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BVB: Die Bilanz der Spielzeit 2008/2009
Erfolg auf mehreren Schultern verteilt

Mit den Trostpreisen ist das so eine Sache.

Eigentlich sollen sie die Enttäuschung des „Gewinners“, am ganz großen Hauptpreis vorbeigeschlittert zu sein, mildern und Mut machen, es noch einmal zu versuchen. Wer aber schon einmal knapp einen Titel verpasst hat, weiß, wie überflüssig solche Präsente sind. Die negativen Emotionen lassen sich damit jedenfalls nicht wirklich abdämpfen.

Ganz ähnlich ist es am letzten Spieltag der abgelaufenen Saison Borussia Dortmund ergangen. Im ersten Jahr unter dem neuen Trainer Jürgen Klopp landete der BVB auf Rang sechs - gemessen an den Vorjahresergebnissen eigentlich ein großer Grund zur Freude. Weil die Borussen allerdings kurz vor Schluss noch auf dem fünften Platz lagen und mit einem Bein schon in der neuen „Europa League“ standen, saß der Frust tief, dass es eben „nur“ Rang sechs - und damit der „Blechplatz“ wurde.

Trostpreise zog man dagegen reichlich an Land: Kein Team kassierte weniger Pleiten als der BVB (5), nur eine Mannschaft weniger Gegentreffer (Schalke, 35) als die Truppe von Klopp. Zudem stellte man einen neuen Vereinsrekord auf (sieben Siege in Serie) und egalisierte zwei weitere (keine Heimniederlage, 14 Unentschieden).

Doch die Reaktionen auf die zumeist tollen Werte waren meist eine Mischung aus einem gequälten Lächeln und ratlosem Schulterzucken. Wirklichen Trost spendeten sie zunächst nicht. Erst mit etwas Abstand reifte bei Spielern wie Verantwortlichen die Erkenntnis, eine großartige Saison gespielt zu haben - der allein die verdiente Krönung, die Rückkehr auf Europas Bühnen, fehlte.

Um zu diesem Schluss zu kommen, muss man nur einmal den Vergleich mit dem Vorjahr bemühen. Damals landete der BVB am Ende auf einem enttäuschenden, aber leistungsgerechten Rang 13. Allein der Einzug ins DFB-Pokalfinale tröstete über eine katastrophale Entwicklung hinweg.

Doch in der Retrospektive dürfte sich diese Seuchensaison als Glücksfall für den Verein herausstellen. Denn auf den unglücklich und vor allem am Ende orientierungslos agierenden Doll folgte Jürgen Klopp - dem sein Ruf als TV-Bundestrainer und Publikumsliebling vorauseilte, nicht aber der, eine Mannschaft auch außerhalb von Mainz zum Erfolg führen zu können.

Doch Zweifel an seiner Einigung hegt heute niemand mehr. Der 41-Jährige hat es mit seiner erfrischenden, offenen Art auf Anhieb geschafft, dem Verein, der Mannschaft, den Fans und der ganzen Stadt neues Leben einzuhauchen.

Den Grundstein dafür legte Klopp gemeinsam mit BVB-Sportdirektor Michael Zorc bereits vor seinem eigentlich Dienstbeginn: mit einer äußerst geschickten Transferplanung. Nahezu sämtliche Neuzugänge (Owomoyela, Subotic, Santana, Hajnal) erwiesen sich als Verstärkung, dazu weckte Klopp in bereits abgeschriebenen Spielern wie Nuri Sahin oder Nelson Valdez neue Geister, die zu rasanten Formanstiegen führten.

Doch es sind nicht nur die individuellen Fortschritte der Kicker, die den BVB zum Sprung nach vorne verhalfen, sondern auch die taktischen und körperlichen Maßnahmen, die Klopp bei der Borussia einführte. Mit Oliver Bartlett und seinem Assistenten Florian Wangler verstärkten zwei Fitnesstrainer den Trainerstab, die einen großen Anteil daran haben, dass die Borussia in der zweiten Hälfte der Saison nahezu ohne verletzungsbedingte Ausfälle auskommen konnte.

Die Videoanalysen von Co-Trainer Peter Krawietz und Chefscout Sven Mislintat halfen, schon in der Halbzeit auf taktische Mängel reagieren zu können. Und Zjelko Buvac - Spitzname „das Gehirn“ - sorgte als erster „Co“ dafür, dass diese zumeist gar nicht erst auftraten.

Der Erfolg in Dortmund wurde auf mehreren Schultern verteilt - eine weitere Stärke der neuen Borussia, die nicht mehr als seelenloses Sammelsurium von Einzelkönnern, sondern als funktionierendes Kollektiv auftritt.

Kurz Notiert / Amateurfußballnews

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