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Sportstadt Gelsenkirchen: Bergsteigen am Rhein-Herne-Kanal
Traditionsreiche Kampfsportler

Wer in die Tiefen der Sportszene im Herzen des Reviers eintaucht, wird überraschende Erkenntnisse erlangen. Denn Gelsenkirchen beheimatet nicht nur einen äußerst renommierten Kampfsport-Verein, sondern auch eine „Eiger Nordwand“, direkt in den Emscherauen. Außerdem stößt man immer wieder auf den Namen des berühmtesten Stadtteils - aber in ganz unerwartetem Kontext.

Judo:

Auf der deutschen Kampfsport- Landkarte hat Gelsenkirchen dank des JC Koriouchi seit 1965 einen festen Platz, denn seit viereinhalb Jahrzehnten kämpft der heimische
„Judoclub“ in der ersten oder zweiten Bundesliga. Doch Harald Mantei, Trainer der ersten Seniorenmannschaft, erklärt die Sorgen des Vereins: „Bei uns schlägt die Wirtschaftskrise voll durch, die Sponsoren drücken Sorgen, deshalb fehlt auch uns das Geld.“ Konsequenz der Finanznot ist eine dünne Personaldecke.

„Junge Talente suchen sich dann einen anderen Verein, deshalb ist es für uns besonders schlimm, wenn sich ein Sportler verletzt“, berichtet der 48-Jährige, der „Judoka durch und durch ist“.

Sybille Möllensiep (Foto: privat)

Sind jedoch alle fit, sollte es nach Meinung des „Opelaners“ auch zum Zweitliga-Klassenerhalt reichen, spätestens im Oktober soll der gegen Lübeck unter Dach und Fach gebracht werden, da ist Mantei nicht nur Kampfsportler, sondern auch Kämpfernatur: „Wir wollen unbedingt in der zweiten Bundesliga bleiben und würden uns freuen, wenn in Gelsenkirchen die Randsportarten zukünftig etwas mehr Aufmerksamkeit bekommen.“ Denn beim „Randsport“-Verein JC Koriouchi ist Breiten- und Spitzensport unter einem Dach, das hat ebenfalls Anerkennung verdient.

Das sieht Reinhard Woelk, Präsident des traditionsreichen Vereins genauso: „In den letzten 20 Jahren waren wir nur einmal
kurz in der Regionalliga, sonst immer zumindest in der zweithöchsten Klasse.“ Der Koriouchi-„Boss“ schildert den immensen Aufwand, den der Meisterschaftsbetrieb mit sich bringt: „Die Reisen gehen natürlich unheimlich ins Geld, die weiteste Fahrt geht nun Mal bis zur polnischen Grenze.“ Aber in einer Hinsicht ist Woelk ein ganz fairer Sportsmann: „Wer absteigt, war nun mal nicht gut genug. Das macht doch den sportlichen Reiz aus.“

Leichtathletik:

Ein weiteres Aushängeschild der Gelsenkirchener Leichtathletikszene neben Sebastian Ernst ist Sibylle Möllensiep. Die frischgebackene Westfalenmeisterin ist vor allem auf der Marathonstrecke zuhause, wo sie regelmäßig vordere Plätze erringt.

Die Kommunalbeamtin ist ein „echtes Gelsenkirchener Mädchen“ und schreibt Vereinstreue besonders groß: Seit 1972 ist Möllensiep im SuS Schalke 96 aktiv, seit 1982 läuft die heute in Marl-Polsum wohnhafte Athletin auf der Langstrecke. Paradestrecke und Lieblingsdistanz ist dabei die „Königsdisziplin“: „Der Marathon hat einfach den größten Reiz und durch seine Geschichte eine ganz besondere Aura“, findet die 47-Jährige. Auch der sportliche Stellenwert ist für Möllensiep auf der 42,195-Kilometer-Strecke am größten: „Einen ‚Zehner‘ kriegt man immer irgendwie fertig, aber für einen Marathon brauchst du Tempohärte und Ausdauer“. Und dass Möllensiep beides hat, bewies sie zuletzt bei den Deutschen Meisterschaften in Mainz, als sie in 3:07 Stunden Sechste ihrer Altersklasse wurde.

Fieseln

Klingt zwar komisch, ist aber so: Gelsenkirchen ist eine nationale Fiesel-Hochburg. Wer jetzt verwundert die Stirn runzelt, dem sei gesagt, dass sich hinter diesem lustigen Begriff die Sportart Street-Hockey verbirgt – und die ist mittlerweile voll im Trend.

Klettern am Kletterfelsen im Nordsternpark (Foto: Redemann)

Ganz verknappt könnte man den Mannschaftssport auch als „Eishockey auf Asphalt“ bezeichnen. Schlittschuhe sind deshalb natürlich Fehlanzeige, die Akteure tragen Straßenschuhe, aber auch die von den Kufen-Cracks gewohnte Schutz-Kleidung. Dem „FC Schalker Chiefs“, der 1987 aus der Fan-Szene der „Schalker Haie“ hervorging, hat innerhalb der Stadtgrenzen mittlerweile der Lokalrivale den Rang abgelaufen.

Waren es bis 2005 noch die „Chiefs“, die nationale Erfolge wie die Vizemeisterschaft ‘03 feierten, sind es heute vor allem die „Blau-Weiß Schalke Cannibals“, die für Furore sorgen. Der frisch gekürte NRW-Liga-Meister hat im Endspiel den Gegner aus Hamm deklassiert – man könnte auch sagen „zum Frühstück verspeist“. Mit solch einem Erfolgshunger reicht es vielleicht ja auch zu einem Erfolg gegen die übermächtige bayrische Fiesel-Konkurrenz. Die haben den Sport zwar nicht erfunden - das waren eher die Kanadier - aber zumindest den schönsten Begriff dafür.

Klettern

Kaum zu glauben aber wahr: Noch vor dem Schalker Wiegenfest im Frühjahr 1904 existierte eine Sektion des Deutschen Alpenvereins in Gelsenkirchen. 106 Jahre später stellen die Alpinisten aus Gelsenkirchen zwar in Deutschland eine eher kleine, nach eigenen Angaben aber umso lebendigere Abteilung des DAV.

Ihre knapp 1000 Mitglieder sind in den Sparten Wandern oder Klettern aktiv, der Nachwuchs trifft sich in der eigenen Jugendgruppe. Wenn die Kletterfreunde nicht ins Sauerländer Hönnetal fahren, um sich am Naturstein zu versuchen, beackern sie ihren „Hausfelsen“ im Nordsternpark.

An der 15 Meter hohen Kletteranlage aus Beton kann jeder die notwendigen Techniken erlernen und verfeinern. Dem Ehrgeiz sind dabei keine Grenzen gesetzt: Bei 80 Routen der Schwierigkeitsgrade III bis IX ist auf dem ehemaligen Bundesgartenschau-Gelände auch für die ambitionierteren Gipfelstürmer etwas dabei.

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