Und ehrgeizig sind die beiden jungen Fußballerinnen aus dem Revier, die mit der deutschen U17-Nationalmannschaft bei der am Montag im schweizerischen Nyon beginnenden Euro 2009 ihren bisherigen Karriere-Höhepunkt vor sich haben.
„Außerdem sind wir immer optimistisch. Für uns ist die Nominierung für die Europameisterschaft ein echtes Erlebnis. Da geht schon ein Traum in Erfüllung“, sagt Cengiz. Bei der Nominierung für das EM-Turnier in der Schweiz spielte auch das Schicksal eine entscheidende Rolle. Denn die Gymnasiastin profitierte von einem traurigen Missgeschick: Weil Stürmerin Ivana Rudelic vom FC Bayern München sich einen Kreuzbandriss zugezogen hat, wurde Cengiz als zusätzliche Offensivspielerin nachnominiert. „Da kann ich natürlich keine großen Ansprüche stellen. Ein paar Spielminuten ermöglicht zu bekommen, wäre schon ein prima Erfolg“, weiß die Nachrückerin um die enorm starke Konkurrenz im Team von Bundestrainer Ralf Peter, das bei der erstmals ausgetragenen U17-Juniorinnen-EM im vergangenen Jahr auf Anhieb den Titel gewann.

Ballgewandt im Dress des FCR 2001 und der Nationalelf: Luisa Wensing (l.) und Gülhiye Cengiz (Foto: Zinsel).
Fast zehn Jahre kickte die Moerserin beim TV Asberg, bevor sie zum FCR 2001 Duisburg wechselte. Dass sich bei der talentierten Auswahlspielerin wirklich alles um den Fußball dreht, zeigt auch ein Blick auf das Wochenpensum der 17-Jährigen: „Ich habe einen Nachmittag in der Woche, an dem ich eigentlich fußballfrei hätte. Da engagiere ich mich dann als Co-Trainerin der U13-Mädchen-Auswahl unseres Fußballkreises 9“, erklärt Cengiz. Das passt auch zu ihrem Berufswunsch: „Ich habe in der Schule Pädagogik als einen Leistungskurs und würde nach dem Abitur gerne studieren – wahrscheinlich etwas mit Sport.“
Ihre Teamkollegin Wensing, eigentlich nur „Lulle“ genannt, ist mit 16 Jahren das „Nesthäkchen“. Vor gut einem Jahr bestritt sie bei einem 4:1-Sieg in England ihr erstes Länderspiel. In ihrem eigentlichen Jahrgang, dem U16-Nationalteam, ist sie längst eine Stammkraft. „Als jüngere Spielerin bin ich bei der U17-EM dabei, um zu lernen. Mit Johanna Elsig und Laura Vetterlein sind zwei bärenstarke Innenverteidigerinnen auf meiner Position gesetzt“, beurteilt Wensing, die zu Beginn dieser Saison von ihrem Heimatverein Rheinwacht Erfgen im Kreis Kleve zum FCR 2001 nach Duisburg wechselte, ihre Situation im DFB-Team.
Ein „Fan“ der beiden Mädels ist Martina Voss, Trainerin der Bundesliga-Frauen des FCR 2001. „Ich freue mich für Gülhiye, dass ihr riesengroßer Fleiß belohnt wird. Sie hat hartnäckig an sich gearbeitet, kleine Schwächen abgestellt und ist zu einer
Fast auf den Tag genau zwei Jahre vor Anpfiff der Frauenfußball-WM 2011 in Deutschland geht es für die besten deutschen U17-Nachwuchsfußballerinnen darum, den im vergangenen Jahr gewonnenen EM-Titel zu verteidigen. Die Mannschaft von Bundestrainer Ralf Peter trifft am Montag (22.6.) um 18.30 Uhr im Halbfinale auf Frankreich. Der Sieger spielt dann am Donnerstag (25.6.) um 14.30 Uhr im Finale gegen den Sieger des zweiten Semifinals zwischen Norwegen und Spanien (das „kleine Finale“ steigt um 11 Uhr; Eurosport überträgt beide Donnerstag-Spiele live).
Führungsspielerin geworden, die vor allem auch menschlich top ist“, urteilt die Expertin, deren Lob für Wensing ähnlich klingt: „Über die ,Lulle‘ brauche ich gar nicht viel zu sagen. Es war vorhersehbar, dass sie eines Tages ganz weit kommt. Sie ist ein Ausnahmetalent, der ich eine tolle Fußballerinnen-Karriere zutraue.“
Mit den beiden Duisburgerinnen ist die „Mädchen-Power“ aus dem Revier aber noch längst nicht ausgeschöpft: Aus der westfälischen Talentschmiede macht sich gleich ein Quartett auf in die Schweiz, um den Europameister-Titel erfolgreich zu verteidigen: Die beiden Mittelfeldspielerinnen Claudia Götte und Lynn Mester, die schon 2008 dem Siegerteam angehörten, Stürmerin Kyra Malinowski und Ramona Petzelberger, ebenfalls Mittelfeld, sind mittendrin statt nur dabei, wenn es im Stade Clovray in Nyon, direkt gegenüber der Uefa-Zentrale, zunächst gegen die Französinnen um den Einzug ins Finale geht. „Wir freuen uns schon mächtig auf diese EM; als Titelverteidiger gehören wir natürlich zu den Favoritinnen und werden alles geben“, verspricht Malinowski, die von der SG Wattenscheid zur SG Essen-Schönebeck wechselt. Mester, mit 23 Spielen, in denen sie stolze zwölf Tore erzielte, die erfahrenste der aktuellen U17-Nationalspielerinnen, spielt für Westfalia Osterwick und nimmt eine Führungsrolle ein.
Nimmt man die erfolgreichen Qualifikationsauftritte der deutschen U17-Mädels als Maßstab, dürfte der EM-Pokal auch

Die macht’s mit Köpfchen: Claudia Götte und Lynn Mester (im Hintergrund) haben den U17-EM-Titel im Vorjahr schon gewonnen (Foto: Zinsel).
diesmal beim Rückflug in die Frankfurter DFB-Zentrale im Gepäck der deutschen Mannschaft seinen Platz haben: In der EM-Zwischenrunde im ungarischen Sopron machte die Peter-Truppe den Einzug in die Endrunde mit einer makellosen Bilanz klar – es gab drei Siege in drei Spielen und 16:0 Tore. „Wir wissen, dass wir weiter an uns arbeiten müssen. Man muss sich als junge Spielerin bei jeder Gelegenheit von der besten Seite zeigen“, sagt Stürmerin Malinowski, für die dieses EM-Turnier allerdings immer noch nicht der Abschluss einer anstrengenden Saison ist: Direkt nach der Heimkehr aus der Schweiz starten sie und Wensing gemeinsam mit der U16-Nationalmannschaft gen Norden durch.
In Schweden nehmen sie, ebenfalls unter Bundestrainer Peter, am Nordic Cup, einer inoffiziellen (Europa-)Meisterschaft für den 93-er Jahrgang, teil. „Für uns Spielerinnen gilt es, sich in den letzten Trainingseinheiten vor den Turnieren noch mal zu beweisen, um einen Platz in der Startelf zu bekommen“, weiß Malinowski, dass auch die größte „Mädchen-Power“ aus dem Revier bei einer Europameisterschaft auf ganz starke Konkurrenz trifft…
