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BVB: Jürgen Klopp spricht im Interview über die neue "BVB-Akademie"
„Hier ist jeder ein brutaler Schwarz-Gelber“

Es lief die 91. Spielminute des allerletzten Spieltages, als es passierte.

Piotr Trochowski erzielte aus spitzem Winkel - und einer Abseitsposition - den 3:2-Siegtreffer seines HSV und verschaffte der tollen BVB-Saison ein trauriges, fast tragisches Ende. Denn dank des Treffers reichte es für die Dortmunder, die selbst nicht über ein 1:1-Remis in Mönchengladbach hinauskamen, nur zum undankbaren Platz sechs.

Ein Rang, für den Jürgen Klopp und seine Mannschaft vor der Saison noch gefeiert worden wären. So aber machte sich zunächst Enttäuschung breit, weil die Schwarz-Gelben die Krönung ihres grandiosen Schlussspurts auf dem letzten Meter und in der letzten Sekunde verpasst hatten. Im Interview zieht BVB-Coach Jürgen Klopp dennoch ein zufriedenes Fazit über seine Premierensaison und spricht außerdem über mögliche Neuzugänge, die Qualitäten von Kevin-Prince Boateng und die Jugendarbeit des BVB.

Jürgen Klopp, Sie sind ein sehr leidenschaftlicher Mensch. Konnte die Borussia in dieser Hinsicht Ihre Erwartungen im ersten Jahr Ihrer Arbeit erfüllen?

Was Menschen und Emotionen angeht, wurden meine Erwartungen an die erste Saison beim BVB weit übertroffen. Aus der Distanz habe ich gedacht, vielleicht ist der Fußball in Dortmund mehr Geschäft als anderswo. Aber hier ist jeder Mitarbeiter ein brutaler Schwarz-Gelber.

Wie sieht es mit dem sportlichen Bereich aus?

Sportlich sprechen viele Leute von einer überragenden Rückrunde. Dabei haben wir in einer angeblich durchschnittlichen Vorrunde nur einen einzigen Punkt weniger geholt.

Am Ende fehlten nur wenige Sekunden, um sich Platz fünf zu sichern. Der hätte nicht nur Ruhm, sondern auch Geld bedeutet. Wie wirkt sich das auf die Kaderplanungen für die neue Saison aus? Ist der Transfer von Robert Lewandowski vom Tisch?

Nach aktuellem Stand ist der Transfer aus finanziellen Gründen kein Thema. Dieser fantastische Verein Borussia Dortmund hat in 100 Jahren viel erreicht. Aber es waren auch ein paar Jahre dabei, in denen Geld ausgegeben wurde, das nicht vorhanden war. Die Auswirkungen sind bis heute als Investitionshemmer zu spüren. Das ist alles noch nicht abgeschlossen. Ich akzeptiere es voll und ganz. Ich bin kein Träumer!

Kämpfen Sie stattdessen für einen Verbleib von Kevin-Prince Boateng?

Der Begriff „kämpfen“ würde ja bedeuten, dass ich mich in dieser Frage gegen jemanden durchsetzen müsste.

Klopp warnt davor Geld auszugeben, das nicht vorhanden ist (Foto: firo).

Das ist nicht der Fall. Unsere finanziellen Mittel sind sehr begrenzt. Seit dem Sommer 2008 sind Dortmunds Probleme auch meine eigenen. Der Klub wird wirtschaftlich verantwortlich handeln. Dafür stehe auch ich.

Dennoch: Würden sie Ihn gerne behalten, obwohl er nicht einmal 450 Minuten auf dem Platz stand?

Wenn wir ihn nur aufgrund seiner Pflichtspiele beurteilen würden, dann müssten wir über ein neues Leihgeschäft mit Tottenham gar nicht reden. Aber Kevin hat eben viel häufiger trainiert als gespielt. Wir wüssten bei ihm, was wir fußballerisch bekommen würden.

Und das wäre?

Es gibt Spieler in seinem Alter, die aktuell stärker sind, weil sie ihre Anlagen besser nutzen. Aber es gibt keinen in Deutschland mit so großem Potenzial. Kevin braucht klare Abläufe. Er muss lernen, wann, was, wie, wo auf dem Rasen zu machen ist.

Aktuell umfasst der Kader für die kommende Spielzeit 26 Profis, obwohl man nur in der Liga und im DFB-Pokal spielt. Muss Personal abgebaut werden?

Wir planen ja nicht mit allen. Wenn man Rukavina, Brzenska und Federico (alle aktuell ausgeliehen, Anm. d. Red.) abzieht, steht da eine Truppe, die gespickt ist von jungen Talenten mit einer tollen Perspektive.

Spieler, die zuletzt nicht Ihre Beachtung fanden - etwa Tinga oder Florian Kringe - könnten den Wunsch verspüren, zu wechseln. Würden Sie diesem Wunsch nachgeben?

Wir müssen über jedes mögliche Angebot reden, das auf unseren Tisch käme, wir würden uns alles anhören und dann darüber nachdenken.

Das gilt für alle Spieler?

Sollte ein Verein denken: „Mensch, die Dortmunder haben so eine geile Rückrunde gespielt, da ist der eine oder andere Spieler interessant“, dann werden wir zuhören. Bei jedem Einzelnen. Tut sich nichts, haben wir einen Kader, dem wir voll vertrauen. Keine Minute wird das Budget als Alibi dienen!
Von unten wächst einiges nach. Manche, wie Daniel Ginczek oder Julian Koch, haben sich bei den Amateuren etabliert.

Andere, wie Hornschuh, Götze oder Stiepermann stechen aus der A-Jugend heraus. Was kann man von Ihnen im nächsten Jahr erwarten?

Wir werden ihnen keinen Rucksack aufbinden, den sie nicht tragen können. Für das Gros gilt: In schwächeren Phasen spielen sie in der A-Jugend, in stärkeren bei der zweiten Mannschaft, in guten oder sehr guten sitzen sie bei den Profis auf der Bank oder kommen mal rein. Die meisten gehen zur Schule. Wir werden sie je nach Zeitbudget zunehmend mit dem Fußball beschäftigen.

In welcher Form soll das geschehen?

Der BVB verfolgt eine neue Ausbildungsstrategie. Nennen wir sie BVB-Akademie. Unsere Jungs sollen nach Möglichkeit zweimal pro Tag mit Fußball beschäftigt werden. Und zwar mit allen Bereichen. Sie sollen unter anderem selbst Spiele sehen, Analysen erstellen und lernen, warum ein Puyol für Barcelona genauso wichtig ist wie ein Messi. Wenn Sie jede Woche nur eine Stunde am berühmten Kopfballpendel verbringen, wären das 52 Stunden im Jahr. Es müsste mit dem Teufel zugehen, wenn sie ihr Kopfballspiel dadurch nicht verbessern würden. Dazu kommt Techniktraining.

Wie hat sich dieses Konzept entwickelt?

Ich habe mit 33 Jahren erst angefangen, mich richtig intensiv mit dem Fußball und all seinen Facetten zu beschäftigen. Hätte ich als Aktiver gewusst, was ich heute weiß, wäre ich ein viel besserer Spieler geworden.

Kurz Notiert / Amateurfußballnews

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