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RWO: Die Auf- und Absteiger der Saison
"Alles andere ist Träumerei"

Eine aufregende Spielzeit liegt hinter RWO. Zeit, um das ein oder andere Fazit zu ziehen.

Die Aufsteiger

Sören Pirson: Der Keeper verlor zu Beginn das Duell gegen Christoph Semmler. Nach dessen schwerwiegender Knieverletzung nutzte er die sich bietende Chance und avancierte zur klaren Nummer eins. Dabei hatte er nur eine wirklich schwache Partie. Das war beim 1:3 in Rostock, als ihm nichts gelingen wollte. Den Rest der Zeit strahlte er viel Ruhe aus, speziell in der Strafraumbeherrschung stand er permanent seinen Mann.

Dimitrios Pappas: In der Winterpause musste man befürchten, dass die Klasse eine Nummer zu hoch sei für den Griechen. Aber nach der freien Zeit sah man einen ganz anderen Pappas. Kaum noch Leichtsinnsfehler, dafür der bekannte unbändige Wille und eine Zweikampfstärke, die ihm in den ersten 17 Partien abging. Folge war der unumstrittene Stammplatz.

Kim Falkenberg: Auch wenn die Formkurve zuletzt steil nach unten zeigte: Der Neuzugang aus Leverkusen packte den sofortigen Sprung von der Oberliga in den Profibereich. Schnelligkeit, gute Flanken und Konstanz zeichneten den baldigen Fürther aus, der sich so in die Notizblöcke vieler guter Vereine spielte.

Markus Kaya:
Er ist schon deshalb ein Aufsteiger, weil auch in Liga zwei schnell klar wurde: Alles läuft über den Kopf der Mannschaft. Ist er gut drauf, geht was nach vorne. Ohne seine Ideen ist in der gegnerischen Hälfte meistens wenig los.

Christopher Nöthe: Er war lange verletzt und zeigte so erst nach der Winterpause, was er drauf hat. Der Lohn für seine Arbeit: Er verdrängte Julian Lüttmann und hatte mit seinen wichtigen Treffern einen dicken Anteil am Klassenerhalt.

Absteiger

Christoph Semmler: So bitter kann Fußball sein. Bis zu seinem Kreuzbandriss war er die Nummer eins und zeigte viele starke Leistungen. Dann kam die Blessur in Wehen und Semmler war die Nummer zwei, bis zum Ende der Spielzeit.

Ferhat Kiskanc: Er kam sicher mit anderen Vorstellungen nach Oberhausen. Aber der Linksfuß konnte sich nie in den Vordergrund spielen. Spätestens in der Rückrunde, eine Verletzung inklusive, kam er gar nicht mehr zum Zug.

Jens Robben: Ein komplett verlorenes Jahr für den Offensivmann. Er wurde früh aussortiert, dann gab es kein passendes Angebot im Winter. Nun versucht Robben in der neuen Spielzeit sein Glück bei einem anderen Klub.

Julian Lüttmann: Mit Blick auf die Rückserie muss man auch ihn nennen. Nach schwachen Partien musste er meist als erster Angreifer raus. Das Vertrauen galt anderen Kickern. Das führte zu wenigen Einsatzminuten nach dem Winter und der folgerichtigen Trennung nach der zweiten Spielzeit im Oberhausener Trikot.

Benjamin Schüßler:
Er kam zu RWO und war quasi Mr. Erfahrung, da die wenigsten „Kleeblätter“ schon Zweitligaluft geschnuppert hatten. Das konnte er auf dem Platz nicht ausleben, er kann sicher mehr, als er bisher gezeigt hat.

Problem

Anspruch und Wirklichkeit können sehr schnell auseinanderklaffen. Nach drei Jahren in ein und dieselbe Richtung darf niemand denken, es gehe automatisch so weiter. Daher ist es richtig, dass die Verantwortlichen gebetsmühlenartig betonen: „Es geht auch in der kommenden Spielzeit nur um den Klassenerhalt. Alles andere ist Träumerei.“

Foto: firo.

Schließlich ist der gemeine Fußballfan schnell auf dem Zaun und mokiert, was alles verkehrt läuft, wenn der Erfolg mal ein paar Wochen ausbleibt. Das kann in Oberhausen schnell passieren, denn alle Beteiligten sind sich klar darüber, dass es auch Rückschläge geben wird. Dann wird sich zeigen müssen, ob die Ruhe, die man zu Beginn der jetzigenSpielzeit an den Tag legte, auch von Dauer ist. Man kann davon ausgehen - aber sicher sein kann man sich erst dann, wenn man gemeinam längere Frustperioden überstanden hat.

Mit Blick auf den Sport wird es wieder auf das gute Auge der Verantwortlichen ankommen. Bisher haben Jürgen Luginger und Hans-Günter Bruns in diesem Bereich tolle Arbeit geleistet, man kann nur hoffen, dass das Gespür für die Talente weiter so einwandfrei funktioniert. Denn wo das Geld fehlt, darf man es sich kaum erlauben, mehr als bei einem oder zwei Kickern daneben zu liegen. Daher schaut man auch so genau hin und prüft, wer in den verschworenen Haufen passt. Um dann der Konkurrenz in einem Jahr trotz geringerer Mittel wieder die lange Nase zeigen zu können.

Zukunft

Sie kann rosig werden, wenn in den kommenden Wochen und Monaten die richtigen Weichen gestellt werden. Nach dem aktuellen Stand muss man mit jeder Menge Phantasie die Standortnachteile gegenüber der Konkurrenz ausgleichen. Niemand träumt von der ersten Liga, wenn man aber Projekte wie den Stadionumbau oder den Bau des Trainingszentrums realisiert, kann man sich die notwendige Basis aufbauen, um langfristig im Profibereich auf Augenhöhe Fuß zu fassen.

Doch dafür gilt es noch einige Hürden zu überspringen. Und vor allem noch mindestens eine Spielzeit mit den bestehenden Strukturen zu überstehen. Mit einer Truppe, die natürlich auch neu gestaltet wird. Immer mehr der Oberliga-Helden fallen bei der Kader-Gestaltung hinten rüber. RWO macht den Wandel zu einer „echten“ Profimannschaft durch.

Tim Reichert (Foto: firo).

Die Kunst wird sein, den seit Jahren vorherrschenden Teamspirit aufrecht zu erhalten. Und das, obwohl die echten Oberhausener Urgesteine immer weniger werden. Mit Tim Reichert und Musa Celik verabschieden sich die nächsten beiden nach dieser Saison. Es wird spannend zu sehen sein, ob auch bei der nächsten Abschlussfahrt noch zwölf Mann gemeinsam den Weg nach Mallorca finden.

Um den zweiten Klassenerhalt zu feiern und nicht, um sich aus Frust den Kopf volllaufen zu lassen. Alles ist möglich, denn RWO wird wieder als einer der Abstiegskandidaten in die Spielzeit gehen. Denn mit Düsseldorf, Berlin und Paderborn kommen starke Aufsteiger in die Klasse. Da wird es nicht einfach, drei Teams hinter sich zu lassen. Aber wenn RWO so geschlossen wie in diesem Jahr auftritt, ist das Happy End auch nach „Malocherschicht, die III.“ möglich.

Kurz Notiert / Amateurfußballnews

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