Erst der Aufstieg in die Regionalliga, dann der Sprung ins Bundesliga-Unterhaus und nun der Klassenerhalt in Liga zwei. Der Aufsichtsratsvorsitzende Hartmut Gieske fasste die Saison kurz und knapp, aber umso treffender zusammen: “Das war eine geile Saison.“ Die in vier Abschnitte geteilt werden kann. Alles begann mit einem völlig verpatzten Start. Zu Beginn dachte man, RWO könne in der neuen Klasse böse unter die Räder kommen. Aber der Sportliche Leiter Hans-Günter Bruns betonte: „Wir hatten mit den Problemen gerechnet und sind daher immer ruhig geblieben.“ Und als Trendwende wurde ausgerechnet das 0:4 gegen Fürth am 6. Spieltag ausgemacht. Coach Jürgen Luginger: „Das hört sich doof an, ist aber so. Wir waren absolut gleichwertig, auch wenn das Ergebnins etwas anderes sagte.“

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Auf jeden Fall kann man konstatieren, dass der Trainer Recht hatte, denn es folgte der mehrfache Beweis, dass RWO in der Liga angekommen ist. Die zweite Ergebniskrise konnte man dann bis in die Rückrunde hinauszögern. Vom 25. Spieltag bis zum 33. Spieltag gab es acht Mal keinen Dreier und auch die Leistungen gingen immer weiter in den Keller. Zu diesem Zeitpunkt gab es sogar die Befürchtungen, der Klassenerhalt könnte nochmal in Gefahr geraten. Zum Glück wurde genau da Phase vier eingeleitet: Der Schlussspurt mit den 90 Minuten gegen Freiburg und der goldene Treffer von Mike Terranova zur endgültigen Rettung. „Wir haben sensationelles geleistet“, freute sich Angreifer Julian Lüttmann.
Allerdings nicht nur auf dem Feld, denn auch abseits des Platzes wurde gut gearbeitet. Zum Beispiel beim Thema Finanzen. Auf der Jahreshauptversammlung konnte Finanzvorstand Werner Overkamp mit einer hervorragenden Bilanz aufwarten. Das Ergebnis: Bis zum 30. Juni 2009 wird ein operativer Gewinn von knapp 550.000 Euro erwartet. Zum 31. Dezember 2008 betrug der Kassenbestand 443.000 Euro, der Schuldenstand wurde mit 947.000 Euro angegeben. Zum Vergleich: Zwölf Monate vorher waren es noch 1,421 Millionen Euro. Das entspricht einer Kapitalverbesserung von 363.000 Euro. In der kommenden Saison kann der Etat nun von 7,745 Millionen Euro auf 7,836 Millionen Euro ansteigen.

Wenig im Vergleich zu den meisten Konkurrenten in der Liga, für RWO aber das Zeichen, dass es vorwärts geht. Zumindest in kleinen Schritten. Wenn es mehr werden soll, muss sich an der Infrastruktur einiges ändern. Auch da wurde in den letzten Monaten im stillen Kämmerlein getüftelt. Heraus kamen Pläne bezüglich eines Umbaus des Stadion Niederrheins und der Schaffung eines neuen Trainingszentrums.
Dieses soll aus fünf Trainingsplätzen bestehen (vier auf dem Gelände des Kleinstadions, zwei Rasen-, zwei Kunstrasenplätze). Eine weitere Übungsmöglichkeit soll hinter der Gegengeraden entstehen. Im Bereich des Kaisergartens ist ein neues Kleinstadion geplant, wo zukünftig die U23 und die A-Jugend ihre Partien austragen sollen.
Zum Stadion: Die beiden Tribünen hinter den Toren sollen neu gebaut werden. Auf der Nord- und Südtribüne sollen jeweils 2728 Sitz- und 3438 Stehplätze entstehen. Hinter der Haupttribüne soll ein dreigeschossiges Funktionsgebäude entstehen (3000 Quadratmeter). Geplante Gesamtkapazität nach dem kompletten Umbau: 17.332 Plätze. Geschätzte Kosten: Etwa 15 Millionen Euro.
Gieske betonte in den letzten Wochen: „Wir werden den Dampf im Kessel erhöhen. Jetzt wollen wir mal sehen, was in der Stadt geht und was nicht.“ Alle warten auf die Antworten, nachdem die Mannschaft im sportlichen Bereich die Vorlagen geleistet hat.

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Bruns legt sich fest: „Wir können diesen Klassenerhalt mit dem Aufstieg auf eine Stufe setzen.“ Schließlich standen in mehr als einer Partie sechs oder sieben Mann auf dem Platz, die vor zwei Jahren noch in der Oberliga für Aufsehen sorgten. Den Lohn sah man auch an der wachsenden Zuschauerresonanz. Im Schnitt kamen 6877 Zuschauer ins Stadion. Vorstandsmitglied Thorsten Binder: „Mit der Zahl bin ich zufrieden.“
Wie insgesamt alle Verantwortlichen an der Spielzeit nichts auszusetzen haben. Was aber nicht heißt, dass man sich auf dem Erreichten ausruhen will. Gieske erklärt: „Wir wollen und müssen uns trotzdem weiter konsolidieren, denn wir haben alles, nur kein Geld“.
Doch in der abgelaufenen Runde hat der Verein bewiesen, dass man dennoch mithalten kann. Was natürlich zu großen Teilen an der Arbeit von Luginger liegt, der aus dem Kader in wenigen Monaten eine Elf zimmerte, die die individuellen Nachteile mit großer Leidenschaft und taktischer Disziplin ausglich. Daher verwundert es nicht, dass es für Luginger und Bruns auf der Mitgliederversammlung den dicksten Applaus gab. Mit Blick auf das Saisonmotto (Malocherschicht, die II.) kann man eindeutig festhalten: Maloche lohnt!

