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Ortstermin: 17. Juni 09, Autohaus Mercedes-LUEG, Essen
„Wladi, zieh’ ihm eine!“

Wladimir Klitschko schlägt zu - hier noch beim Showtraining in Essen (Foto: firo).

Es ist 11.30 Uhr, als Moderator Jesco von Eichmann in den Ring steigt. Der Kollege von Radio Emscher Lippe macht in den nächsten 100 Minuten einen guten Part, doch anfangs tritt er in ein Fettnäpfchen. „Willkommen im Autohaus Lüg“, vergisst der Lokalreporter seine Herkunft.

Denn schließlich führt auch Buer den typisch-westfälschen Doppelvokal, bei dem der erste Vokal lang gesprochen und das e unterschlagen wird.

Mercedes-LUEG-Chef Jürgen Tauscher geht über den kleinen Lug-und-Betrug-Vorwurf elegant hinweg und heißt die halbseidene Boxwelt in den feinen Räumlichkeiten seines Fahrzeughauses in Essen-Altendorf willkommen. Als Ruslan Chagaev um 11.51 Uhr das Podium zu den Klängen von Eminem betritt, erhält der ansonsten etwas klinisch wirkende Verkaufsraum einen satten königsblauen Anstrich. Der Usbeke hatte erst kurz zuvor bei S04-Präsident Josef Schnusenberg persönlich einen Mitgliedsantrag unterschrieben. Chagaev ist auf Schalke nunmehr unter der Nummer 80044769 registriert und tritt mit dem S04-Heimtrikot und der Aufschrift „Chagaev 2009“ auf dem Rücken in den Ring.

Vielleicht ist sein Gegner, Doppelweltmeister Wladimir Klitschko, auch in dieer Angelegenheit am kommenden Samstag einen Schritt schneller. Der Ukrainer hatte bereits im April anlässlisch seines Besuchs beim Bundesligaspiel gegen Energie Cottbus den Aufnahmeantrag in die Schalker Familie unterschrieben.

Ruslan Chagaev im Schalke-Trikot (Foto: firo).

Chagaev tänzelt ein wenig und fängt ein paar Fliegen, ehe er das Sparring startet. Wie in dem Sport der Luder und halbseidenen Typen üblich, inszenierten die beiden Muskelprotze aus Osteuropa auch das sportlich völlig uninteressante Pressetraining mit viel Tamtam. Chagaev, in Fachkreisen auch „The White Tyson“ genannt, schindet mit ein paar klatschenden Hieben in die gut geschützte Faust seines Trainers Michael Thimm ordentlich Eindruck. Und obwohl er in der Branche nicht als Lautsprecher gilt, lehnt sich Chagaev nach ein paar schnellen Runden im Ring verbal recht weit aus dem Fenster. „Ich habe hart trainiert, bin gut vorbereitet und will den Kampf gewinnen. Ja, ich glaube, ich kann gewinnen“, betont der 30-Jährige.

Mit seinen 25 Siegen in bisher 26 Profikämpfen seit 1997, davon 17 KOs, bringt Chagaev eine ausgezeichnete Visitenkarte mit ins Ruhrgebiet. Der Berliner Box-Manager Mario Pokowietz hatte allerdings noch bis Dienstag versucht, den Kampf wegen einer möglichen Ansteckungsgefahr zu stoppen und über einen Anwalt beim Gelsenkirchener Gesundheitsamt eine Prüfung des Usbeken eingefordert. Die zuständige städtische Gesundheitsdezernentin Henriette Rieker hatte das allerdings nicht für nötig befunden, da Klitschkos geimpft ist.

Die beiden Boxer ficht dieser kleine Schlagabtausch ohnehin nicht an. Als Klitschko um 12.33 Uhr zum harten Riff seines Einlaufsongs „Can’t Stop“ von den Red Hot Chili Peppers einläuft, ist das Gekreische unter den Fans groß, 300 mit 300 Digicams und 300 Videos auf ihren Handys sind es hier noch in Essen - am Samstag werden es 60.000 Zuschauer in der Gelsenkirchener Arena sein.

Mit weißem Kapuzenpulli, langen weißen Shorts und schwarz-weißen Stiefeln wirkt der Ukrainer nicht nur saucool, sondern auch noch stämmiger als erwartet. Er weiß sich zu inszenieren, lässt den Nacken und die Pranken kreisen. Die Frauen im Publikum drohen langsam ohnmächtig zu werden, doch da setzt sich der osteuropäische Riese hin und lässt sich von Trainer Emanuel Steward die Hände tapen. Die Prozedur dauert zehn Minuten, ein schönes Fotomotiv, doch für die Fans wird’s langweilig. Klitschko weiß, wann er seinen Mann stehen muss, und klatscht dem Coach ein paar schnelle Linke in den Trainingshandschuh. „Wladi, zieh’ ihm eine“, fordert ein Boxfreund aus der zweiten Reihe.

So schön kann Boxen nur im Revier sein!

Kurz Notiert / Amateurfußballnews

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