeit testen und auf einem fixierten Rennschlitten lässt sich etwas über Aerodynamik lernen. An einem Sprungblock aus dem Schwimmsport wird anschaulich gezeigt, warum die integrierten Sensoren zur Erkennung von Fehlstarts beitragen. Ganz nebenbei wird durch die Einbindung der Gäste ein weiterer Aspekt des Sports dargestellt: Die Freude am Wettkampf.
Neben diesen Attraktionen rücken Ausstellungsstücke wie der besonders leichte, aber trotzdem ungemein stabile Motorradhelm, hautenge Kleidung, die die Herzschlagfrequenz misst, und die Demonstration einer Beinprothese in den Hintergrund. Sportwissenschaftler kommen dabei dafür umso mehr auf ihre Kosten.
Durch das Äußere des Nixdorf-Forums sollten sich Interessierte nicht abschrecken lassen. Die Räumlichkeiten werden dem Unterhaltungswert und der „Tiefe“ der Ausstellung nicht gerecht. Vielleicht erhält sie bei der kommenden Welttournee ja eine angemessenere Präsentation.
