So muss der neue Trainer Michael Dier abermals einen kompletten Neuaufbau am „Lüttinghof“ bewältigen. Wie er das erfolgreich umsetzen will, erklärte er im Gespräch mit RevierSport.
Michael Dier, können Sie es schon fassen, dass Sie bei Ihrer ersten Trainerstation im Seniorenfußball eine Mannschaft in der Westfalenliga betreuen werden?
Ja, so langsam kann ich begreifen, was da am vergangenen Sonntag passiert ist. Die Truppe war ja eigentlich schon so was von weg und im Grunde dreimal abgestiegen. Doch erst kamen die beiden Rückzüge von Rüdinghausen und Kornharpen, dann wurden uns noch durch einen nicht spielberechtigten Gladbecker drei Punkte geschenkt. Am Ende war es umso schöner, es auf den letzten Drücker doch noch geschafft zu haben, da ja keiner mehr mit dem SC Hassel gerechnet hatte.
Wurde Rüdiger Kürschners schon ein Denkmal gebaut?
Nein, das habe ich auf der Anlage noch nicht gesehen. Natürlich ist der Klassenerhalt in vorderster Linie sein Verdienst, denn er hat auch in der auswegslosesten Situation noch daran geglaubt, den Abstieg vermeiden zu können. Selbst als es nach den beiden Siegen gegen Olpe und Weißtal wieder eine Niederlagenserie gab und auch das fast vorentscheidende Heimspiel gegen Gladbeck in die Hose ging. Drei Spieltage vor Schluss betrug der Abstand auf Platz 14 noch fünf Punkte. Das ist schon echt der Wahnsinn.
Obwohl der SCH noch einmal den Kopf aus der Schlinge gezogen hat, werden die meisten Spieler den Verein verlassen. Mit welcher Aussicht gehen Sie Ihre Aufgabe in der neuen Saison an, in der es sicher nicht einfacher wird als in der gerade abgeschlossenen?
Das ist wohl wahr! Bei den vielen Abgängen und unserem kleinen Etat kann es wieder nur darum gehen, die Klasse zu halten. Das ist in Hassel aber kein besonderer Zustand mehr, denn der Verein muss schon seit zwei, drei Jahren mit immer geringeren Mitteln über die Runden kommen. Da zahlt sich die gute Jugendarbeit aus, denn jedes Jahr schaffen drei, vier Spieler aus dem eigenen Nachwuchs den Sprung in die Erste.
So wie jetzt, da der bisherige A-Jugendcoach zum Chef wird!
Es ist sicherlich ein Vorteil, dass ich die Jungs genau kenne und jeden Einzelnen einschätzen kann. Im letzten Spiel gegen Erndtebrück haben in Torhüter Pascal Vögeling sowie Tim Voßschmidt und Alexander Schlüter schon drei Leute aus meiner Mannschaft oben mitgemischt. Das sind wertvolle Erfahrungen, die sie in die neue Serie mitnehmen können.
Der Sportliche Leiter Bruno Piotrowski hat drei Kicker von seinem früheren Verein SSV Buer nach Hassel gelotst. Gibt es deswegen Spannungen zwischen den beiden benachbarten Klubs?
Das weiß ich nicht, aber wir werben die Spieler ja nicht mit viel Geld oder anderen wilden Versprechungen ab. Bei uns bekommen Daniel Moritz, Alexander Buda und David Rogowski jetzt die Chance, sich in der Westfalenliga zu beweisen. Das haben sie und ich vorher auch nicht gewusst – schließlich haben wir ja für die Landesliga geplant.

