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RWE: Denny Herzig ist mit 24 Jahren schon weit gereist
"Ruhrpott ist einfach geil"

Denny Herzig ist Rot-Weiss Essens Zugang Nummer vier in dieser Sommerpause.

„Mit 24 Jahren Kapitän einer Mannschaft zu sein, die in der letzten Saison defensiv gut agiert hat, spricht für Dennys Potenzial und ist genau das, was wir brauchen“, erklärt Teammanager Thomas Strunz. Natürlich, mit 24 Kapitän, das schafft nicht jeder. Aber der gebürtige Thüringer war schon immer ein wenig frühreif.

Mit elf Jahren ging er, gemeinsam mit seinem älteren Bruder Nico, ins Fußballinternat von Carl-Zeiss Jena. Als es ihm dort nicht mehr gefiel, flog er - gerade mal 16 Jahre alt - einfach rüber nach England. „Ich hatte dort fünf gute Jahre, aber die wollten uns Verträge geben, laut denen wir das Geld, das wir bekommen haben, zurückzahlen müssten, wenn wir es nach oben geschafft hätten."

Gleichzeitig hörte er von deutschen Fußballern in England und erlag dem Reiz der Insel. „Wir mussten ein paar Mal rüberfliegen und uns Entschuldigungen wie Essensvergiftungen oder Grippe einfallen lassen. Das haben die uns im Internat natürlich nicht abgekauft, weil Nico und ich immer gleichzeitig krank waren“, grinst Herzig. Schlussendlich ging aber alles gut und das Bruderpaar wechselte in einer Nacht- und Nebelaktion zum Milton Keynes Dons FC, dem Nachfolgeverein des FC Wimbledon.

Thomas Strunz (Foto: firo).

Als der Klub finanziell ins Trudeln geriet, riet er Herzig zu einem Wechsel. Schnell war mit dem FC Blackpool ein neuer Brötchengeber gefunden. „Da bekam ich zwar ein paar Einsatzzeiten, ich habe mich aber mit dem Trainer nachher nicht mehr verstanden und dann um meine Vertragsauflösung
gebeten.“ Das Ende in England.

Heimweh, betont der Verteidiger, habe er aber nie gehabt. „Ich bin schon mit elf ins Internat, das können wohl nicht viele von sich behaupten, daher habe ich auch keine Sehnsucht nach Deutschland gehabt.“ Denn auch die Mentalität der Engländer liegt ihm, weniger Neid, mehr Spaß am Leben, lautet ein kurzes Resümee seiner Zeit bei den Briten. „Der Fußball ist viel härter und geradliniger. Wenn man mal einen mitbekommt, bleibt man nicht einfach liegen und heult rum, sondern dann geht es gleich weiter und wenn dein Gegenspieler dich noch mal foult, kriegt er eben einen mit.“

Qualitäten, die man an der Hafenstraße sicher zu schätzen weiß. Doch das ist natürlich nicht seine Hauptmotivation, in Essen zu unterschreiben, obwohl RWE es schon verstanden hat, mehrere höherklassige Konkurrenten auszustechen. Nachdem es für den Blondschopf über Wacker Burghausen schließlich zum SV Elversberg ging, sorgte er dort mit acht Ligatreffern für Aufsehen. Prompt flatterten Angebote von Drittligisten ins Haus. „Doch ich hatte keine Lust, bei einem Klub zu spielen, der in jedem Jahr versuchen muss, den Arsch an die Wand zu bekommen. Da ist es mir lieber, hier bei einem großen Klub wie Essen zu spielen, der die Ambition hat, aufzusteigen.“

Mangelnde Perspektive war es auch, die ihn zu einem Abschied in Elversberg bewegte. „Ich hatte nicht das Gefühl, dass man dort alles für den Erfolg tut“, erläutert Herzig. Das soll bei RWE gänzlich anders werden. „Natürlich kann ich nicht versprechen, dass wir aufsteigen. Aber wenn alle an einem Strang ziehen, haben wir durchaus sehr gute Chancen.“ Heimisch eingerichtet hat er sich jedenfalls schon. „Ich habe mir Wohnungen angeschaut, zwischendurch den Vertrag unterschrieben und mich dann auch gleich für eine neue Bleibe entschieden.“ Geradlinig und schnörkellos eben, ganz wie in England.

Zudem hat man bei Herzig das Gefühl, er trägt sein Herz auf der Zunge. Eine Qualität, die man im Ruhrgebiet gemeinhin zu schätzen weiß. Und Herzig weiß auch, was die Fans hören wollen: „Überhaupt der Ruhrpott und die Fußballbegeisterung hier ist einfach geil.“ Dennoch mehr als eine Phrase, denn er sagt auch: „Wenn mir irgendwann einer ein Angebot in Australien macht, das könnte ich mir auch vorstellen. Wenn du im Zweit- und Drittligabetrieb ein, zwei Jahre weg bist, erinnert sich doch kaum noch einer an dich.“ Dennoch wäre ihm etwas Dauerhaftes schon ganz lieb: „Wenn es mit einem Verein wie Rot-Weiss Essen dauerhaft klappt - umso schöner.“

Kurz Notiert / Amateurfußballnews

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