Zusammen haben sie 83 Bundesligaspiele auf dem Buckel und dabei elf Treffer erzielt. Und zusammen sind sie die größte und perspektivisch vielversprechendste Kapitalanlage von Borussia Dortmund: Felipe Santana, Neven Subotic und Mats Hummels.
Das Innenverteidiger-Trio, das vor der abgelaufenen Saison noch mit Skepsis und Spott („Kinderriegel“) betrachtet wurde, hat sich in den letzten zwölf Monaten nicht nur bei den schwarz-gelben Anhängern gehörigen Respekt erarbeitet. Eine Entwicklung, die überrascht, wenn man sich daran erinnert, wie es im Sommer, als Jürgen Klopp seine Zelte beim BVB aufschlug, begann.
Nach den Nationalspielern Jürgen Kohler, Christoph Metzelder, Christian Wörns und Robert Kovac, die in den Jahren zuvor die Zone vor dem BVB-Tor mal besser, mal schlechter sauber gehalten hatten, sollten jetzt also drei weitestgehend unbekannte Youngster die Kohlen aus dem Feuer holen. Entsprechend groß war das Wagnis, das die BVB-Verantwortlichen sehenden Auges angingen.
Mats Hummels war damals der einzige des Trios, der sich schon einen Namen in Deutschlands Eliteliga machen konnte. In der Winterpause 2007/08 hatten die Borussen den Abwehrspieler auf Leihbasis von Bayern München verpflichtet. In der anschließenden Rückrunde brachte es der damals 19-Jährige, der zuvor hauptsächlich in der Bayern-Amateurmannschaft auflief, auf stolze 13 Einsätze, elf davon von Anfang an. Mit diesen Werten hatte er seinen beiden Kollegen, die am 01. Juli 2008 ihren Dienst antraten, einiges voraus.

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Denn der aus Mainz für 4,5 Millionen Euro verpflichtete Neven Subotic hatte sein Debüt in der Bundesliga zwar bereits im Mai 2007 gefeiert. Weil die „05er“ anschließend abstiegen, kamen im Folgejahr aber „nur“ 33 Zweitligaeinsätze hinzu - dabei überzeugte der junge Serbe allerdings ausnahmslos und war deshalb für Mainz nicht mehr zu halten.
Hoffenheims Coach Ralf Rangnick war sich mit dem damals 19-Jährigen bereits einig, als Jürgen Klopp in seiner neuen Funktion als BVB-Trainer auf den Plan trat, und Subotic’ Nummer wählte. Der Rest ist bekannt: Der Innenverteidiger entschied sich um und landete – sehr zum Ärger der Kraichgauer – in Dortmund, wo er zum vielgefragten Shootingstar und Nationalspieler aufstieg. Sein Marktwert stieg binnen einen Jahres um das Dreifache und unterstrich die Weitsicht, mit der Klopp und Zorc im letzten Sommer handelten.
Ähnlich erging es Felipe Santana, den niemand auf dem Zettel hatte, bis BVB-Sportdirektor Michael Zorc seine Verpflichtung für 2,1 Millionen Euro bekannt gab. Zuvor hatte der lange Verteidiger seinen Heimatklub Figueirense FC als Kapitän zu zwei Regionalmeisterschaften in Brasilien geführt und dabei das Interesse des BVB geweckt. Als er jedoch im Juli auf dem Trainingsplatz in Dortmund auftauchte, waren die Zweifel an den Fähigkeiten des Rechtsfuß – und der Urteilsfähigkeit Zorcs - groß. Unbeholfen ging der Brasilianer mit dem Ball um, staksig und unbeweglich wirkte sein Körper bei den Lauf- und Koordinationsübungen – und auch in taktischer Hinsicht glich er einem Irrlicht, das nicht recht weiß, wo es hingehört.

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Doch Santana strafte seinen Kritikern lügen, erzielte in seinen ersten drei Liga-Einsätzen drei Tore und verbesserte sich mit jedem Spiel, das er im schwarz-gelben Dress absolvierte. Mittlerweile ist der Abwehrkünstler mit dem berühmten Namensvetter sogar zum Publikumsliebling aufgestiegen. Den Vergleich mit Bremens Abwehrchef Naldo, den viele aufgrund der optischen Ähnlichkeit der beiden Innenverteidiger anstrebten, muss Santana längst nicht mehr fürchten.
Denn gemeinsam mit Subotic und dem in der Rückrunde verletzt fehlende Hummels bildete der Brasilianer die zweitbeste Abwehr (nur 37 Gegentreffer) und die offensivstärkste Innenverteidigung der Liga (elf Treffer). Für Robert Kovac, den einzigen Routinier in der Defensivzentrale, blieb da kein Platz mehr. Der 34-Jährige zog im Winter die Reißleine und wechselte in die Heimat zu Dinamo Zagreb.

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Die Investitionen der Dortmunder, die sich für das junge Trio auf über zehn Millionen Euro belaufen - 4,2 Millionen Euro musste der BVB als Kaufsumme für Hummels an den FC Bayern überweisen – zahlten sich aus. Denn heute, nur ein Jahr nachdem der BVB als die Schießbude der Bundesliga tituliert wurde, besitzt die Borussia eine Hintermannschaft, die die Konkurrenz vor Neid erblassen und die eigenen Fans frohen Mutes in die Zukunft blicken lässt.
Logisch, dass solche Leistungen Begehrlichkeiten wecken. Nahezu wöchentlich tauchen neue Gerüchte auf, die vor allem Subotic mit finanzkräftigen Klubs aus England oder Italien in Verbindung bringen. Klopp kennt das Geschäft, versichert jedoch, keinen der drei abgeben zu wollen: „Defensiv sind wir mit starken Außen und drei Innenverteidigern, in der ligaweit die meiste Fantasie steckt, perfekt ausgestattet. Es gibt kaum einen Klub in Europa, dem man mehr Geld bieten müsste, damit er einen seiner Manndecker abgibt. Die drei sind unser Pfund für die Zukunft.“
Bleibt noch eine Frage zu klären: Welche zwei bilden die Stamminnenverteidung und wer muss auf die Bank? Für Klopp ist das ein Luxusproblem. „Ich möchte mich beweisen und meinen Stammplatz behalten“, schmeißt Santana schon einmal in eigener Sache die Werbetrommel an, während sich sein Trainer gelassen und voller Vorfreude die Hände reibt: „Lassen wir sie doch einfach mal rennen.“
Also: Auf die Plätze, fertig, los!

