Das lange Wirrwarr um die Zukunft von Markus Brzenska hatte am Donnerstag endlich ein – ziemlich überraschendes – Ende gefunden. Denn dass der 25-jährige gebürtige Lüner, der noch immer in seinem Geburtsort wohnt, nicht zu einem Klub in der direkten Umgebung wechselt, sondern in einen völlig anderen Teil der Republik, damit hatte niemand gerechnet. Wohl nicht einmal „Brenner“ selbst, der jedoch zugeben musste: „Cottbus hat einfach gepasst.“
Brzenska ist ein Fußballer, für den die Heimat einen enormen Stellenwert besitzt – und damit eine absolute Ausnahme im schnelllebigen Fußballgeschäft. Von seinem Heimatklub BV Lünen wechselte der Defensivspezialist bereits mit neun Jahren zu seiner großen Liebe Borussia Dortmund. Es sollte, wenn es nach Brzenska gegangen wäre, sein erster und letzter Vereinswechsel sein.
Und zuerst lief es auch hervorragend. Ohne Mühen durchlief der Innenverteidiger die Jugendmannschaften des BVB, bevor er 2002 zu den Amateuren und 2003 schließlich zu den Profis aufrückte.
Doch obwohl Brzenska schon in seiner zweiten Profisaison 23 Spiele absolvierte, musste er bald eine für Eigengewächse typische Erfahrung machen: Neueinkäufe bekommen im Zweifel den Vorzug vor Spielern aus der eigenen Jugend.
Nach 86 Bundesliga-Partien in fünf Jahren im Dress der Schwarz-Gelben entschied sich der baumlange Verteidiger im letzten Sommer deshalb dazu, ein Tabu zu brechen. Der Fan verließ seinen Klub für ein Jahr und heuerte in der zweiten Liga beim MSV Duisburg an. Auf Anhieb etablierte er sich als Abwehrchef und Führungsspieler der „Zebras“ – doch MSV-Chef Walter Hellmich war das offenbar zu wenig.
Im Gegensatz zu seinem Sportdirektor Bruno Hübner war der Baulöwe nicht bereit, die – an sich läppischen – 375.000 Euro, die der BVB als Ablösesumme verlangte, zu bezahlen (RS berichtete). Der Wechsel platzte und Brzenska wurde erneut zu einem Tabubruch gezwungen: Zum Klubwechsel kam jetzt auch noch ein Ortswechsel dazu.
„Ich musste nicht lange überlegen“, bestreitet Brzenska allerdings, dass die große Entfernung zum frisch gebauten Haus in Lünen eine Rolle bei der Entscheidungsfindung gespielt habe: „Ich habe natürlich mit meiner Frau darüber gesprochen. Aber es ist nun einmal mein Job. Wenn ich ein gutes Angebot bekomme, muss ich dem folgen.“ Vom tiefen Westen geht es jetzt also für mindestens drei Jahre in die Lausitz – 577 Kilometer von der Heimat entfernt.
„Ich werde erst einmal alleine nach Cottbus ziehen, und mir dort eine kleine Wohnung suchen“, berichtet Brzenska: „Meine Familie wird mich aber an jedem Wochenende besuchen kommen. Und dann werden wir sehen, wie es sich einpendelt.“
Auch wenn der Schritt privat mit Kompromissen verbunden ist, aus sportlicher Sicht, davon ist der frühere U21-Nationalspieler fest überzeugt, war er der absolut richtige: „Ich habe gute Gespräche mit meinem neuen Coach Pele Wollitz geführt. Was dort passieren soll, klang sehr gut.“
Das kurz- bis mittelfristige Ziel des FCE ist der Wiederaufstieg in die Bundesliga. Eine Aufgabe also, mit der Brzenska seit dem letzten Jahr vertraut ist. Denn auch beim MSV hieß die Devise: Wir wollen nach dem Abstieg sofort wieder erstklassig werden.
Das Projekt scheiterte bekanntlich, und so warnt auch der Neu-Cottbuser davor, zu große Erwartungen in die Saison zu stecken: „Natürlich ist man als Absteiger immer ein bisschen der Favorit. Aber ich weiß, wie schwer es ist. Das habe ich mit Duisburg erlebt.“
Aber - daran lässt Brzenska keinen Zweifel – allzu lange soll es nicht dauern, bis er erstmals als Gegner auf „seinen“ BVB trifft: „Das Ziel ist natürlich die erste Liga.“

