Im Klartext: Neben Speldorf haben Westfalia Herne, die SG Wattenscheid, die Sportfreunde Siegen der MSV Duisburg II, die Hammer Spielvereinigung und die TSG Sprockhövel grünes Licht erhalten. RS sprach mit WFLV-Vizepräsident Siegfried Hirche darüber, warum sich der Verband plötzlich „volksnah“ gibt und wie die Entscheidungen begründet werden.
Herr Hirche, erst hat der WFLV bei der Lizenzierung hohe Auflagen erteilt. Jetzt kommen doch alle Vereine durch. Das hat etwas von Säbelrasseln, weil sich die Klubs sonst nicht an die Auflagen halten würden, oder nicht?
Nein, so kann man es nicht sagen. Entweder sind die Forderungen gänzlich erfüllt worden, oder die zu verbleibenden Auflagen sind minimal. Deshalb haben wir uns dazu entschlossen, niemandem – außer Solingen, die wirtschaftliche Probleme haben - die Lizenz zu verweigern. Außerdem sollten wir immer daran denken, dass nicht die Vereine für uns, sondern wir für die Vereine da sind. Wir müssen uns in die Lage der Vorstände hineinversetzen.
Das sind ja ganz neue Töne. Wie kommt es zu dem Sinneswandel?
Das ist natürlich ein Lernprozess. Wir haben uns mehr von der Liga versprochen. Außerdem bin ich persönlich dafür, dass die Entscheidung am grünen Tisch mehr zu Gunsten der Klubs ausfallen müssen. Wir sollten nur in gravierenden Fällen eingreifen.
Das bedeutet?
Solingen hätte auch bei der sportlichen Qualifikation keine Lizenz erhalten. Bei den anderen Entscheidungen hatten wir einen gewissen Ermessungsspielraum. Duisburg II hat die Auflage, dass Risikospiele im Stadion ausgetragen werden. Zudem muss der Zugang zu den Kabinen zeitnah verbessert werden. In Hamm existieren Zwei-Meter hohe Zäune. Die Vorschriften sprechen zwar von 2,20 Metern, aber wegen 20 Zentimetern machen wir kein Theater. Sprockhövel wird die Risiko-Partien im Hagener Ischeland-Stadion ausrichten. Und Wattenscheid, die ein neues Finanzkonzept vorgelegt haben, sowie Siegen, Herne, Hüls oder Dattenfeld haben gar keine Auflagen mehr erhalten, weil die Umbaumaßnahmen ausreichend sind.
Aber meinen Sie nicht, dass die Auflagen zu hoch für die fünfte Spielklasse sind?
Ja, aber ich bin jetzt erst einmal hochzufrieden, dass wir die Sachen vom Tisch haben. Das NRW-Statut bedarf dringend einer Überarbeitung. Die Anforderungen sind weit überzogen. Besonders der sicherheitstechnische Aspekt. Wenn man die vielen zweiten Mannschaften sieht, die kaum Zuschauer mitbringen, dann ist es nicht unbedingt erforderlich, dass die Fantrennungen in der geforderten Form durchgeführt werden. Und bei Risikospielen könnte man einen Umzug zur Auflage machen und Sicherheitsdienste verpflichten. Das reicht aus.
Wenn das Statut geändert wird, wie lange benötigt man für diesen juristischen Schritt?
Eine Statut-Änderung wird nicht schnell gehen. Frühestens im Herbst können wir uns zusammensetzen. Dann hätte es für die anstehende Saison allerdings noch keine Bedeutung. Ich befürchte, dass die unsäglichen Bedingungen erst noch bestehen bleiben. Auf alle Auflagen zu verzichten, halte ich indes für nicht opportun. Aber die Verhältnismäßigkeit sollte stimmen. Es ist bisher nur in ganz wenigen Ausnahmefällen zu Krawallen gekommen. Wir wollen versuchen, der Gewaltbereitschaft weiterhin entgegen zu wirken, doch nicht zu Lasten der Vereine.
Das ist ein Fortschritt, dass der Verband, der bisher unnachgiebig war, jetzt einlenkt.
Ja. Der hessische Fußballverband wird ab sofort sogar gar keine Wirtschaftlichkeitsprüfung in der Oberliga mehr durchführen. Das kann ich für den WFLV aber noch nicht sagen. Beim Lizenzierungsverfahren müssen wir abwarten, ob unseres aufrecht zu erhalten ist. Aber das müssen die Gremien beurteilen. Ich bin der Meinung, dass wir auch darauf verzichten können.
Aber bisher wurde doch immer so viel Wert darauf gelegt.
Stimmt. Doch wenn ein Verein in seine Planungen einsetzt, dass er zwei Freundschaftsspiele gegen Bundesligisten hat und die Einnahmen verrechnet, können wir nichts machen. Auch wenn wir die Realisierung der Testspiele als fraglich einschätzen, müssen wir juristisch diese Zahlen akzeptieren. Deshalb ist es doch schon ein wenig überflüssig.
Und wie beurteilen Sie die Lage bei den Ausschlussfristen? Ist es wirklich nötig, einem Verein wie Schermbeck wegen 15-minütiger Verspätung die Lizenz zu entziehen?
Bei Ausschlussfristen haben wir keine Möglichkeiten. Wer zu spät kommt, hat keine Chance. Ich bin aber auch schon gespannt, wann und wie das Zivilgericht im Fall Schermbeck entscheidet.
Allerdings schießen Sie mit Kanonen auf Spatzen. Kann man bei einer Verspätung nicht mit einem Punktabzug drohen?
Ihr Vorschlag ist sehr konstruktiv und wir haben darüber auch schon beraten. Ob es schon für das nächste Verfahren möglich ist, vermag ich noch nicht zu sagen. Wenn diese Änderung nicht bis zu Beginn der neuen Saison verankert sein muss, würde ich es begrüßen. Aber sonst ist es in der Kürze der Zeit nicht mehr möglich. Aber wir werden auf jeden Fall darüber sprechen.
Der Verband ist auf die Vereine zugegangen. Was erhoffen Sie sich nach dem ganzen Streit für die Zukunft?
Dass wir wieder zusammenarbeiten. Denn wir sind alle aufeinander angewiesen. Alleine geht es einfach nicht. Und eins solltedoch jedem klar sein: Entscheidend ist auf dem Platz. Und nicht das ganze Theater drumherum, auch wenn man nicht gänzlich darauf verzichten kann.
