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RWE: Strunz bezieht nach seiner "Wutrede" Stellung
"Es werden Geschichten erzählt, die erlogen sind"

Die Pressekonferenz nach dem Spiel von RWE gegen Oggersheim (3:0) am vorletzten Spieltag der Regionalliga West erinnerte stark an den 10. März 1998.

Damals gab es die Brandrede von Bayern Münchens Trainer Giovanni Trapattoni. Nach dem für die laufende Runde unbedeutenden Match vor 4368 Zuschauern im Georg Melches-Stadion explodierte Thomas Strunz.

Thomas Strunz, Ihre Pressekonferenz erninnerte an Giovanni Trapattoni, oder?

Ich habe nicht gesagt 'ich habe fertig'.

Sie gehen an die Öffentlichkeit und verlangen ein deutliches Bekenntnis zu Ihrer Person. Wieso?

Ich habe das Gefühl, dass aktuell einiges auseinanderläuft. Manche Dinge sind nicht mehr so fokussiert, wie das sein muss, um Erfolg zu haben.

Wie meinen Sie das?

Dass wir die Pokalhauptrunde nicht erreicht haben, ist bitter für uns, so haben wir das auch angesprochen. Es darf aber nicht passieren, dass wir uns auseinanderdividieren lassen, dass wir mit dem Finger auf andere zeigen.

Zeigt man auf Sie?

In der jetzigen Situation ist es entscheidend, dass wir die Kräfte bündeln oder aber sagen, das ist nicht mehr der Weg, den RWE geht. Ich habe dem Team gesagt, dass ich Vertrauen in jeden einzelnen Spieler habe, den wir haben und für die nächste Spielzeit behalten wollen.

Was nicht reicht, oder?

Damit einhergehend brauchen wir als Verein, als Spieler und jeder Verantwortliche ein klares Bekenntnis zum ausgegebenen Weg, den wir vor elfeinhalb Monaten begonnen haben. Vieles passiert hintenrum.

Was heißt das nun wieder?

Es gibt viele, die den Weg gut finden, es gibt auch viele, die sagen: Das kann alles nicht sein, dass wir gegen einen Sechstligisten aus dem Pokal ausscheiden und in der Meisterschaft irgendwo um Platz zehn stehen.

In der Tat eine sportliche Bilanz, die mehr als bitter ist, oder?

Das ist auch richtig. Aber ich habe keine Lust, mich weiterhin vor irgendwelche Karren sparren zu lassen. Jetzt haben wir auf der Zielgeraden die Chance, dem Verein eine Zukunft zu geben.

Was sehen Sie für eine Gefahr?

Ich habe das Gefühl, dass sich jetzt etwas tut, was ich für den Klub als sehr schädlich erachte. Der Vorstandsvorsitzende Stefan Meutsch hat etwas richtiges und wichtiges zu mir. Ich soll noch deutlicher formulieren, wie viele Dinge wir verändern müssen und was noch zu tun ist. Wir haben auf und außerhalb des Platzes Aufgaben zu lösen. Wir können es nicht hinnehmen, dass wir uns jetzt irgendwelche Dinge vorwerfen.

Das hört sich an wie ein Zerwürfnis im Klub.

Davor kann ich nur dringend warnen, sonst ist RWE wieder dort angekommen, vor man vor 14 Monaten war. Damals bin ich gekommen, RWE war schon abgeschlagen in der vierten Liga. Wir haben es geschafft, mit der Stadt und den Sponsoren die Saison überhaupt zu retten, Dinge anzuschieben, die die Zukunft des Klubs bedeuten.

Alles wartet darauf, dass die wirtschaftlichen Planungen des Vereins vom DFB abgenickt werden.

Am kommenden Freitag ist für uns ein wichtiger Tag, die Lizenz für die neue Saison soll erteilt werden, woran ich auch keinen Zweifel hege. Dadurch werden viele Dinge nachgezogen, sei es der städtische Beschluss zum Stadionbau, die Verträge mit Kölmel und so weiter.

Wenn das so kommt, bleiben noch vier Jahre, um Liga zwei zu realisieren.

Ich glaube, jeder hat es verdient, zu wissen, wie der neue Weg auszusehen hat. Den haben wir erarbeitet. Ich hoffe, wir haben auf der Aufsichtsratsitzung etwas zu feiern.

Sie sagen "wir" - lässt man Sie mitfeiern?

Ich stelle mich der sportlichen und jeglicher anderer Verantwortung, weil ich überzeugt bin, mit RWE etwas ganz Großes schaffen zu können. Das klappt nicht, wenn wir so weitermachen wie in den letzten Jahrzehnten. So ein komplexe Chance wird RWE vielleicht nie mehr bekommen.

Schießt man gegen Sie?

Ich habe den Eindruck, dass sich Dinge auch im Umfeld des Vereins verselbständigen. Dinge werden über mich erzählt, die ich nicht akzeptieren kann, deshalb erwarte ich das Bekenntnis.

Wer erzählt etwas über Sie?

Wer das ist, spielt keine Rolle, mir werden bestimmte Dinge zugetragen, es geht um Verunglimpfungen, um lancierte Dinge, die auch an Pressevertreter gehen.

Dadurch, dass Sie an die Öffentlichkeit gehen, setzen Sie das Gremium unter Druck. Man soll nicht bis zum 8. Juni warten, oder?

Davon gehe ich aus. Ich will nicht provozieren, ich will, dass wir zusammenstehen, wir haben zusammen viel geschaffen und auch den Kopf hingehalten. Es wurde viel Arbeit investiert, auch Sachen, die gar nicht in bestimmte Rollenbeschreibungen passen. Die Leute sollen wissen, wo RWE hin will und welche Personen dafür stehen. Ich will keine Spekulationen. Deshalb ist diese Forderung nicht zu viel verlangt.

Sie machen den Eindruck, als ob ein Fass übergelaufen ist. Stimmt das?

Es gibt bestimmte Grenzen, wenn diese überschritten werden, muss man reagieren. Wenn man mit meiner Gesamtarbeit nicht zufrieden war, muss man mir das sagen. Ich habe immer Offenheit eingefordert. Man fühlt sich verletzt und auch emotional berührt, wenn Geschichten erzählt werden, die erlogen sind. Diejenigen, die das verbreiten werden wissen, dass sie angesprochen sind. Das hat nichts mit kritischer Auseinandersetzung zu tun, das möchte ich nicht, deshalb meine Einforderung einer Stellungnahme.

Warum wollen Sie weiter die Verantwortung auf der Bank haben?

Das ist keine schwere Entscheidung, sondern ein natürlicher Prozess der letzten Wochen. Am ersten Tag traf ich auf eine völlig verunsicherte und teilweise deprimierte Mannschaft, die charakterlich angegriffen war. Es ist ja nur menschlich, dass das Team mit der Gesamtsituation von RWE zu kämpfen hat. Wir sind in die Saison gestartet, man hat für sich reklamiert, oben mitzuspielen. Es kam zu den Trainerwechseln, auf den Rängen ist einiges passiert, auch im Umfeld. In der kompletten Gesamtheit gibt RWE sicherlich nicht das beste Bild ab. Deshalb ist dieses Bekenntnis notwendig. Dann kriegen wir Ruhe. Ich muss das Gefühl haben, dass alle den Weg mitgehen.

Kurz Notiert / Amateurfußballnews

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