Damit ist eigentlich alles über die Saison gesagt. Dennoch kann man auf den zweiten Blick den ein oder anderen Hoffnungsschimmer ausmachen.
Aufsteiger:
Über Sascha Mölders ist eigentlich alles gesagt. Auch wenn er bisweilen abtauchte, war er im Abschluss abgeklärt bis unterkühlt. Die Form der Hinserie konnte er zwar nicht hinüberretten, sein zwischenzeitlicher Hänger bewies aber nur: Trifft er nicht, geht auch beim Rest denkbar wenig. Daher ist ein fitter und formstarker Mölders für die kommende Saison unabdingbar.
Wie eigentlich dem gesamten Team fehlte Mike Wunderlich vor allem eines: Konstanz. Wenn ihm auch nicht immer alles gelang, mauserte er sich im Laufe der Rückrunde aber zu einem der Hoffnungsträger für die kommende Spielzeit. Neben zumindest teilweise brauchbaren Standards wies er seine Qualität auch im Abschluss nach: Fünf Treffer in der Rückserie können sich durchaus sehen lassen.
Von Robin Himmelmanns Rückserie bleibt natürlich der vielleicht 200.000 Euro teure Patzer im Pokalfinale gegen Speldorf hängen. Dennoch hat sich der Youngster den Titel Aufsteiger verdient. Ob es klug, geschweige denn unabdingbar war, auf der Torhüterposition eine Baustelle aufzumachen, sei dahingestellt. In der Liga zeigte er jedenfalls kaum Schwächen und fand sich trotz seines jungen Alters gleich gut rein.
Absteiger:
Unvergessen ist Stefan Kühnes Einstand mit zwei Toren gegen die Sportfreunde Lotte. In der Rückrunde konnte der Akteur, der immerhin aus der 2. Liga an die Hafenstraße wechselte, jedoch viel zu selten Impulse setzen, geschweige denn die ihm zugedachte Führungsrolle ausfüllen.
Gleiches gilt für die Lorenz-Brüder Stefan und Michael. Die Standing Ovations bei ihrem letzten Auftritt haben zwar gezeigt: Einstellung und Charakter der beiden Berliner sind über jeden Zweifel erhaben. Doch spätestens die Rückrunde diente als Indiz dafür, dass ihre Zeit bei RWE abgelaufen ist. Ihr fußballerisches Potenzial schien zuletzt nicht mehr auszureichen, um auf Dauer einen Stammplatzanspruch zu rechtfertigen, geschweige denn den Unterschied zu machen. Konsequenterweise wurde der Vertrag mit Stefan Lorenz nicht verlängert und auch sein älterer Bruder kann sich einen neuen Klub suchen.
Jozef Kotula stand für die rechte Seite konnte nie die nötige Dominanz und Souveränität entfalten, die man von ihm erwartet hätte. Auch offensiv kam viel zu wenig von dem Slowaken.

Stefan Lorenz (Foto: firo).
Problem
Teammanager und Geschäftsführer Sport Thomas Strunz weiß, was die Stunde geschlagen hat: Die Mannschaft muss fast komplett umgestrickt werden - und genau das ist das Problem. Sicherlich wird der Klub für die kommende Saison auf Qualität setzen. Allerdings wird der neue Kader keine Schonfrist bekommen. Gleich zum Saisonauftakt müssen zwingend Erfolge her. Ansonsten steigt der Druck von innen und außen ins Unermessliche. Nicht nur das Umfeld wird mit seiner Geduld schnell am Ende sein, auch die erneut starke Konkurrenz duldet eigentlich keinen Ausrutscher. Es gibt sicherlich leichtere Vorgaben als ein weitgehend alternativloses Aufsteigen-Müssen. Über einen Plan B wagt derzeit niemand nachzudenken.
Zukunft
Mit dem bereits vorhandenen Spielermaterial sowie den zur Verfügung gestellten Geldern sollte ein Aufstiegs-Kader zusammengestellt werden können. Entscheidend dabei wird jedoch sein, dass bereits an Spieltag eins eine intakte Mannschaft auf dem Rasen steht. Strunz muss also auch auf dem neuen Aufgabengebiet des Teammanagers gleich eine Feuerprobe absolvieren und beweisen, dass das neue Team mehr kann als den Rumpelfußball der vergangenen Saison. Sollte er an den hohen Ansprüchen scheitern, stünde der Klub im schlimmsten Fall sogar kurzfristig kopflos da. Strunz ist also, mit dem Vertrauen des Vorstands, „All-In“ gegangen und damit zum Erfolg verdammt.
Aber: Dass RWE eine vergleichbare Saison wie die abgelaufene Serie hinlegt, scheint fast nicht vorstellbar. Auch muss man dem Team zugute halten, dass die Perspektivlosigkeit und das Trainer-Theater nicht unbedingt dazu angetan war, Höchstleistungen herauszukitzeln. Dennoch ist es utopisch, einen Aufstieg zu prognostizieren, da auch die Konkurrenz kaum schwächer geworden ist.

