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VfL Bochum: Thomas Ernst im Interview
„Werden weiterhin das kleine gallische Dorf sein“

Die erste komplette Spielzeit als VfL-Vorstand war für Thomas Ernst ein Stahlbad.

Was ist nicht alles passiert in den letzten zwölf Monaten? Um so ausgelassener war die Stimmung, als der Klassenerhalt feststand. Ein paar Wochen sind seitdem vergangen. Während das Gros der VfL-Spieler sich noch eine Woche im Urlaub befindet, hastete Ernst in den letzten Wochen von Termin zu Termin, auf der Suche nach Verstärkungen für die Spielzeit 2009/10.

RevierSport sprach mit Ernst über die abgelaufene Saison, die Ursachen, seine Zukunftswünsche und über die mögliche Verpflichtung von Etien Velikonja.

Herr Ernst, mit ein wenig Distanz, wie fällt Ihr Saisonfazit aus?

Wir sind noch einmal davon gekommen. Natürlich haben wir uns alle von der abgelaufenen Spielzeit mehr erwartet. Unser selbst vorgegebenes Ziel von 45 Punkten haben wir bei weitem nicht erreicht. Aber unser Minimalziel, den Klassenerhalt, dann doch geschafft. Gegen alle Erwartungen haben wir eine richtige Zittersaison absolviert, die wir nur mit Glück erfolgreich beenden konnten. Dabei ist uns eine ordentliche Rückrunde gelungen.

Der erste Teil war sogar sehr gut. Die fünf Niederlagen in Folge waren natürlich bitter. Es war ein Stahlbad für den Verein. Und so natürlich auch für mich. Die abgelaufene Saison ist weitgehend erklärbar, und deshalb blicken wir hoffnungsvoll auf das neue Spieljahr. Ich bin überzeugt, dass wir in der Saison 2009/10 einen konkurrenzfähigen Kader haben, der den Klassenerhalt mit einer ordentlichen Punktzahl erreicht.

Was war denn die Ursache für die weitgehend verkorkste letzte Spielzeit?

Ich habe das Gefühl, als wäre unsere Mannschaft in die Saison mit dem Gedanken im Hinterkopf gegangen: Was kann uns schon passieren, das wird ein Selbstläufer. Immerhin hatten wir in den Jahren zuvor den Klassenerhalt frühzeitig geschafft und waren uns zudem sicher, den Kader noch enorm verstärkt zu haben.

Wir waren von der Qualität alle so überzeugt, dass uns diese mutigen Aussagen später immer wieder eingeholt haben. Das hat vielleicht auch dazu geführt, dass das eine oder andere Mal der Biss fehlte und es nicht gelungen ist, die nötige Spannung aufzubauen, die man in der Bundesliga braucht. Am Ende hieß es nur noch: „Wir sind gut, wir machen das schon - irgendwann.“

Was war für Sie die heikelste Situation in der gesamten Saison?

Das war ohne Frage das ganze Drumherum um das KSC-Rückspiel. Die Situation war äußerst angespannt und ich habe mir das Szenario ausgemalt, was bei einem Misserfolg im Stadion passiert wäre. Schließlich hatten wir in der Winterpause eine sehr unpopuläre Maßnahme getroffen. Auch die ganze Vorbereitung auf die Rückrunde stand auf dem Prüfstand. Trotzdem muss ich sagen, dass unsere Fans dies alles ausgeklammert haben. Die Unterstützung gerade in diesem Spiel über 90 Minuten war herausragend. Die Fans standen mit Spielbeginn auf Seiten des Vereins. Das ist mir auch heute noch immer gegenwärtig.

Auch für Sie war das Jahr nicht einfach.

Die Ausgangssituation war nicht leicht. Denn ich glaube, dass es keinem Verein gut tut, wenn auf einer so wichtigen Position wie die des Sportvorstands eine so hohe Fluktuation herrscht. Dieser Job sollte eine feste Konstante sein. Sicher war auch viel Unsachlichkeit im Spiel. Fairerweise muss ich eingestehen, dass ich dazu beigetragen habe. Da habe ich sicherlich den einen oder anderen Fehler gemacht.

Welchen zum Beispiel?

Ich hätte mir die eine oder andere emotionale Aussage ersparen sollen. Mein Fazit daraus: Wir müssen uns in unserer Außendarstellung geschickter positionieren. Dies wird aber auf keinen Fall dazu führen, dass wir den Leuten nach dem Mund reden.

Das Saisonziel „Klassenerhalt“ haben Sie für die kommende Spielzeit auch schon vorgegeben...

Ich kenne doch die Sehnsucht der VfL-Fans, sich mal andere Ziele zu setzen und nach Größerem zu streben. Aber wir sind wirtschaftlichen Zwängen unterworfen. Wir werden weiterhin das kleine gallische Dorf sein, das sich gegen die Großen behaupten will. Das werden wir mit Charme tun, einer Portion Pfiffigkeit und mit Witz. Der VfL hat über die Jahrzehnte bewiesen, dass er sich im Konzert der Großen behaupten kann. Aber mehr zu versprechen, wäre gegenüber unseren Fans unehrlich und ginge an der Realität vorbei. Deshalb sage ich, wie es ist und baue keine Luftschlösser.

Was ist Ihr größter Wunsch für die neue Saison? Was muss besser werden?

Ich erwarte von der Mannschaft, dass sie noch entschlossener auftritt. Wir müssen dahin kommen, dass das Team innerhalb von 90 Minuten nicht so enormen Leistungsschwankungen unterliegt. Wir müssen eine Mentalität fördern, die dazu führt, dass die Zuschauer nach Hause gehen und das Gefühl haben, die Mannschaft hat alles aus sich heraus geholt. Das wird uns nicht in 34 Spielen gelingen, aber daran müssen wir arbeiten. Dann werden wir unsere Ziele erreichen und das Publikum hinter uns haben.

Wie ist der Stand bei der Verpflichtung von Etien Velikonja?

Nachdem der Name nun publik geworden ist, kann ich bestätigen, dass wir am slowenischen Torschützenkönig interessiert sind. Aber nachdem wir mit dem abgebenden Klub Goriza bereits Einigung erzielt hatten, wurden wir am letzten Mittwoch mit neuen Forderungen konfrontiert. Jetzt sieht es so aus, dass ich stündlich auf einen Anruf aus Slowenien warte. Ich würde dann kurzfristig dahin fliegen, um die letzten Modalitäten zu klären. Der Spieler hat mir versichert, dass er zum VfL kommen möchte.

Und wie sieht es bei möglichen Abgängen aus?

Sinan Kaloglu hat ein Angebot aus den Niederlanden (erste Liga) und ich bin ganz zuversichtlich, dass der Transfer in dieser Woche über die Bühne geht. Bei Mieciel, Fuchs und Ilicevic sind wir dagegen noch nicht weiter gekommen.

Kurz Notiert / Amateurfußballnews

RevierSport anne Castroper
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